Die Story ist schnell erzählt: Mitte der 90er tauchen in London plötzlich immer wieder unveröffentlichte Studioleaks, ganze Songs und teilweise regelrechte Bootlegalben von einer Band auf, die mit ihrem teilweise radikalem und visionären Songmaterial für Aufsehen innerhalb der Szene und in den Clubs sorgt. Wer die Truppe ist und wie sie heißt, weiß am Anfang so genau keiner. Man gibt sich mystisch verklärt und geheimnisvoll, an sich nichts Neues in der Gothic-Szene, doch schließlich taucht der Name Scarelett auf einer originalen Acetate-Pressung auf. Des Rätsels Lösung ist das aber noch lange nicht, denn niemand weiß wer sich hinter dem Namen Scarelett nun tatsächlich verbirgt. Insider vermuten schnell, dass es sich bei Scarelett um ein Inkognito-Projekt handelt, mit dem große Majorlabel neue Sounds für ihre bereits gesignten Bands unverbindlich in den Clubs testen wollen - eine ganz übliche Praxis in der Branche.
Namen wie Sisters of Mercy und Fields of the Nephilim fallen. Der Hype um Scarelett steigt allmählich und ohne dass die Band eine offizielle Veröffentlichung, geschweige denn Konzerte vorweisen kann, steigt ihr Bekanntheitsgrad rapide … und das nicht nur in der Szene. Selbst die eher konservative britische Musikpresse nimmt Notiz. Der NME schreibt : their sound is a savage beast, raw, uncut and they could be the next big thing emerging from the underground…Die deutsche Sounds spekuliert : Genialer Schachzug oder Spielwiese der Multis ? In der Folgezeit wird der Name Scarelett immer wieder mit dem berüchtigten Szeneclub Batcave in Verbindung gebracht, in dessen ehrwürdigem Nachfolgeclub auch der einzige öffentliche Gig der Band im Jahre 1998 stattfindet. Dies ebenso in visionärem Gewand - vor einer Bühne die mit weißem Tuch verhangen ist und nur dunkle Schatten Preis gibt. Die zukünftigen Großmeister des Industrial Skinny Puppy übernehmen Teile dieser Bühnenshow in ihr eigenes Konzept. Doch so schnell der Hype entbrannt ist, so schnell ist er verflogen. Die Band gerät fast 5 Jahre in komplette Vergessenheit. Das erste Lebenszeichen dann erst wieder 2003. Es findet ein kurzer Gig in einem Londoner Undergroundclub statt.
Wieder ist die Bühne verhangen und lässt alles im Unklaren. Der 5 Jahresrhythmus scheint Scarelett zu gefallen, denn genauso lang verschwinden sie wieder in der Versenkung.
Erst Anfang 2007 melden sie sich auf der Myspace-Plattform im Internet zurück, mit einer spartanischen Seite, dafür aber mit einem fulminanten Cover des B 52’s Klassikers „Planet Claire“. Ein weiteres Cover des PJ Harvey Songs „Meet Ze Monsta“ folgt wenig später.
Mitte 2007 dann völlig unerwartet der Clou : Scarelett werden offiziell von dem neuen deutschen Indie-Label BIOHAZZARD gesignt.
Dazu die beiden Gschäftsführer Sascha Bahn und Alexander C.H. Lorenz:
S: „Scarelett haben ein Label gesucht, das sich tatsächlich fernab jeglicher Orientierung am Mainstream bewegt und sich hauptsächlich um die Belange ihrer Musik kümmert.
Ein Major kam für sie nie in Frage, weil das einfach nicht zu ihrer grundsätzlichen Attitüde passt. Ich kann mir auch Scarelett nicht auf Virgin oder Sony vorstellen, das passt überhaupt nicht. Als die Anfrage kam, war uns klar das wir mit Scarlett anders arbeiten müssen als mit allen anderen Bands die wir vorher gesignt hatten - das ist eine echte Herausforderung und sie ist es auch geblieben."
A: "Scarelett ist keine Band, die sich ohne weiteres und auf allen Kanälen vermarkten lässt. Du kannst kein Insiderprojekt mit den sonst üblichen Merchandise-Artikeln ausstatten, weil das absolut keinen Sinn machen würde. Für Scarelett gibt es eigene Regeln und eigene Gesetzmäßigkeiten, die manchmal nicht ganz einfach zu handhaben sind. Aber das nehmen wir gerne in Kauf, auch wenn es harte Arbeit ist“.
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