WINTRY ist ein Projekt, bei welchem zwei nicht ganz unbekannte Musiker verschiedener Kontinente zusammengefunden haben. Diese Liaison besteht aus niemand geringeren wie der deutschen Anne Wagner (EX-Obsc(y)re-Sängerin) und dem aus Brasilien stammenden Alex Twin (3 COLD MEN).
Auch wenn das Projekt WINTRY nun schon seit fast einer Dekade besteht, so hat man erst am 30. April diesen Jahres ein Debütalbum hervorgezaubert. Mit Anne Wagner, welche 2007 zum Projekt hinzu kam, konnte der gesangliche Part schließlich vollends umgesetzt werden. Das Ergebnis ist „Atmosphere around us“. Und wie der Albumtitel schon verrät, handelt es sich hierbei um Musik, bei welcher die Emotionen im Vordergrund stehen. Einzuordnen ist das Ganze in die Sparte des Electro-Synthpop.
Auf dem Debüt befinden sich 10 Tracks, welche mit viel Geschick und einer großen Menge Sinnesreizen komponiert wurden. Annes Stimme passt sich den musikalischen Arrangements Alex Twins wunderbar an und verschmilzt zu einem Ganzen. Wer Anne noch aus den guten alten Obsc(y)re-Zeiten kennt und hier nun ihre freche und rotzige Stimme vermutet, liegt falsch. Die Vocals sind sanft und weich, ohne jedoch das gewisse Maß an Ausdrucksstärke zu verlieren. Die Texte sind größtenteils in Englisch gehalten. Es befindet sich jedoch auch ein deutscher Track („Unreale Welt“) auf dem Silberling und einer, welcher sowohl in englisch als auch in deutsch vorgetragen wird, der Opener „Cinema of Soul“.
Auf den geneigten Hörer rauschen sphärisch melancholische Klänge, welche sich den Texten sinnlich gesehen sehr gut anpassen und förmlich zum Träumen und Entspannen einladen. Für diese Momente empfehle ich die eher gedämpften Tracks wie „Cinema of Soul“, „True lies“, den deutschen Track „Unreale Welt“, Titeltrack „Atmosphere around us“, „Drowned“ und „Don’t give away your dreams“. Jedoch geht es auch des Öfteren etwas flotter voran („Voices“, „Time“, „Burning Soul“ und „Words“) und somit liegen vier Songs vor, welche sich sehr gut zum Autofahren eignen und auch auf der Privatparty für Stimmung sorgen können. Auch für DJs dürfte sich hier der eine und auch andere Leckerbissen herausfiltern lassen. Letzteren empfehle ich jedoch die Bonus-CD, welche in limitierter Auflage noch obendrauf gepackt wurde.
Der Song „Voices“ scheint bei den Remixern besonderen Anklang gefunden zu haben, denn dieser wurde gleich vier Mal „in die Mangel“ genommen. Auch wenn jeder Remix auf seine ganz eigenständige Art zu bestechen weiß, finde ich folgende Titel besonders anregend und äußerst gelungen:
Der „Voices (In Aurroram Remix)“ überzeugt durch die eingespielte Akustikgitarre und das schwermütige Klanggerüst, was dem Track noch eine Extra-Portion Melancholie verleiht.
„Burning Souls (M7S Rmx by Jean – Scalet Leaves)“ entpuppt sich als absoluter Lieblingssong mit Gänsehautcharakter. Er vermittelt besonders viele Emotionen, was hauptsächlich durch die Klavier- und Streicherklänge untermalt wird.
Der „Unreale Welt (Sci-Fi Moritz Remix)“ besticht durch seine Drum’n’Bass Elemente und dürfte somit im DJ-Koffer für die flottere Runde nicht fehlen.
Und auch der „Voices (Downward Path Remix) ist ein Ohrenschmaus schlechthin. Durch seinen Ambient-Charakter und eine ordentliche Prise Bonussounds wurde das Original in eine Version verwandelt, welche zum Tanzen auffordert.
Auf der Bonus-CD befinden sich weiterhin Demo-Songs von „Drowned“, „Unreale Welt“, „Cinema of Soul“ und „True Lies“, bei welchen es sich um reine Instrumentale handelt. Dazu bleibt mir nur eines zu sagen: Augen zu, fallen und mitreißen lassen in die sphärische Landschaft von WINTRY.
Die Aufgaben sind ganz klar bei WINTRY verteilt. Sie schreibt die Texte und singt, er zeichnet sich für den musikalischen Rahmen verantwortlich. Das Debüt-Album ist meines Erachtens gut gelungen und erweckt das Verlangen nach mehr. Beim nächsten Mal darf aber ruhig etwas mehr experimentiert und gewagt werden, sei es stimmlich als auch musikalisch. Denn im Gesamten betrachtet, macht CD1 noch zu sehr den Anschein, etwas eintönig zu sein, was jedoch nicht als negative Kritik, sondern eher als Verbesserungsvorschlag zu werten ist. In beiden Musikern steckt ein hohes Maß an Potential und ich bin mir sicher, dass man da noch einiges herausholen kann.
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