Samstag ist Saturn-Tag, neue CDs anhören, stöbern und einander vorstellen. Ganz vorne in den Charts (Top Ten) die neue „Unheilig“ CD „Die große Fahrt“. „Unheilig“ angekommen im Mainstream? Den Grafen hatten wir vorher schon mit dem Album „Puppenspiel“ etwas näher kennen und schätzen gelernt: Die Songs sind abwechslungsreich, die Rhythmus- und Tempowechsel machen die Lieder spannend, die Arrangements sind intelligent. Dazu noch Texte, die immer zum Nachdenken anregen, einen mitnehmen in die ganz eigene Gedankenwelt des Grafen. Von dem etwas härteren „Puppenspieler“ mit treibenden Beats über das schaurige „Dein Clown“ bis hin zu dem romantisch-idyllischen „Feuerengel“. Mit vollen Streichern und melodischen Klängen.
Und jetzt das neue Album mit dem Song „Geboren um zu leben“, den nun wohl jeder kennt. Eine Ode an das Leben! Kitschig-schön – die Musik, der Text, der Kinderchor, die Streicher. Eine Freundin von uns, bekennender Pur-Fan, war auch ganz angetan. Ein Schlag ins Gesicht eines jeden Gothic-Fans? So schrecklich? So schlimm? Wenn man die Kritiken in den Blogs verfolgt, wird dem Grafen ja der Vorwurf gemacht, dass seine Lieder jetzt (oder schon eine Zeit lang) die breite Masse erreichen bzw. genau auf den Mainstream zielen. Na und? Was schadet es, wenn die Gedanken und Ideen von „Unheilig“, das Weltbild vom Grafen, Menschen außerhalb der Szene erreichen? Wir denken, das ist kein Problem – und am Ende ist alles Geschmackssache. Uns erinnert die Diskussion etwas an die um das nun schon etwas ältere Album von Max Herre, „Ein geschenkter Tag“. Der Sänger von Freundeskreis wechselte mit der Singer-Songwriter-Scheibe sein Image, was ihm einige bis heute nicht verzeihen. So weit allerdings ist „Unheilig“ noch nicht. Gehen wir auf einige Lieder etwas genauer ein – alle spielen mit Motiven aus der Seefahrt.
„Heimatstern“ ist etwas für ruhige Gemüter, Denker und Romantiker – allerdings mussten unsere Frauen beim Refrain „Oh, Du tust mir manchmal weh, trotzdem ist es schön, Dich einfach anzusehen, oh, ganz egal wohin ich gehe, ich freue mich immer wieder, zurück zu Dir zu gehen“ schon deutlich schmunzeln. Für uns zeigt es eher die Zerrissenheit, Abschied und Ankommen. Streicher und gezupfte Gitarren weben den passenden melodischen Hintergrund. Aus der heimeligen Atmosphäre von „Heimatstern“ holt einen der elektrisierende Song „Seenot“ ganz schnell zurück. Mit „Abwärts“ taucht Unheilig in die dunklen Fantasien des Hörers, eingesperrt in das Stahlgerüst eines U-Bootes. Kein Entrinnen, kein Entkommen. Ähnlich düster ist das Lied „Unter Feuer“ – harte Beats, treibende Rhythmen. Wunderbar gemütlich dagegen „Die große Freiheit“ mit Akkordeon und einem vollen Klangteppich: „In deiner Urkraft liegt es durch den Sturm zu gehen, enstehen im Stolz jede Flut zu überstehen … oh große Freiheit, ich hab mich nach dir gesehnt, du hast dich in mein Herz geträumt, es ist schön dich wieder zu sehn, große Freiheit.“ Damit wollen wir es belassen – wer mehr hören will, kann dies tun unter http://www.unheilig.com/. Es lohnt sich allemal, dieses neue Werk von „Unheilig“ anzuhören, sich ganz offen darauf einzulassen. Es berührt, und das ist schon mal viel wert.
Unsere Bewertung (1-10)
7 Freshmen-Punkte (ist natürlich alles reine Geschmacksache)
Danke übrigens für die Kommentare auf unsere erste fresmen-Kritik „Roter Sand“. Und hier noch einmal unsere Einladung: Wer will, kann uns seine Top-Ten schicken oder uns ein Album für unsere nächste freshmen-Besprechung empfehlen. Wir freuen uns darauf.
MP3 Download: Unheilig
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