Gerade in der Gothic- und Elektro-Szene gibt es eine ganze Menge stilistischer Verschmelzungen der unterschiedlichsten Genres. ANIMA VIRUS sind ein gutes Beispiel für diese Crossover-Kultur, denn sie spielen Electro-Rock mit Gothic- Death-, EBM- und einer Menge glamrock-waviger Elemente.
“Days Of Ice” zum Auftakt, der die Musik von Beginn an charakterisiert. Gesangs- und Rhythmus-Strukturen, die teilweise an den Glam-Rock der 70er (ich meine jetzt aber nicht den Hitparaden-Gary-Glitter-Käse, auch in der damaligen Glam-Underground-Szene gab es außergewöhnliche und hierzulande leider unbekannte Interpreten) erinnern, als er gerade drauf und dran war, sich in den Punk zu verabschieden. Richtig schön aufgedreht schrillt es ein Loch in Deine Tapete. Breit, krachig, dreckig-punkig und industrial-verzerrt. Was noch fehlt, sind die richtig phätten Boom-Bässe, weil zu sehr in die Mitte produziert wurde. Kompressoren dienen halt nicht immer unbedingt als Allheilmittel.
Eine ganz andere Geschichte wird in “Black Lines” erzählt: Schwerer von Drum- Machines bestimmter moderater Electro-Vibe, mehrstimmiger Gesang, der irgendwo zwischen Sisters of Mercy-, Bauhaus- und Cure-Klängen umherschwirrt. Düster. Gedankenverloren tanzbar. Wie auch das schnellere EBM-beinflusste “Sin And Sacrifice”, das stark in die Richtung früherer rauer Depeche Mode- Produktionen zielt.
“An Old Wisdom”: Ich glaube irgendwo Kirchenglocken zu vernehmen, obwohl da mit Sicherheit gar keine sind. Die Stimmen sind unheilschwanger gedoppelt worden und bestimmen das Szenerio, auch hier klingt es wieder - und das ist an dieser Stelle keine Abwertung - wie “T.Rex/Marc Bolan On Acid” - und am Ende haut es mich fast vom Sockel: Das waren DOCH Kirchenglocken! Und jetzt sage noch mal einer, dass altgediente Ministranten über kein gutes Gehör verfügen!
Track # 8 führt uns auf den Zentral-Friedhof im polnischen Sanok. Dort liegt mit “Zdislaw (spricht sich: Dschiss-waff ) Beksinski” einer der bekanntesten Bildhauer und Maler Polens beerdigt. Seine Werke sind im Surrealismus - ähnlich denen von Hans Ruedi Giger (der Alien-Designer) einzuordnen. Beksinski wurde im Februar 2005 von zwei Jugendlichen erstochen, als er sich weigerte, dem Sohn seines Angestellten Geld zu leihen.
Bei “The Killing Moon”( Echo And The Bunnymen-Cover) mache ich dann eine erstaunliche Festellung: Je länger ich diese CD höre, desto faszinierender wirkt die Sound- Kulisse auf mich ein. Sie packt und zieht mich hinein in die Welt von AMINA VIRUS. ”
Release: 25. Februar 2009; TOTAL TIME: 70:53
Für alle Fans von: The Cure - Sisters Of Mercy - Bauhaus – Siouxsie
Website: www.animavirus.com oder www.myspace.com/animavirus
FAZIT: ANIMA VIRUS mit einer düsteren Platte, die kein Zuckerschlecken für Wave- Püppchen oder Gothic-Studenten bedeutet. Die Musik ist ungemütlich, dröhnt und Du befindest wie einst Robert Johnson an der Kreuzung und musst entscheiden, ob Du Gut oder Böse wählst. Du bist verzweifelt, weil sich die Ampel vor Dir einen Dreck darum schert, einen einfachen Farbton aus zu spucken.
TITELVERZEICHNIS:
1. Days Of Ice
2. Black Lines
3. Sin And Sacrifice
4. Metaphora
5. An Old Wisdom
6. The Gust Of The Wind
7. Bed Of Thorns
8. Zdislaw Beksinski
9. The Hunt
10. Amphetamine
11. Blood From Heaven
12. Siren
13. The Killing Moon
14. Adam
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