Sie nennen sich selbst Electro-Fetisch Musiker. Das belgische Trio um Melanie, Jean-Pierre und Madame Dolores legt sein zweites Album vor und setzt damit den Spannungsbogen fort, den man mit dem vor einem Jahr erschienenen sehr guten Debüt-Album “Sacrilege” aufgebaut hat.- Sexual Desire
- Humanite Decadente
- Similar Love
- Insgesamt Zerstörung
- Mistress Of Blood
- Demence et Suicide
- Eyes Closed
- Fetish Moment
- Music Is Our Life
- Agapesis
- Blood Rites And Sacrifice
- Enfants Soldats
- Apocalypse
- De la haine a la mort
TOTAL TIME: 74:59
Biohazzard Records 2008
Kaufempfehlung: Gute Platte, sehr empfehlenswert, gehört in die gut sortierte CD-Sammlung für alle Fans von: Arcana Obscura - Funker Vogt - Ayria - Cyberthreat
Einige der Songs: www.myspace.com/agapesis
DIE ANSPIEL-TIPPS / DIE HEISSESTEN TRACKS
Harte Electronic-Drums beginnen den Opener “Sexual Desire”, der tanzbare 131 beets-per-minute-housige Electro-Thrash packt mich gleich an den Eiern - mein Blick verfinstert sich und ich versinke in sexuellen Wunschgedanken. Ich betrachte das Cover - sieht nicht gut aus für die junge abgebildete Frau.
“Humanite Decadenté” ist die Mahnung an die menschliche Dekadenz, die auf der Couch liegt, Schokoriegel in sich reinstopft, DSDS ansieht, anstatt sich mit den Problemen der wirklichen Welt zu beschäftigen oder einfach zu geiler Musik, wie sie vom belgischen Duo inszeniert wird, zu tanzen. Harter Electro-Beet, verzerrte Frauenstimme, die Wut vermittelt zur minimalistischen düsteren (technoid- electrischen) Instrumentierung. Deutsche Text-Fragmente (“Ich geniesse weiter die Unterstützung des Präsidenten”) - der verzerrte Hilferuf steigert sich exstatisch, die Synthie weigert sich und mahnt zur Ruhe, während der Rhythmus wabert und der Drum-Loop das Tempo wieder aufnimmt und die männliche Hälfte des Duos aka J-P kommt zu Hilfe.
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Die Zeiten werden härter. Der Sound auch. Modulierender Bass-Loop. Für die Musik ist der studierte Jean-Pierre zuständig, die Texte wurden von Madame Dolores geschrieben und handeln zumeist von Rassismus, Kindesmissbrauch, Diskrimination und natürlich auch Selbstmord. “Similar Love” ist tanzbarer keyboardlastiger EBM. Einziger Kritikpunkt: Der kurze lieblose fade-out hat mich nicht ganz überzeugt.
Gruselige Klänge zu Beginn von “Insgesamt Zerstörung” . Eine deutsche Stimme - hört sich an wie Marcel Reif von Premiere, der sich selbst zerstört - aber nein, kurz danach brettert Melanie stimmverfremdet zum EBM-Electro-Drive. Es geht um einen Virus - okay, können nur Zombies sein, stehen wir alle drauf. “Day Of The Dead” - indiziert, aber gut. “Insgesamt Zerstörung” - frei verkäuflich und mindestens genau so gut. “Keep Me Freaking” - obwohl der Sound fast kathedralisch klingt, erinnern mich Speed und Atmo an zerstörerischen Schranz: Einer der schnellsten Tracks auf der Platte.
“Mistress Of Blood” ist der böse Titeltrack des Album. Gewalt - Blut - Schweiss - Folter - Tränen - Spanking im Hintergrund - “Oh God” ruft eine vergelustwergelte im Hintergrund - aber es scheint ihr Spass zu machen. Ich sehe mir das Cover noch einmal an. Da müsste man jetzt dabei sein. Das Stück ist von solcher brachialen Intensität, dass selbst ein Marquis de Sade Beifall geklatscht hätte. Hypnotischer Cold Wave, der gleichzeitig zeigt, dass die Belgier sämtliche Register der elektronischen Musik ziehen.
Synthie-Cellos - “Ich konnte sie abknallen - ich bin zu allem fähig”-Text-Fragmente. Stehende Keyboard-Akkorde vermitteln risikolose Sicherheit, doch der Techno-Beet sagt: Nein! Folge mir. Tanze. Höre. Melanie wirkt wieder aggressiv. Erinnert an einen Remix von Ca Plane Pour Moi, den Leila K in den 90ern veröffentlicht hat. Kathedralische Synthie-Klänge begleiten einen der hypnotischsten Grooves der CD. “Demence et Suicide”. 2 Minuten und 16 Sekunden: Ja, das ist der Beet, zu dem ich von einer Brücke springen könnte. Suizid. Selbstmordgedanken. Es wird immer schneller. Intensiver. Die “verzerrte” Melanie wechselt mit deutschen Text-Fragementen, Stakkato-Kirchenorgelsimultanklänge - ein Waaaahnsinns- Ausflipp-Track!
Und als ich gedacht habe, das Ende der Fahnenstange müsste jetzt erreicht sein, “Eyes Closed” verliert nicht an Intensität, denn jetzt kommt noch der Kontrapunkt zum Beet dazu, der den Body so richtig schaukeln lässt. Wie machen die das? Nach 3 Minuten und 30 Sekunden gibt es eine Synthie-Melodie, die mich in die finstere, düstere Atmo des Films “Der Name der Rose” hineinzieht. Labyrinth, Finsternis, die Kühle einer Gruft. Der hypnotische harte Beet bleibt. .
Nach dem instrumentalen kürzeren “Fetish Moment” geht es nahtlos weiter mit dem schnellen (145 bpm) minimal-elektronischen “Music Is Our Life” - “We have to achieve Our Dream” singt Mélanie. Recht hat sie!
Die folgenden Stücke - wie auch der Titeltrack “Agapesis” stehen den vorangegangen Songs in nichts nach, aber wenn ich etwas vermisst habe, ohne es benennen zu können, dann wird es mir spätestens bei “Blood Rites And Sacrifice” klar. DER ultrabrutalharte Industrial-Content auf der CD. Voila! Hier ist er! Extatisch - jeder, der hier nicht an harten ungezügelten Sex denkt, lügt! Schmerzen, Verletzen, Wollust! Es bedarf keiner Worte. AGAPESIS haben einen zeitlosen düsteren Song geschaffen, wie er auch nur aus Belgien kommen kann.
“De la haine a la mort” ist noch zerstörerischer als alle anderen Traxx vorher. Ich habe selten eine CD erlebt, in der die dramaturgische Schleife so angezogen wird wie bei “Misstress Of Blood”. Hier vereinigen sich EBM-Beets, industrielle Loops und noisige Effekte zum tödlichen auditiven Höhepunkt - der herrliche Soundtrack zum kollektiven Selbstmord
FAZIT: Scherz beiseite. Ich habe es überlebt. Die Platte ist düster, gewaltverherrlichend/beschreibend und .. (ich sehe mich um).... saugeil! Die Beets sind sadomasochistisch, die Stimmen der beiden Protagonisten hören sich vulgär an und sie verstärken damit ihre Botschaft, die nur eines zum Ziel hat: Den Rest den verweichlichten und selbstzufriedenen Menschheit auf zu rütteln und ihr auf spielerische Art zu vermitteln, dass es eine andere, schönere Welt gibt: Eine Welt, in der man Spass haben kann, in der Schmerz gleich Wohlempfinden ist, in der Hässlichkeit Schönheit bedeutet, aber auch eine Welt, in der ein gewisses Maß an Vulgarität notwendig ist, um gottgleich zu werden.
Im März und April 2009 absolvieren sie zwei Gigs, den einen ganz bei mir in der Nähe - ich bin schon jetzt gespannt auf Mélanie und Jean-Pierre.
echt? witzig wie weit
echt? witzig wie weit meinungen auseinander gehen können, ich fand die scheibe leider ziemlich platt
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