Interview Mystery of Dawn

Rubrik: Interview

MYSTERY OF DAWN sind bereits seit 2000 im Geschäft und begeistern die schwarze Hörerschaft mit einfallsreichen Electro-Rock-Perlen. So vielfältig Sonnenaufgänge sein können, so versuchen auch die beiden Protagonisten, ihre Songs und Texte zu schreiben. MYSTERY OF DAWN kann auf zahlreiche Konzerte mit Größen wie APOPTYGMA BERZERK, TANZWUT, CAMOUFLAGE, WELLE: ERDBALL, UMBRA ET IMAGO, MESH, PROJECT PITCHFORK zurückblicken, bei denen sie ihre Ausstrahlung unter Beweis stellen und das Publikum überzeugen und mitreißen konnten. Nun ist endlich die lang erwartete "AUGENLICHT" erschienen. Von Synthiepop oder Dark Wave bis hin zu poppigen oder gar rockigeren Elementen ist in den Liedern des frischen Albums vieles zu erkennen. Dies zum Anlass haben wir uns mit ein paar Fragen an dieses Protagonisten-Duo gewandt.

Hi und vielen Dank dafür dass Ihr Euch Zeit nehmt für das Interview mit PromoFabrik. Ihr habt ja mittlerweile schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Stellt Euch und Mystery of Dawn bitte trotzdem noch einmal kurz vor?

Stephan: MOD sind derzeit Holm Mika und meine Wenigkeit Stephan Lampe. Wir kommen aus Sachsen-Anhalt und sind mit MOD seit 2000 unterwegs. Mika ist als Bootsbauer selbständig und der Gitarrist von MOD. Er kommt eigentlich aus der Blues- und Rockecke. Er stand zuvor bereits bei anderen Bands auf der Bühne. Ich bin angehendeder Rechtsanwalt und mache seit 1995 elektronische Musik. Bis 2000 stand ich lediglich an den Synthies bis ich nach einem APOP-Konzert den Entschluss gefasst habe, den Platz auf der Bühne zu wechseln und MOD zu gründen. Die Arbeitsteilung sieht bei uns so aus, dass ich von Texten über die Musik zum Gesang alles selber mache und Mika seinen Freiraum in den Gitarrenparts findet. Da lass ich ihm völlig freie Hand. Das Konzept ist bislang auch gut funktioniert und bereits 3 Alben sowie 2 EP´s hervor gebracht.

Verbindet Ihr mit dem Bandnamen ein besonderes Ereignis oder wie seid Ihr darauf gekommen?

Stephan: Auf den Namen selbst bin ich 2000 nach einem Schwedenurlaub gekommen. Dort war ich von den Sonnenauf- und untergängen regelrecht gefangen. Eigentlich sollte das Projekt Edge of Dawn heissen, doch den Namen gabs zu dem Zeitpunkt schon. Da ich aber unbedingt das Wort Dawn mit im Namen haben wollte habe ich kurzerhand MYSTERY statt Edge draus gemacht. Der Bandname selbst hat viele Bedeutungen. Die Morgendämmerung ist nicht nur visuell ein Erlebnis, sonder birgt viele Interpretationsmöglichkeiten und Symboliken. Die Dämmerung kann in der Stimmung sehr vielseitig sein. Von dezent bis feurig ist alles dabei. Genau diese Vielfalt versuchen wir in unseren Liedern zu finden. Zudem stellt der Sonnenaufgang den Übergang von der Nacht in den Tag, also eine Art fließende Grenze dar. Und genau solche fließenden Übergänge begegnen uns oft im Leben. Es ist also nicht wirklich greifbar. Und das fasziniert uns. Symbolisch gesehen, kann man in der Morgendämmerung auch die Aufforderung sehen, immer in die Zukunft in das Licht, die Sonne zu blicken und niemals zurück in die Vergangenheit, die Dunkelheit. Es ist also somit eine Art Lebenseinstellung in dem Bandnamen zu finden. Es gibt da natürlich noch viele weitere Möglichkeiten. Vielleicht haben ja die Leser noch eigene Ideen. Wir würden uns über weitere Deutungen sehr freuen.

Mit "Augenlicht" geht das mittlerweile dritte Album von Euch an den Start? Was erwartet den geneigten Hörer und welches ist die zentrale Botschaft von "Augenlicht"?

Stephan: Ich hoffe, dass wir es wieder geschafft haben, eine gewisse Vielseitigkeit zu erreichen. Das Album selbst hat den Anspruch, dem Hörer beim ersten Hören von Lied zu Lied zu überraschen. Softe Stücke sind ebenso dabei wie derbere Songs. Genauso spielt ja auch das Leben. Hinter dem Namen des Albums steht eine metaphorische Deutung des Begriffs Augenlicht. Während der medizinische Begriff lediglich von der Fähigkeit, sehen zu können, ausgeht, sehen wir vielmehr bei dem Album die Fähigkeit, nicht nur bloss sehen zu können, sondern die Fähigkeit, besondere Situationen und Momente zu erkennen und zu genießen. Was bleibt uns am Ende des Lebens??? Eigentlich sind es bloß die Erinnerungen. Es gibt viele Menschen, die wunderbare Dinge übersehen und an ihnen vorbei gehen. Sei es durch Ignoranz oder eben durch die Unfähigkeit, solche Augenblicke zu erkennen. Diese Augenblicke können subtil und für jeden anders wirken. Aber man sollte für sich selbst die besonderen Dinge erkennen können. Jeder der sich mit der Idee dahinter auseinandersetzt wird noch weitere Facetten an dem Albumnamen finden.

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Wie lange habt Ihr an "Augenlicht" gearbeitet und was hat Euch dazu bewogen diese brandneue Veröffentlichung lediglich digital zu veröffentlichen. Eigentlich sollte das Album Ende 2008 in einem aufwendigem Digipack sowie mit umfangreichen Foto-Booklet veröffentlicht werden?

Stephan: Die Produktion hat 4 Jahre gedauert. Das Album ist eigentlich seit 2006 fertig. Danach haben wir eine sehr abgedrehte Fotoserie gemacht. Ich habe mich als Nacktmodel zur Verfügung gestellt. Jedes Lied der CD hat ein eigenes Bild bekommen, um die Botschaft visuell umzusetzen und mehr Spielraum für eigene Interpretationen zu schaffen. Das besondere an den Fotos ist, dass man die Augen des Protagonisten nicht sehen kann. Erst das letzte Bild offenbart die Augen. Allerdings ist darauf dann der Körper dazu nicht mehr zu sehen. Dies soll auch den Bogen zum Albumtitel spannen. Allein in der Fotoserie stecken 100 Arbeitsstunden… Unser damaliges Label bot uns an, die CD als Digipack zu machen. Leider kam immer wieder privat und beruflich etwas dazwischen, so dass sich die Veröffentlichung 2 Jahre hinzog. Nun haben wir uns der derzeitigen Musikmarktsituation angepasst und Abstand von der Idee eines Digipacks genommen. Die augenlicht wird es nur zum Download in den diversen Portalen geben. Itunes, musicload und Co bieten sie bereits an. Wer Interesse an der Fotoserie hat kann unter www.mysteryofdawn.de/promo/augenlicht/ anschauen. Aber wir werden uns bei Gelegenheit und ausreichenden finanziellen Mitteln den Traum dieses Digipacks erfüllen.

Wie entsteht ein typischer Mystery of Dawn Song? Gibt es da eine bestimmte Arbeitsreihenfolge oder ist diese immer wieder verschieden?

Stephan: Ein typischer MOD-Song zeichnet sich durch hohe Melodien aus. Ich bin ein Fan von solchen Dingen. Ferner versuche ich, einen roten Faden durch das Lied zu spinnen. Mika setzt den Tracks mit seiner eigenen Art, zu spielen, noch sein Markenzeichen drauf. Den Anfang einer Songidee bildet meist eine Melodie. Danach baue ich die Drums sowie Flächen etc. drum herum. Gelegentlich weiche ich von der Herangehensweise jedoch ab, was man dann in den Songs auch hört.

Ihr wechselt bei "Augenlicht" zwischen englischer und deutscher Sprache. Gibt es da Präferenzen bei Euch oder macht Ihr das von Song und Stimmung abhängig?

Stephan: Oh ja, das ist bei mir sehr stimmungsabhängig. Es kommt auch darauf an, mit welcher Sprache es besser klingt und wie wichtig mir der Text ist. Deutsch versteht man hierzulande einfach besser und da kommt die Message des Liedes eben auch besser rüber. Die persönlichsten Songs sind meist die deutschen.

In wie weit sind Eure Texte autobiografisch? Wer ist verantwortlich für die Texte und woher kommen allgemein gesehen Eure Ideen dazu?

Stephan: Die Songs sind unweigerlich autobiografisch. Gerade die augenlicht-Songs stammen aus einer sehr schwierigen Zeit für mich. Daher sind die Texte auch recht düster oder wütend. Die Texte schreibe größtenteils ich. Ein paar Songs sind jedoch einem Freund entliehen, der eine tolle Art zu Schreiben hat. An dieser Stelle will ich den Silvio Pester grüßen dessen Texte einfach zu schade für die „Tonne“ wären. MOD gibt ihm hoffentlich damit eine Plattform.

Ihr habt einige clubtaugliche Tracks auf "Augenlicht" im Programm. Was haltet Ihr von den Entwicklungen in unseren Clubs? Gute Musik oder immer das Gleiche - wenig Neues?

Stephan: Wir selber sind keine Clubgänger. Von daher weiß ich nur durch die Medien was gerade so in ist. Abgesehen von einigen guten Bands ist aber nicht mehr soviel Innovation zu hören. Dies mag aber auch daran liegen, dass Labels aufgrund der Marktsituation neuen Bands keine Plattform mehr bieten und man sich nur auf altes besinnt. Ich denke aber, dass genau das der falsche Weg ist. Ohne Newcomer stirbt definitiv die Vielfalt in unserer Szene. Ich brauche keine 10. Band die nach Blutengel oder De/Vision klingt. Den Mut, einen eigenen Weg zu gehen haben wenige Bands und erst recht kein Label. Finde ich persönlich sehr schade.

Bei einigen Stücken verwendet Ihr Sprachsamples aus Filmen, etc. Habt Ihr da ein großes Archiv bzw. setzt Ihr zur Verstärkung der Stimmung diese beliebte Technik ein oder macht Ihr das eher spontan je nach Song?

Stephan: Wir machen das eher spontan. Es gibt Filme mit großartigen Dialogen oder Monologen und merkwürdigerweise höre, sehe ich die Filme in der Entstehungsphase der Lieder. Meist fällt mir dann gleich ein Spruch oder auch Geräusche auf, die ich für die Lieder verwenden kann und der Meinung bin, dass die den Inhalt des Liedes sehr gut untermalen. Man sieht und hört Filme in der Produktionszeit immer mit anderen Augen und Ohren.;-) Augenlicht halt…

"Augenlicht" enthält 19 variantenreiche Songs. Wie wichtig ist Euch der Aspekt ein viefältiges Album erst aufzubauen ohne dabei den Faden zu verlieren?

Stephan: Das ist uns sehr wichtig und stellt DIE Herausforderung für uns dar. Damit wollen wir uns definieren und unserem Bandnamen treu werden bzw. uns selbst treu bleiben.

Habt Ihr Lieblingssongs auf dem neuen Album? Wenn ja, welcher bzw. welche?

Stephan: Mein persönlicher ist moonlight. Mika findet Krümel sehr nett.;-)

Geht Ihr mit dem neuen Album "Augenlicht" auf Tour? Wenn ja, wo und wann?

Stephan: Also die geplante Tour dazu wird LICHTSCHUTZf.u.c.k.TOuR heißen. Unsere Bookingfirma ist derzeit dabei, ein paar Konzerte im Osten des Landes zu buchen. Leider stellt sich das für kleinere Bands als äußerst schwierig heraus. Die Veranstalter buchen lieber bekannte Bands und geben den „kleinen“ wenig Chancen…

Was macht Euch persönlich mehr Spaß - Songs produzieren oder live performen?

Stephan: Oh, schwierige Frage. Das Produzieren hat einen sehr emotionalen Aspekt, denn man verarbeitet seine eigene Gefühlswelt. Konzerte sind aber auch geil, denn man erlebt unmittelbar die Reaktion der Zuschauer. Außerdem kann man live die Songs schön improvisieren. Und das macht eben auch riesigen Spaß. Ich denke, dass es sich bei uns die Waage hält.

Wie seht Ihr die Zukunft der elektronischen Musik im Dark Bereich? Wohin führt der Weg, die Entwicklung?

Stephan: Also wenn die Labels und die Veranstalter so weiter machen und auf Altbewährtes vertrauen, werden wir Herrn Pohl und Co noch mit 60 auf der Bühne stehen sehen. Ich denke, dass die Zukunft in der Offenheit für neues steckt. Aber da müssen auch die Szenegänger mitmachen. Mal sehen, ob da noch ein Umdenken zu sehen sein wird.

Was kann man als nächstes von Mystery of Dawn erwarten?

Stephan: Wir haben für die Zukunft noch einiges im Lauf. Es wird eine Akustik-CD geben. Um Verwirrung zu vermeiden, wird das Projekt MANUS und die CD Mystery of Dawn heißen.;-) Das nächste Album ist vom Konzept her auch schon fertig und wird den Namen „Herzmensch“ tragen. Es wird sozusagen die Fortsetzung zur Augenlicht. Derzeit bin ich noch in einem Nebenprojekt namens statiCViolence tätig. Dort geht es soundmäßig und textlich derber zur Sache. Ich sehe das eher als Abenteuerspielplatz neben MOD. Die Songs haben entsprechende Namen wie „ficken fetzt“ oder „AUF DIE FRESSE??? FERTIG??? LOS!!!“ Dort wird es bald das Debut-Album geben. Infos zu dem Projekt findet ihr unter www.myspace.com/staticviolence

Wir haben also noch viel vor.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Euch mit dem Release von „Augenlicht“ und der LICHTSCHUTZf.u.c.k.TOuR viel Erfolg!