Anna: So, nun sind wir hier beim Amphi in Köln. Das Wetter ist wechselhaft und so bist auch Du, Jan von X-FUSION und NOISUF-X. Du lässt beide Projekte nebeneinander koexistieren. Was hat Dich dazu bewegt?
Jan: Also X-FUSION ist eigentlich mein Hauptprojekt. Da stecke ich vor allem meine Emotionen hinein. Dabei mache ich eher düstere Sachen, die überhaupt nicht auf den Club ausgerichtet sind. Und zu NOISUF-X kam es einfach, weil ich immer schon einmal Clubmusik machen wollte. Allerdings passte dies nie ins Konzept von X-FUSION. Ich habe angefangen mit einem Song, der auch namensgebend für das Projekt war. Der Song hieß NOISUF-X. Ich wollte einfach mal mit X-FUSION einen Song mit Industrial-Elementen machen und das machte so viel Spaß, dass daraus noch mehr Songs wurden. Jedoch konnte ich diese nie unter dem Namen X-FUSION veröffentlichen. Und da blieb mir nur die Möglichkeit, ein zweites Projekt zu eröffnen.
Anna: Also quasi so nach dem Motto, zwei verschiedene Interessengruppen anzusprechen?
Jan: X-FUSION ist eher mein anspruchsvolleres Projekt. Da kann ich mich voll ausleben und alle Emotionen reinstecken. NOISUF-X ist dahingegen eher mein „Spaß-Projekt“. Jedoch ist es mittlerweile ernster geworden, eben weil es doch sehr gut ankommt. Man geht dann automatisch professioneller an die Sache ran. Es hat also als Spaß-Projekt angefangen und sich dann entwickelt. Es ist zwar noch nicht so weit, dass es mein Hauptprojekt überrannt hätte, aber es läuft schon sehr gut und ich habe wirklich viel Freude daran. Es ist eigentlich beides nicht für die Masse ausgerichtet, aber da NOISUF-X eher cluborientiert ist, spricht es ein breiteres Publikum an. Jedenfalls habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele mit Musik, zu der man nicht tanzen kann, nichts anfangen können.
Anna: Und als ob Dir zwei Projekte nicht reichen, hast Du jetzt mit Johan von Suicide Commando auch noch eins am Laufen. Und zwar Kombat Unit. Und Eure Single „We are machines“ kommt jetzt bald im November auf den „Noise Terror“ – Sampler, richtig?
Jan: Der Song ist schon letztes Jahr auf diesem Sampler veröffentlicht worden. Wir arbeiten natürlich an neuen Songs, sind aber zeitlich sehr eingebunden, so dass wir nicht so viel Zeit dafür aufbringen können. Eigentlich waren schon vier Konzerte für dieses Jahr geplant, welche wir allerdings absagen mussten, weil wir noch nicht genug Material zusammen hatten. Aber wir hoffen, dass sich das in Zukunft ändert und dass wir mehr machen können und dann schauen wir mal, wie es läuft.
Anna: Und weitere Alben sind durch den Zeitmangel auch nicht in Aussicht oder werden da bald noch welche kommen?
Jan: Von Kombat Unit meinst Du jetzt?
Anna: Nein, auch von den anderen beiden.
Jan: Also von X-FUSION ist ja gerade das neue Album „Vast Abysm“ erschienen und das nächste NOISUF-X Album ist geplant für Anfang nächsten Jahres. Dann schau ich mal. Von X-FUSION brauche ich erst einmal eine kleine Pause. Vielleicht werde ich die Zeit nutzen, um mich mehr mit Kombat Unit zu beschäftigen.
Anna: Viele Samples hast Du ja aus Filmen, die nicht mehr erhältlich sind oder noch nie wirklich waren. Sind die Filme wirklich so krank, wie es die Samples erahnen lassen?
Jan: Na ja, es hängt immer davon ab, wie man es betrachtet. Wenn man viele Filme schaut, relativiert sich das schon etwas. Ich schaue gerne Horrorfilme, das in halt mein Genre. Ich mag düstere Stimmung und natürlich ist nicht jeder der gesampelten Filme noch immer offiziell erhältlich. Das heißt, viele Filme stehen auch auf dem Index oder sind vor Jahren auf dem Index gelandet. Mittlerweile könnte man sie sehr wahrscheinlich im Fernsehen zeigen, denn so wild ist es nicht. Aber es liegt immer im Auge des Betrachters. Einige würden es vielleicht schon „krank“ finden. Es gibt ein paar Filme, gerade die Filme aus Japan, die sind teilweise schon genau so heftig sind, wie es die Samples erahnen lassen.
Anna: Und auf der Suche nach den Samples, schaust Du da gezielt oder ist es mehr beim Filmeabend mit Freunden, so dass Dir welche zufliegen...
Jan: Es ist eigentlich so, dass ich das automatisch höre, wenn ich Filme schaue. Ich mache seit 20 Jahren Musik und arbeite ich auch mit Samples. Und wenn ich einen Film schaue, fallen mir automatisch auch Samples auf, die ich irgendwo benutzen könnte und bei welchen keine Musik im Hintergrund ist. Da muss ich mich nicht darauf konzentrieren und die Stellen merke ich mir dann, sample diese, archiviere sie und wenn ich dann Songs schreibe, dann schaue ich nach, ob ich einen Sample habe, das dazu passen könnte. Aber die Samples sollten nicht das Hauptaugenmerk sein. Denn ein Song sollte auch ohne Sample funktionieren. Aber wenn ich eines passend finde, dann benutze ich den natürlich auch gerne, weil es doch oft eine Stimmung unterstützen kann. Es ist in vielen Fällen auch interessant, Samples aus dem Zusammenhang zu reißen, um ihnen dann eine ganz neue Bedeutung zu geben.
Anna: Ja, jetzt sind wir hier auf dem Amphi. Was machen für Dich auch das WGT und das M’era Luna so interessant?
Jan: Auf dem M’era Luna habe ich bis jetzt noch nicht gespielt, außer als Keyboarder von Suicide Commando. Auf dem WGT habe ich gespielt und dies war eines meiner besten Konzerte. Wir hatten ein riesiges Publikum und die Halle war brechend voll. Es macht einfach Spaß, wenn die Leute mitgehen und einfach auch Spaß haben. Und je mehr Spaß die Leute haben, desto mehr Energie haben dann wir natürlich auf der Bühne, ganz logisch. Und bei so vielen Leuten muss einfach eine gute Stimmung aufkommen.
Anna: Und wie ist es denn privat?
Jan: Privat höre ich mir eigentlich nicht so viele Bands an und ich gehe auch kaum auf Konzerte, wenn es nicht gerade befreundete Bands sind. Dadurch, dass ich privat viel Mastering mache und auch für andere Bands arbeite, muss ich mich beruflich schon sehr viel damit beschäftigen und privat höre ich dann eher andere Sachen.
Anna: Und woran erinnerst Du Dich, wenn Du noch einmal auf Deine allererste Live-Show zurückdenkst?
Jan: Meine allererste Live-Show war eigentlich schon 1992. Das war noch in meiner Techno-Zeit, als ich noch ganz andere Sachen produziert habe. Das war einfach unbeschreiblich. Ich war gerade 17 Jahre alt, stand das erste Mal auf der Bühne und direkt vor 2000 Leuten. Also es war ein richtig, richtig großes Ding, weil die Techno-Szene noch mal um einiges größer als die Schwarze Szene. Das war schon gigantisch.
Anna: Und inwieweit unterscheiden sich die Fans von X-FUSION und NOISUF-X?
Jan: Ich denke, die Fans von X-FUSION achten einfach mehr auf tiefsinnige Texte und Inhalte, auch auf ausgetüftelte Arrangements und mögen auch diese klassischen Elemente, die ich gerne benutze. Und die Fans von NOISUF-X sind eher die Zielgruppe, die sich im Club bewegt und einfach tanzen möchte. Bei Clubmusik muss man nicht großartig auf tiefgängige Texte achten. Das ist bei Clubmusik meines Erachtens nach fehl am Platz. Ich finde, der Club ist zum Spaß haben da. Deswegen ist X-FUSION auch eher die Musik, die man sich zu Hause anhört.
Anna: Und jetzt zum Schluss noch meine Lieblingsfrage: Wo siehst Du Dich in zehn Jahren mit XFUSION, NOISUF-X und auch Kombat Unit?
Jan: Also generell tendiere ich sehr zum Bereich der Filmmusik und ich hoffe, dass ich da vielleicht einmal irgendwann landen werde. Wo ich dann mit X-FUSION und NOISUF-X stehe, kann ich überhaupt nicht abschätzen, weil sich mein Musikgeschmack ständig verändert. Noch vor zehn Jahren, als ich noch Techno gemacht habe, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in der Schwarzen Szene tätig sein werde. Und noch zehn Jahre davor, habe ich Acid, House und teilweise auch Hip Hop gemacht. Das sind also alles ganz verschiedene Richtungen gewesen. Ich kann es also überhaupt nicht vorhersehen, wo es hingeht. Ich lasse mich einfach überraschen. Ich mache mir da selber keinen Druck, sondern tue einfach das, worauf ich Lust habe. Ich muss keine Erwartungen erfüllen und auch nicht von der Musik leben. Und das gibt mir eigentlich ein gutes Gefühl, dass ich in dieser Hinsicht recht frei bin und einfach „mein Ding“ durchziehen kann.
Anna: Okay, vielen Dank für das Interview heute!
Jan: Gern geschehen!
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