Die PromoFabrik interviewte Sven von Rebentisch zum Anlass des neuen Albums "Herz zerrissen "
PromoFabrik: Hallo, vielen Dank, dass du dir die Zeit zum Beantworten unserer Fragen nimmst. Am besten wäre es, wenn du dich erst einmal vorstellst.
Sven: Hallo : ) ich bin Sven Rebentisch von der Band REBENTISCH und mache seit 1999 Musik im Bereich Darkwave / Electro. Zuerst entstand jeder meiner Songs in Eigenproduktion eher für den Homegebrauch, wuchs dann nach etlichen Demo-CDs heran zum eigenen Label Gruftie-Ton ... um nun aber in noch viel besseren Händen, nämlich bei AF-Music unter Vertag gekommen zu sein, in der wunderbaren Zusammenarbeit mit Danse Macabre und Alive!
PromoFabrik: Erkläre uns doch einmal kurz, wie und wann du letztendlich auf den Gedanken gekommen bist, Musik zu machen.
Sven: In einer Phase, in der ich seelisch und körperlich nicht mehr weiter wusste, fing ich an, mich mit Musik selbst zu therapieren. Meinen Frust und meine persönlichen Sorgen in Texten und Musik raus zu lassen, hat mir gut getan und mit der Zeit habe ich viele Hörer gewonnen. Ich brauche Musik, ohne würde ich total verblöden.
PromoFabrik: Welche fünf Adjektive umschreiben am besten „Rebentisch“?
Sven: ehrlich, verletzlich, sehnsuchtsvoll, zerstörerisch, hoffnungsvoll
PromoFabrik: Welches Publikum möchtest du mit deiner Musik ansprechen?
Sven: Menschen, die noch zuhören können und sich für eine ehrliche Lebensform entscheiden wollen. Der Gedanke, dass sich auch Tiere bewusst mit meiner Musik auseinandersetzen würden – wenn sie könnten, finde ich allerdings ebenfalls sehr reizvoll, denke aber, dass das eher unwahrscheinlich ist ... .
<!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --> <!-- END PARTNER PROGRAM -->PromoFabrik: Du trittst vom Aussehen her eher als Punk auf, jedoch ist die Musik von „Rebentisch“ überhaupt nicht punkig. Wie kannst du uns das erklären?
Sven: Ganz einfach, ich möchte glaubhaft rüberkommen, also gehe ich so auf die Bühne, wie ich mich mag und niemals so, wie andere es sich wünschen. Ich liebe zudem Widersprüche, da ich selber ein wandelnder Widerspruch bin. Widersprüche machen das Leben erst interessant! Für mich passt Outfit und Musik perfekt zusammen .... . Was die Medien für passend empfinden, finde ich meistens abstoßend ... .
PromoFabrik: Deine bisherigen Tonträger „Weltschmerz“, „Impressionen“ und „Single“ sind bereits vergriffen. Wird es davon noch einmal Re-Releases geben?
Sven: Es sind noch viele weitere Demos vergeben :). Seit der Zusammenarbeit mit AF-Music habe ich mich entschieden, alle älteren Songs von mir ins Jetzt zu transportieren und nach und nach komplett neu aufzunehmen. Auf meinen beiden letzten Alben „Intimität und „Herz zerrissen“ ist das unter anderem mit passiert.
PromoFabrik: Ich habe mich im Internet über dich und deine musikalischen Projekte erkundigt und gelesen, dass du seit 2008 Songwriter, Keyboarder und Sänger der Berliner Dark-Punkband „DER ZERFALL“ bist. „Rebentisch“ und dieses Projekt sind musikalisch von Grund auf verschieden. Nutzt du das Nebenprojekt als musikalischen Ausgleich?
Sven: DER ZERFALL hat mich viel mutiger gemacht meine Worte nicht mehr weichzuspülen, sondern den Hörern so um die Ohren zu knallen, wie es sich gehört, wenn man ernsthaft was zu sagen hat und sicherlich wird das auch auf die Musik von REBENTISCH Einfluss nehmen. Ich persönlich sehe keine großen Unterschiede zwischen beiden Bands, die Botschaften die ich verbreiten möchte, sind ähnlich. DER ZERFALL ist eher was für Menschen, die auf handgemachte Musik abfahren, in der es rummst und knallt ;). Bei REBENTISCH fühlen sich dann auch Menschen mit einem Hang zu lieblichen Electro-Klängen wohl :).
PromoFabrik: Du hast, wie eben schon beschrieben, Nebenprojekte. Gibt es von diesen eigentlich auch Veröffentlichungen?
Sven: DER ZERFALL hat seine erste EP als Download-Album über AF-Music im Januar diesen Jahres veröffentlicht. Aufgrund der großen Nachfrage, wird die Scheibe sehr wahrscheinlich als Vinyl nachgelegt.
PromoFabrik: Deine Maxi-Single „Der Biss“ und das dazugehörige Video ist eine Message gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Sven: Die faschistischen und menschenverachtenden Nazi-Propaganda-Sprüche, die zunehmend in nicht wenigen boomenden Hip-Hop-Songs und Titeln der Reggae-Musik versteckt in die Gehirngänge der Menschen injiziert werden, sind nicht mehr hinzunehmen! Für mich ist klar, dass so etwas Ekelhaftes nicht hingenommen werden darf, auch wenn solche Meinungsvertreter mittlerweile zu Stars und Rudelführern der Gesellschaft herangezüchtet wurden! Menschen, die noch ein Herz besitzen, dass lieben kann, sind achtungsvoll zu behandeln und wohl zu bewundern, anstatt sie aus niederen Beweggründen auszumerzen ... Widerlich! Meine unbändige Wut über so ein Ausmaß an Dummheit hat mich schon manches Mal vom Amoklauf träumen lassen ;).
PromoFabrik: Wie wichtig ist es für dich, sich für die homosexuelle Szene einzusetzen?
Sven: Ich bin einfach jemand, der einen Sinn für Gerechtigkeit in sich trägt, von daher mache ich meinen Mund auf, wenn etwas nicht angehen kann und dabei beschränke ich mich nicht auf ein Thema, sondern immer dann, wenn mir was saumäßig ungerecht vorkommt, äußere ich meine Meinung.
PromoFabrik: Bewegt sich deine Fangemeinde hauptsächlich in der Schwulen- und Lesbenszene, oder schweift diese noch weiter aus?
Sven: Ich mache Musik und alles was damit zusammenhängt für jeden Menschen, der Bock drauf hat :). Ich halte nichts von Mauern und Grenzen, ich will Engstirnigkeit brechen und freue mich über ein vielfältiges Publikum!
PromoFabrik: Dein letztes Album „Intimität“ erschien 2008. Welche Unterschiede kannst du uns zum aktuellen Album „Herz zerrissen“ nennen?
Sven: Das Album „Intimität“ habe ich im Alleingang in meinem Home-Studio zu Hause aufgenommen und anschließend im Hause X5-452 in Frankfurt von Mike Pale mastern lassen. „Herz zerrissen“ ist ein sauberes Studioalbum, das in wunderbarer Zusammenarbeit mit Kinski von der Band (DIE ELENDEN) in seinem Kinskinoize-Studio in Berlin aufgenommen wurde. Zudem ist auf meinem neuen Album der Bassist Jens Bohm zu hören, der erst seit diesem Album bei Rebentisch mitwirkt und einen tollen Einfluss auf die Musik hat. Auf meinem neuen Album verarbeite ich zudem einen heftigen Schicksalsschlag, der mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat und der auf jeden einzelnen Song einen deutlichen Einfluss hat.
PromoFabrik: Im Pressetext fallen Namen wie „Welle: Erdball“, „And One“, „Anne Clark“ und Robert Smith von „The Cure“. Bezeichnest du diese auch als deine persönlichen Einflüsse?
Sven: Beeinflusst fühle ich mich von ANNE CLARK, THE CURE (insbesondere ROBERT SMITH), FLIEHENDE STÜRME, DEAD CAN DANCE ... und natürlich von allem, wovon ich mich privat Tag für Tag musikalisch ernähre, dabei greife ich hungrig in sämtliche Musikgenres.
PromoFabrik: Deine Texte beschäftigen sich mit abgründigen und depressiven Themen (wie z. B. Suizidgedanken). Nimmst du mit ihnen Bezug auf wahre Begebenheiten oder stellen diese eher Kritik diesen Themen gegenüber dar?
Sven: Da ich meine Texte zum größten Teil selber schreibe, liegt ein großer Teil meiner Persönlichkeit in ihnen vergraben. Für mich ist es selbstverständlich, meine persönlichen Erfahrungen in meine Musik zu packen. Ob in meinen Texten, meinem Gesang (bzw. Sprechen) oder der Musik selbst, ich verarbeite oder kompensiere sehr viel über jeden einzelnen Titel. So wie mir Musik immer weitergeholfen hat und weiterhilft, sehe ich es als meine Aufgabe, als Musiker auch meinen Hörern die Möglichkeit zu erschaffen, durch meine Titel ihre individuellen Themen für sich selber zu bearbeiten.
<!-- BEGINN des zanox-affiliate HTML-Code --> <!-- ( Der HTML-Code darf im Sinne der einwandfreien Funktionalität nicht verändert werden! ) --> <!-- ENDE des zanox-affiliate HTML-Code -->PromoFabrik: Deine Vocals sind meistens sehr klar. Bei „Erinnerungsfetzen“ und „Mein Blick ins Leere“ sind sie jedoch sehr aggressiv. Weshalb hast du ausgerechnet bei diesen zwei Songs die härtere Ausdrucksform gewählt?
Sven: Weil es für die genannten Songs genau der richtige Ton ist, den ich anschlagen will, um die jeweiligen Texte rüberzubringen. Wie heißt es doch so schön, der Ton macht die Musik ;).
PromoFabrik: Während der Recherche nach deinen Texten, sind mir einige Wortspiele aufgefallen, z. B. „Leiden schafft“ (von deiner ersten Demo unter dem Pseudonym „Damion in the casket“) und „Reis(s)ende Gedanken“. Benutzt du gern solche rhetorischen Mittel?
Sven: Ich finde Wortspiele wunderbar.
PromoFabrik: Warum ist „Abschied für immer“ ein reines Instrumentalstück?
Sven: Zu dem Schmerz, den ich im Augenblick des Abschieds durchzustehen hatte, habe ich nichts mehr zu sagen gehabt.
PromoFabrik: Desweiteren befinden sich auf „Herz zerrissen“ Remixe von „Cabo De Gata“. Auf diesen ist der Gesang geflüstert und sie haben eine sehr ruhige Atmosphäre. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?
Sven: Wie schon erwähnt, ich bin mir sehr bewusst, warum ich was wie sage ..., weil es genau der richtige Ton ist, um die jeweiligen Botschaften für mich herüberzubringen ... .
PromoFabrik: „Cabo De Gata“ ist eine Band aus Brandenburg. Kennt man sich persönlich?
Sven: Hinter Cabo De Gata steckt der Drummer von DER ZERFALL, also durchaus persönlich bekannt ;).
PromoFabrik: Was waren deine ersten Gedanken, nachdem du diese Remixe gehört hast?
Sven: Mit dem mach ich öfters was ... .
PromoFabrik: Kannst du dir vorstellen, noch mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten? Wenn ja, mit welchen?
Sven: Selbstverständlich. Ich liebe es, mit anderen Menschen die grenzenlose Ideen haben, zusammenzuarbeiten. Sobald die Chemie stimmt, steht einer Zusammenarbeit nichts im Wege :). Ach, „Traumduetts“ bzw. Zusammenarbeiten dürften gerne mit OSWALD HENKE, DAS ICH, FLIEHENDE STÜRME, SCHILLER und sämtlichen Drum’n’Bass-Musikern oder ähnlichen, stattfinden ;).
PromoFabrik: Deine Fingerfertigkeit am Keyboard und auch deine Stimme sind hervorragend. Hattest du jemals Unterricht?
Sven: Niemals, kommt alles von Herzen ... .
PromoFabrik: Die Lyrics auf „Herz zerrissen“ werden in der deutschen Sprache vorgetragen. Auf youtube gibt es ein Video zu einem Song namens „Longing“, der live beim CSD Hamburg für das Pink Channel Radio präsentiert wurde. Ist dies der einzige englische Song und wird es auch noch mehrere davon geben?
Sven: „LONGING“ ist der einzige englische Track, den ich für REBENTISCH bisher gesungen und aufgeführt habe. Diesen Song wird es wahrscheinlich neu arrangiert und mit ausgetüftelterem Text auf dem kommenden Album geben.
PromoFabrik: Wann war das eigentlich und wer hat das Keyboard gespielt?
Sven: Der Auftritt, bzw. die damals beiden Auftritte fanden 2001 an zwei Tagen auf dem lesbischwulen Stadtfest in Hamburg mit Live-Radio-Übertragung statt. Mein damaliger Keyboarder war Marco Carstens, besser bekannt als Dj Speci von den heutigen RETRO-PARTIES aus Hamburg.
PromoFabrik: Du hast schon einige Live-Auftritte hinter dir. Wie ist es für dich auf der Bühne zu stehen?
Sven: Mittlerweile häuft sich das Publikum vor der Bühne, das kommt, weil es mich wirklich sehen will und nicht, weil sie mich ertragen müssen, bis der Hauptact auftritt ;). Von daher bringen Auftritte jetzt wirklich Spaß. Dennoch kann ich nicht ausblenden, dass ich mich aufgrund meiner Texte und Musik auf der Bühne oft sehr nackt fühle und immer sehr intensive, persönliche Gefühle mit im Spiel sind.
PromoFabrik: Sind weitere Auftritte in Aussicht?
Sven: Bisher steht der Auftritt am Samstag, dem 20. Juni in Berlin 2009 zum lesbischwulen Straßenfest auf der „Queere Medien-Bühne“ irgendwann zwischen 17 und 20 Uhr. Weitere sind in Planung!
PromoFabrik: Seit wann bist du bei dem Label „AF-Music“ unter Vertrag und wie kam es dazu?
Sven: Seit Mai 2008 darf ich mich bei AF-Music zu Hause fühlen :). Zu verdanken habe ich das anfangs Alex Merten, die schon meine Demos mochte und lediglich abgewartet hat, bis ich mich für professionelles Arbeiten entschieden habe :). Danach konnte ich dann auch Falk Merten überzeugen ;).
PromoFabrik: Eine letzte Frage: Wie schaut es in der Zukunft von „Rebentisch“ aus?
Sven: Es entsteht etwas, dessen Umfang und Ausmaß ich noch nicht erahnen kann, aber es fühlt sich jetzt schon sehr gut an.
PromoFabrik: Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gebühren dir!
Sven: Ich danke Euch sehr für das schöne Interview und Euer Interesse an mir und meiner Musik. Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und eine wunderbare Zeit! Alles Liebe, Sven
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