Interview mit Das Präparat

Rubrik: Interview

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Lucy spach mit Dr. Hyde und Nachtschwester K. über das neue Album "Unschuldsblicke". Dass hinter dem Album ein Konzept steckt, welches sich sehen und hören lassen kann, ist ja bereits beim Anschauen der CD ersichtlich. Darüber haben wir im folgenden Interview noch einmal ausführlich debattiert..

Hallo Nachtschwester K., hallo Dr. Hyde nun haltet ihr euer neues Album „Unschuldsblicke“ in den Händen. Welche Unterschiede könnt ihr uns zu dem Vorgängeralbum „THX LD 50“ nennen?

Dr. Hyde: Durch einen privaten Schicksalsschlag, kurz vor Fertigstellung von THX LD50, wurde ich komplett aus der Bahn geworfen und war nicht mehr im Stande klare Gedanken zu fassen. Weswegen ich zum ersten Mal mit dem Gedanken spielte, „Das Präparat“ aufzulösen. Glücklicherweise heilt die Zeit bekanntlich Wunden und mit etwas Verspätung konnten wir das Album fertig stellen. Dieser Tiefpunkt in meinem Leben spiegelt sich dadurch deutlich in dem letzten Album „THX LD50“wieder. Inzwischen bin ich zu 100% wieder hergestellt und mir geht es so gut wie noch nie in meinem Leben! :) Unser neues Album „Unschuldsblicke“ ist auch vielleicht deshalb wesentlich strukturierter und bewusster entstanden und nicht mehr ganz so subjektiv und eigenwillig. Unsere Musik ist zwar Eigentherapie soll aber auch ein Dankeschön an alle Fans sein, die uns begleiten. So ist „Unschuldsblicke“ wesentlich druckvoller und tanzbarer. Ganzschön ambivalent eben! Zuhause sollen die Texte zum Nachdenken anregen und auf der Tanzfläche kann man dann alles rauslassen und tanzen. Wir sind sehr zufrieden damit!!!.

Betrachtet man eure Website und lässt sich dazu euren Bandnamen „Das Präparat“ durch den Kopf gehen, kommt man nicht umhin, daran zu denken, dass einer von euch etwas mit Medizin zu tun. Liege ich da richtig und wenn ja, wer von euch beiden ist denn in welchem medizinischen Beruf tätig?

Dr. Hyde: Keiner von uns arbeitet in einem medizinischen Beruf. Der Bandname „Das Präparat“ ist schön vieldeutig und steht als Metapher für uns und unsere Musik. Eine Art Gegengift oder Heilmittel gegen den tristen Alltag und die oftmals grausame Realität. Unsere Musik soll fremde Welten öffnen, ähnlich wie auf Droge, jedoch ohne Nebenwirkungen aber mit Suchtgefahr ;)

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Der Albumtitel „Unschuldsblicke“ hat an sich nichts mit Medizin zu tun, inwieweit kombiniert ihr hier die Medizin mit der Musik / den Texten?

Dr. Hyde: Es ist auch nicht unser Ziel, nur weil wir „Das Präparat“ heißen, bis zum Ende unsere Tage nur über Krankheiten oder Medizin zu philosophieren, obwohl es da wohl genügend geben würde! ;) Aber natürlich gibt es auf dem Album auch versteckte Anspielungen zu dem Thema wie z.B. bei „Fetus in Fetu“ oder „Mondscheinkind“. „Mondscheinkind“ ist eine Vampirgeschichte. Hier wird ein Mensch als Vampir wiedergeboren und muss die Welt mit all seinen Facetten neu entdecken. Das gleichnamige Krankheitsbild hat wahrscheinlich in der Vergangenheit dazu geführt, dass der Vampir-Mythos weiter gereift wurde. Wahrscheinlich wurden Kinder, die im Mittelalter an dieser Krankheit litten von einem Exorzisten behandelt oder ihnen wurde ein Pflock durchs Herz geschlagen; als würden sie nicht schon genug gestraft worden sein.

Ok, dann kommen wir doch mal zu euch. Dr. Hyde, was kannst du uns über Nachtschwester K. verraten?

Dr. Hyde: Ich liebe ihre Klavierstücke und halte sehr viel von ihr, als Musikerin und Mensch. Wir beeinflussen uns gegenseitig und sind musikalisch sehr aneinander gewachsen und erweitern ständig unseren Horizont.

Und Nachtschwester K., was fällt dir zum Doc ein?

Nachtschwester K: Ja ja, der Doc!!! Ich freu mich immer, wenn er sich freut, denn er steckt einen einfach an! Er geht so selbstverständlich durchs Leben, beneidenswert! Wir bringen uns jede Menge Respekt entgegen und können dennoch mit viel Ironie und Humor miteinander umgehen! Das macht einfach Spaß! Der Doc ist einfach der Doc, der stets das Kind in sich bewahrt und einfach durch ein sehr großes Herz strahlt!

2001 habt ihr euch zusammengetan, wie genau kam es dazu?

Dr. Hyde: Wir sind früher zusammen auf eine Schule gegangen, haben uns dann aber aus den Augen verloren. Einige Jahre später trafen wir uns wieder und es ergab sich das Kirsten den Refrain für „Tanz mit Deinem Gefühl“ einsang. Ich war so begeistert von ihrer Stimme, dass ich sie sofort fragte, ob sie Interesse an einer festen Bandmitgliedschaft habe. Seitdem machen wir mit viel Begeisterung zusammen Musik.

Und inwieweit bekommt ihr Hauptberuf und Hobby unter einen Hut?

Nachtschwester K.: Das ist nicht immer einfach, schnell ist eine Woche rum und dann die nächste! Aber wenn man etwas wirklich will, dann kann man sämtliche Energien bündeln und Kraft sammeln und irgendwie klappt das, Beruf und Hobby unter einen Hut zu bekommen.

Dr. Hyde: „Das Präparat“ ist vielmehr als ein Hobby für uns! Nebenbei arbeite ich aber noch im Medienbereich. Diese beiden Sachen unter einen Hut zu bringen ist oft sehr anstrengend, weshalb hier die Grenzen des Öfteren verschwimmen. Das Musikgeschäft war auf jeden Fall eine gute Schule für meinen jetzigen Beruf, denn das Film- und Fernsehgeschäft ist mindestens genauso „verdreht“ :) ! Bevor ich es vergesse, wir haben für „Emily“ einen Musikkurzfilm gedreht der ab dem 01.07. auf MySpace und Youtube zu sehen ist.

Was inspiriert euch neben der Medizin noch zum Musizieren und Texten?

Dr. Hyde: Mich inspirieren vor allem Filme, Liebe, Hass, Neid und eben der allgemeine gesellschaftliche Wahnsinn, den man Tag für Tag antrifft.

Nachtschwester K.: Für jede Schreckensmeldung ein Lied!

Dem Pressetext lässt sich entnehmen, dass ihr nun auch „Jazz“ und „Kabarett“ mit dem bisherigen Sound kombiniert. Wie kam es dazu?

Nachtschwester K.: Bei „Das Präparat“ gibt es keine Grenzen und so erfinden wir uns immer wieder neu! Da es in der Vergangenheit schon Stilmischungen gab, darf das jetzt natürlich auch nicht fehlen. Da ich nicht aus der Szene komme, ist die Arbeit am Präparat sehr interessant. Immer wieder entstehen ganz neue Stilrichtungen. Ursprünglich komme ich aus der Klassik und habe dann zum Jazz gewechselt. Außerdem fand ich es schon immer beeindruckend, wenn man Musik nicht unbedingt einer Stilrichtung zuordnen kann! Bei "Du störst!" soll natürlich auch die Widersprüchlichkeit des Kinderkriegens, obwohl man es gar nicht will, musikalisch wiedergespiegelt werden! Und so entstand dieser swingig, jazzige fast schon positive Klaviersound mit einem harten, ernsten und leider sehr realitätsnahen Text!

Euer aktueller Longplayer trägt also den Namen „Unschuldsblicke“. Das Konzept dreht sich hier vollends um die Kindheit und die Ängste der Kindheit. Der Titel ist deshalb sehr gut gewählt. Auch die Fotos und das Cover passen bestens dazu. Die Samples, sind eingesprochen von einem Mädchen. Ist es das gleiche Mädchen, welches man auch auf den neuen Pressebildern und dem Cover sieht?

Dr. Hyde: Die Kinderstimmen, die auf dem Album zu hören sind, sind ausschließlich aus Filmklassikern wie z.B. „Shinig“ von Stanley Kubrick.

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Worum dreht sich der Song „Lilith“?

Nachtschwester K.: In der jüdischen Mythologie ist die sagenhafte Dämon Lilith als furchterregende Entführerin und Mörderin neugeborener Babys und lüsterne Verführerin schlafender Männer eine zentrale Figur. Als besonders schutzbedürftig vor dem Dämon gelten Neugeborene und Wöchnerinnen, die von Lilith und dem sogenannten bösen Blick bedroht sind. In Israel ist es üblich, die Babyausstattung und die Krippe erst nach der Geburt zu kaufen, aus Furcht vor Unglück. An die Krippe werden dann häufig Schutzamulette mit Chamsa und blauem Auge gehängt. Erhält eine Mutter ein Kompliment über die Schönheit des Kindes, sagt sie oft «Tfu, tfu, tfu» - ein angedeutetes Spucken gegen den bösen Blick. Lilith verkörpert sowohl männliche Ängste (Verweigerung gegenüber männlicher Dominanz, Bedrohung der Potenz) wie auch weibliche, etwa die vor der Aggression gegen das eigene Kind oder die vor Sexualität und der lebensbedrohenden Mutterschaft. Die Mythen die sich um Lilith ranken passen also ziemlich gut in das kritische Konzept. Des Weiteren benutzte sie, die Feministen-Bewegung als Symbol für Ihre Unabhängigkeit im Kampf gegen das Patriarchat. Laut Talmund war Lilith die erste Frau Adams und ihm völlig gleichberechtigt… Den meisten aus der Szene sollte die Geschichte bekannt sein, wem nicht, der sollte sich diese einmal antun - äußerst interessant.

Der Song „Onkel“ ist rein instrumental, verziert mit melancholischem Gesang. Warum wurde ausgerechnet dieser Song in diesem Stil geschrieben?

Nachtschwester K.: Was soll ich sagen, erschreckend, was in unserer Welt so geschieht und manchmal direkt vor der eigenen Haustür! Ich versuche immer durch das Instrumental ein Gefühl zu vermitteln, d.h. das Instrumental soll schon für sich sprechen! Weiter nehme ich kein Blatt vor den Mund, ich will, dass die Hörer, eins zu eins verstehen, was ich meine! Das kann manchmal auch wehtun, ich weiß! Es ist mir wichtig, dass man Bilder vor Augen hat! Es soll berühren und man soll nachdenken! Und so entstand dann „Onkel“!

„Sucht“ ist ein weitgefächerter Begriff. Um welche „Sucht“ handelt sich beim gleichnamigen Song?

Nachtschwester K.: Auf dem Weg zum Erwachsen werden lauern viele Gefahren wie z.B. Drogen, die auf dem Schulhof oder sonst wo angeboten werden.

Dr. Hyde.: „Sucht“ handelt aber auch von Abhängigkeit an eine bestimmte Person, die durch falsche Versprechungen und Erpressungen versucht, die Macht zu erlangen und eine Sucht nach ihr auslöst. Diesen „süchtigen“ Menschen fällt es schwer sich von der Person zu lösen, auch wenn ihnen eigentlich bewusst ist, dass sie nur ausgenutzt werden und erleiden einen regelrechten Entzug bei der Trennung. Frauen, die geschlagen werden, zeigen oft diese Verhaltensweisen. Aber auch in „normalen“ Beziehungen trifft man häufig eine Art Sucht nach dem Partner an. Der Mensch neigt von Natur aus zum „Sucht“-Verhalten, angefangen von der Neigung zur Routine bis zur Liebe des Bewährten. Es gilt nur, dieses in gesundes und ungesundes Verhalten zu unterscheiden.

Warum wurde das Album nach dem Titel „Unschuldsblicke“ benannt? Und was könnt ihr uns zu diesem Song erzählen?

Dr. Hyde: Der Titel ist schön mehrdeutig. Unser primäres Bild dabei ist aber die Frage „Wie kann ein Kind mit „Unschuldsblicken“ missbraucht und misshandelt werden?“. Eigentlich ist der Titeltrack „Unschuldsblicke“ genauso wichtig, wie jeder andere Track auf dem Album auch. Würde ein Song fehlen wäre das Puzzle der Geschichte, die wir mit dem Album erzählen, nicht vollständig. Die Besonderheit bei diesem Stück ist aber, dass hier nicht klar ist, wer Opfer oder Täter ist. Wir möchten in dem Album kein Bild publizieren und damit eine Meinung setzten, wir möchten vielmehr Fragmente zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung geben. Aus diesem Grund haben wir diesen Titel auch als Album-Namen gewählt. Getreu dem Motto: „Kunst, die nicht provoziert ist keine Kunst!“

Der Track „Mondscheinkind“ ist zusätzlich im WELLENCOCKTAIL Remix auf dem Album. Hier gibt es auch Gitarrenklänge auf die Ohrmuscheln. Was hat es mit der Betitelung „WELLENCOCKTAIL“ auf sich? Vielleicht das WELLENCOCKTAIL Tonstudio in Hannover?

Dr. Hyde: Für den Remix von „Mondscheinkind“ ist Achim Dreßler (Wellencocktail – Tonstudio und Musikproduktionen) verantwortlich. Ich fragte ihn bei unseren vielen „Fachgesprächen“, ob er nicht Lust hätte, einen Remix für uns zu machen. So entstand dieser wirklich fette Remix von „Mondscheinkind“. Wie schon erwähnt gibt es für uns kaum Stilistische Grenzen.

Ein weiter Remix ist zu dem Song „Folge mir“ zu hören. Was hat es mit dem „Ins weiße Licht“ Mix auf sich?

Dr. Hyde: Es ist meiner Meinung nach eines der stärksten Stücke des Albums und schreit förmlich nach einer neuen musikalischen Interpretation.

Warum wurde ausgerechnet der Song „Spielzeugland“ als letzter Song auf dem Album gewählt. Das hat doch mit Sicherheit einen bestimmten Grund?

Dr. Hyde: Na ja, Song ist wohl übertrieben, es ist das Outro des Albums. Hier habe ich eine alte Spieluhr aufgenommen. Ich finde es passt sehr gut zum Konzept des Albums und ist ein schöner Ausklang.

Wie schaut es aus mit LIVE Gigs in nächster Zeit? Werdet ihr euer neues Album auch auf der Bühne präsentieren?

Dr. Hyde: Selbstverständlich werden wir unser Album auch auf der Bühne präsentieren! :) Bisher haben wir noch keine konkreten Termine, wenn sich dies ändert, geben wir diese sofort bekannt. Bei Interesse, uns zu buchen, einfach eine E-Mail an: drhyde@das-praeparat.com

Vielen Dank für eure Zeit und das Beantworten unserer Fragen. Vielleicht habt ihr noch ein paar letzte Worte für unsere Leser / Hörer?

„Das Präparat“: Ein riesen Dank an euch, unsere treuen Fans, für eure lange Unterstützung. Wir haben natürlich schon neue Ideen und Pläne und sind schon wieder fleißig am Basteln! Auf jeden Fall wird es wieder etwas ganz anderes und neues werden! Man darf gespannt sein! Wir bedanken uns bei Dir für das interessante Interview!!!

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