Interview mit Phase III

Rubrik: Interview

PHASE III ist aufgestellt um den harten Kern S.T.E.F.F.E.N, Leviathan, Spif Anderson (Suicide Booth, LENNART) und Graf Tarek. PHASE III beschäftigt weiterhin mehrere feste und freie Gastsänger und Musiker wie den Gitarristen Patrick Hiller und den Sprecher David Williamson, der alle Sprachsamples einspricht, sodass auf Filmsamples weitestgehend verzichtet werden kann.

PHASE IIILucy und Anne trafen S.T.E.F.F.E.N, Leviathan und Spif Anderson auf dem ELEKKTROSHOKK-Festival in Adelsheim und nahmen sich die Jungs einmal beiseite, um sie zu ihrem Schaffen und ihr Debüt-Album "Es wird dunkel" ein wenig ins Kreuzverhör zu nehmen....

Lucy: Hallo und vielen Dank, dass wir euch etwas ausquetschen dürfen. Stellt euch doch bitte unseren Lesern zunächst einmal vor.

FRANK: Also, im festen Kern besteht PHASE III aus vier Leuten: S.T.E.F.F.E.N, Spif Anderson, Graf Tarek und mir. Ich bin als DJ Leviathan vor allem Resident-DJ im NERODOM in München, wo ich jeden Samstag auflege. Viermal im Jahr bin ich Gast-DJ im X-tra in Zürich. Bei PHASE III spiele ich die E-Drums. Zusammen mit Spif programmiere ich im Studio die Songs und versuche ständig neue Ideen zu liefern.

SPIF: Ich bin – kein Scherz – selbständiger, staatlich anerkannter Musikproduzent und bei PHASE III zusammen mit Frank für die Musik verantwortlich, auf die S.T.E.F.F.E.N abschließend die Vocals aufsingt.

S.T.E.F.F.E.N: Ich war jahrelang Frontman bei MASTERTUNE. Als von Frank die Anfrage kam, ob ich als Sänger bei PHASE III einsteigen würde, habe ich sofort zugesagt. Da ich in Berlin wohne, läuft vieles über email und Telefon. Ich freue mich jedes Mal auf die Studioarbeit in München.

GRAF TAREK: Ich betreibe seit über sechs Jahren mit Frank und Chris das NERODOM und schreibe mit an den PHASE III-Texten. Ansonsten kümmere ich mich um alle Belange abseits der Bühne, bin also ein Non-Performing Artist.

Lucy: Am 17.04. war der Release eures Debütalbums „Es wird dunkel“. Wie fühlt sich das für euch an?

S.T.E.F.F.E.N: Wir freuen uns sehr, nach so langer und immer intensiverer Arbeit unser fertiges Album präsentieren zu können. Den kreativen Output so vieler beteiligter Künstler - in ein gelungenes Album gepackt – in die Hände unseres Publikums übergeben zu können, erfüllt uns schon mit einer gewissen Portion Stolz.

Lucy: Dieser Tag war ja auch der Tag eures Auftrittes in Adelsheim auf dem Elekktroshokk-Festival. Wie war es denn?

SPIF: Uns hat es richtig Spaß gemacht. Ich denke, dass wir uns auch als Live-Band von einer guten Seite gezeigt haben. Das ist für eine Band aus dem Elektrobereich ja nicht selbstverständlich. Und mit S.T.E.F.F.E.N haben wir natürlichen einen absoluten Frontmann an Bord, der das Publikum mitreißt.

Lucy: Okay, kommen wir einmal zu den Bandmembern von PHASE III. Das Projekt besteht ja aus einem festen Kern von vier Leuten: Leviathan, Steffen, SPIF ANDERSON und GRAF TAREK. Wie sind die Aufgaben bei euch verteilt?

Leviathan: Spif und ich sind in erster Linie für Musik und Texte zuständig. S.T.E.F.F.E.N ist primär Sänger, beteiligt sich gelegentlich auch am Songwriting. GRAF TAREK ist ebenfalls am Texten beteiligt, in erster Linie aber für alle Belange jenseits der Bühnen zuständig.

Lucy: Ihr seid ja allesamt schwerst im musikalischen Bereich unterwegs. Steffen hat uns ja schon einiges über sich und sein früheres Schaffen berichtet. Leviathan, du bist ja auch Mitbesitzer des Münchner Nerodoms, warst ursprünglich DJ. Wie bist du vom DJ zum Musiker geworden?

Leviathan: Ich bin seit fast 12 Jahren professioneller DJ und wollte schon immer auch eigene Titel produzieren. Die Gelegenheit ergab sich dann, als Spif und ich beschlossen einen clubtauglichen Remix von „Friendly Damage“ zu kreieren. Diesen Titel hatte Spif für sein Musikprojekt LENNART komponiert.

Lucy: SPIF, du bist schon lange als Produzent unterwegs. Wie kommt es, dass du nun auch eigene Musik produzierst? In dir scheint eine Menge Kreativität zu walten?

SPIF: Richtig. Mit meinen Indie-Musikprojekten LENNART und SUICIDE BOOTH habe ich auch schon einige Alben am Start. Wobei ich mich mit LENNART gesellschaftskritisch mit dem aktuellen Zeitgeschehen, wie etwa dem 11. September oder dem Phänomen der Globalisierung auseinandersetze und hierfür Dokumentarisches mit Musik verbinde. SUICIDE BOOTH hingegen bewegt sich – beeinflusst von B-Movies und Cartoons - in den Gefilden des klassischen Dark Wave und Synthpop. So kann ich mich auf einer enormen musikalischen Bandbreite kreativ ausdrücken.

Lucy: Dann musste ja auch ein Bandname her. Der Begriff PHASE III lässt viel Raum für Spekulationen offen. Klärt mich doch bitte einmal auf …

SPIF: PHASE III steht laut Google für die neueste Generation von Kampfrobotern im Star Wars-Universum. Bezeichnet aber auch klinische Studien im pharmazeutischen Bereich. Doch wir sind weder Jedi-Ritter noch verrückte Pharma-Wissenschaftler. Neben der grafischen Idee mit der römischen Drei als Säulenmotiv stand der Film „Phase IV“ bei der Namensgebung Pate.

Lucy: Die Band wurde bereits anno 2006 gegründet. Warum kommt jetzt erst euer Debütalbum? Sicherlich, weil ihr nebenbei noch so viel anderen Kram zu tun habt, oder?

FRANK: Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir eigentlich nie so richtig an einem Album gearbeitet haben. Es war mehr eine Entwicklung als eine bewusste Entscheidung. Bereits im Herbst 2005 haben wir mit „Friendly Damage“ und „Trauermarsch“ die ersten beiden Songs produziert . 2006 eröffneten wir unseren Downloadstore, in den wir mehrere Download-EPs eingestellt haben. Irgendwann waren genug Songs vorhanden, um daraus eine Auswahl für ein abwechslungsreiches Album zu treffen. Doch den konkreten Plan ein CD-Album rauszubringen haben wir erst 2007 gefasst. Natürlich haben wir die letzten drei Monate dann sehr intensiv am Feinschliff der Songs und am Artwork gearbeitet.

Lucy: In letzter Zeit scheinen Filmsamples ja das A und O vieler VÖs zu sein. Das ist bei euch schon anders, denn ihr habt Sprecher David Michael Williamson mit an Bord. Er hat wirklich eine sehr schöne Sprechstimme. Wie seid ihr an ihn geraten?

SPIF: David war jahrelang Sprecher für CNN und verschiedene Doku-Formate wie DISCOVERY und TIMESLOT. Ich kenne David aus meiner Zeit beim Fernsehen. Und da ich einen Faible für diese tiefen, amerikanischen Sprecherstimmen habe, habe ich ihn einfach gefragt, ob er Lust hätte seine Stimme in ein Musikprojekt einzubringen.

Lucy: Die Zusammenarbeit solch vieler Musiker stelle ich mir sehr schwierig vor. Wie sieht es da mit dem Songentstehungskonzept aus?

S.T.E.F.F.E.N: Natürlich kann bei dieser Konstellation nicht jeder ein freies Mitspracherecht besitzen, wo was passiert. Im Prinzip ist es so, dass unser Produzententeam, sprich Spif, Leviathan und Graf Tarek, den Rahmen festlegen. Sie wissen am besten, wo welches Element eingesetzt werden soll. In einem Orchester müssen sich die einzelnen ja auch an die Partitur und den Dirigenten halten.

Lucy: Musikalisch vereint ihr auf „Es wird dunkel“ die Genres Pop und Electro. Hinzu kommt eine gehörige Prise E-Gitarren und ich meine auch leicht technoide Sounds vernommen zu haben. Wie genau beschreibt ihr selbst eure Musik.

SPIF: Wir finden es maximal schwierig, etwas beschreiben zu müssen, das uns durch die jahrelange Arbeit daran so vertraut ist. Wir verweisen am liebsten auf unsere Hörproben bei DarkMusix. Musik sollte für sich selbst sprechen. Wir hoffen, dass auch die unsrige das tut und nicht erklärungsbedürftig ist. Musik muss man hören und nicht beschreiben.

Lucy: Das Ganze ist ja schon so ausgetüftelt, dass ihr sowohl clubtaugliche Tracks geschaffen habt, aber auch welche, die sich ganz gut zu Hause genießen lassen. Welches ist euer Zielpublikum?

Leviathan: Unsere Absicht war, das so wenig wie möglich festzulegen. Wir hoffen durch den Abwechslungsreichtum möglichst jedem etwas zu bieten.

Lucy: Die Texte auf „Es wird dunkel“ sind sehr düster angehaucht und gehen teilweise bis oft ziemlich unter die Haut. Wer ist der Texter?

GRAF TAREK: Zu unseren Songtexten steuert der gesamte „harte Kern“ etwas bei.

Lucy: Und welche Begebenheiten fließen in die Texte ein? Was inspiriert dazu?

Leviathan: Eigentlich alles, was einem so zufliegt. Selbst Erlebtes, Filme, die uns bewegen, nächtelange Diskussionen über Gott und die Welt (am besten bei einer guten Flasche Wein) und Betrachtungen des Tagesgeschehens.

Lucy: Es gibt sowohl deutsche als auch englische Texte. Wie entscheidet ihr, ob ein Song deutsch, englisch oder zweisprachig eingesungen wird?

SPIF: Manche Lieder klingen in Deutsch und andere in Englisch besser. Wir entscheiden das aus dem Bauch heraus. Deutsch ist konkreter, Englisch dagegen im Gesang besser umsetzbar.

Lucy: Oftmals wird Bands, die vielseitig auf ihren Werken vorgehen, nachgesagt, dass sie ihren Stil noch nicht gefunden haben. Auch ihr habt mit „Es wird dunkel“ ein sehr facettenreiches Album ans Tageslicht gebracht, hmm wohl eher ins Mondlicht gerückt. Was ist eure Meinung zu solchen Aussagen?

Leviathan: Wir haben uns ganz bewusst für Vielfalt entschieden. Da wir ein Album kreieren wollten, das sowohl clubtauglich, als auch sehr gut zu Hause hörbar ist. ?? Lucy: Wo liegen denn eure musikalischen Geschmäcker und inwieweit ist PHASE III davon beeinflusst?

SPIF: Ich würde sagen, dass sich der breitgefächerte Musikgeschmack der beteiligten Musiker durchaus in PHASE III widerspiegelt. Es finden sich Elemente aus den Bereichen EBM und Darkwave, Rock, Independent und Pop.

Lucy: Wie schaut es mit euren weiteren Plänen für 2009 aus? Kann man euch auch auf weiteren Konzerten besuchen?

S.T.E.F.F.E.N: Konzerte sind bislang keine geplant. Konkret werden wir unseren Downloadstore fleißig mit neuen Titeln bestücken. Für den Herbst/Winter 2009 planen wir eine neue EP. Nächstes Jahr soll dann das nächste Album erscheinen.

Lucy: Soooo, nun aber weiter im Programm! Vielen Dank für eure Zeit und diee aufschlussreichen Antworten! Wir wünschen euch ganz viel Erfolg mit „Es wird dunkel“ und all eurem weiteren Schaffen.