Interview mit Perfidious Words

Rubrik: Interview

Wir haben Lars Rohnstock und Drazen Kostelac in ein langes Gespräch verwickelt und sie u. a. zum neuen Album "Feel Like Me" ausfragen dürfen. Wir haben in der Vergangenheit gewühlt, sie über Aktuelles und Zukünftiges ausgequetscht. Doch lest einfach selber :)

Perfidious WordsHallo Lars, hallo Drazen. Sehr nett von euch, uns heute ein paar Fragen zu beantworten. Ihr habt euch 1991 zusammengetan und Perfidious Words gegründet. Ihr habt als Duo angefangen, dann kam Lars dazu und ihr ward ein Trio. Nun seid ihr wieder zu zweit. Was genau ist da alles vorgefallen?

Drazen: Ich habe zusammen mit einem Kumpel die ersten Gehversuche gemacht und. Dabei haben wir Abende damit verbracht, Songs zu covern und überhaupt mal mit Synthesizern klar zu kommen. Es war eine sehr spannende und aufregende Zeit, weil wir von Sequencern, Synthesizern, Midi & Co. gar keine Ahnung hatten und uns alles selbst beibringen mussten. Irgendwann kam Lars dazu und der Punkt war erreicht, um den nächsten Schritt zu machen, d.h. weg von Cover-Versionen, hin zu eigenen Songs. Lars und ich hatten da schnell einen guten Draht zueinander, während sich mein Kumpel in eine etwas andere musikalische Richtung bewegte. Daher war es für alle das Beste, getrennt weiter zu machen.

Lars: Eigentlich gibt es Perfidious Words erst seit etwa 1996! Bei mir war es ähnlich wie bei Drazen. Ich habe 1993 angefangen, mit Joe (unserem heutigen Hausfotografen und Artwork Director), Oasis-, Cranberries- und Depeche Mode Songs zu covern. Das Ganze aber nur mit Akustikgitarre begleitet. Wir waren irgendwann so weit, dass wir 2-3 songs auf die Bühne bringen wollten (zu unserer Schulabschlußfeier). Da wir aber kein Equipment hatten, wurde ich Drazens Kumpel vorgestellt, der bis dahin mit Drazen auf seinen Keyboards und Synthies erste Erfahrungen gesammelt hatte. So habe ich Drazen kennengelernt. Es hat sich dann relativ schnell herausgestellt, dass Drazen und ich uns musikalisch ideal ergänzten, sodass wir beide uns unser eigenes Studio einrichteten. Zu der Zeit haben wir uns dann auch für den Bandnamen ‚perfidious words’ entschieden. Etwa ein Jahr später erschien unsere erste ep. (ruined; 1997). In unserer kompletten Bandgeschichte als perfidious words wurden alle unsere CDs als Duo veröffentlicht. An dieser Originalbesetzung hat sich bis heute nichts geändert. Joe hat sich lieber auf die visuellen Aspekte pw betreffend spezialisiert.

Wer übernimmt heute welchen Part innerhalb eures Duos?

Drazen: Es gibt da keine strikte Trennung der Aufgaben. Aufgrund des technischen Know-Hows sitze ich eher am Rechner und mache die Programmierung. Neben Piano spielen wir beide Gitarre, wodurch jeder auf seine Art Demo-Tracks einspielen kann, die wir dann gemeinsam im Studio ausarbeiten. Bei den Texten ist es auch sehr unterschiedlich. Oftmals hat einer von uns bereits Ideen bzw. einzelne Verse notiert, die wir dann in die Lieder integrieren. Ganz selten entsteht ein Text direkt mit dem Lied zusammen.

Lars: Stimmt, wir haben da nie großartig drüber reden müssen. Im Studio sitzt meistens Drazen am Rechner und zaubert einen Beat oder programmiert unsere Ideen. Er ist sehr schnell darin und hat die Gabe, Harmonien, Sounds und Rhythmen so glatt zu ziehen, dass es auf einmal passt. Es hat sich über die Jahre so ergeben, dass ich mich mehr um die Vocals und die Texte kümmere und Drazen eher programmiert. Was natürlich nicht heißt, dass das streng aufgeteilt ist. Es gibt durchaus Songs, die auf Drazens Textideen basieren. Das Komponieren der Songs (also Melodien und erste Textideen) übernehmen wir beide entweder jeder allein für sich oder aber auch beide gemeinsam im Studio. ‚Stay’ zum Beispiel haben wir gemeinsam geschrieben. Es kam praktisch ‚von allein’. Wir waren im Studio und wollten für unser neues Album noch einen Piano-Song aufnehmen. Also spielte Drazen ein paar Akkorde am Piano, ich war im Gesangsraum und lies meinen Gefühlen freien Lauf. Auf diese Art und Weise haben wir innerhalb von etwa 10 Minuten das Grundgerüst für ‚stay’ beisammen gehabt. Erste Lyrics Ideen dazu konnten wir auch schon festhalten. Zwei Wochenenden später war ‚stay’ komplett ausproduziert.

Anfangs habt ihr ja Coverversionen eurer eigenen favorisierten Bands geschrieben. Wie kam dann letztendlich der Gedanke zur eigenen Musik?

Lars: Wir wollten einfach die Musik machen, die wir uns selber auch gerne anhören würden… Drazen: Ich sehe darin eine vollkommen normale Entwicklung. Die Cover-Versionen haben damals eine Menge Spaß gemacht, weil man seine favourite Tracks nicht nur anhören, sondern direkt ein Teil davon werden konnte. Um ehrlich zu sein, wenn ich Zeit habe – was leider nicht mehr so oft vorkommt – nehme ich aus Spaß Songs, die mir gerade gefallen neu auf. Man erhält dadurch einen Blick hinter die Komposition und ein ganz anderes Verständnis für den Song. Sobald es dann das erste zu der Situation kommt, dass man sich denkt „Das hätte ich aber anders gemacht“, ist man soweit, dass man einfach auch mal seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen sollte.

Perfidious Words lässt sich im groben Sinne gesehen mit „hinterhältigen Worten / Texten“ übersetzen. Wer kam auf diesen recht negativen Bandnamen und was bedeutet er für euch?

Lars: Wir hatten 1996 mehrere Bandnamen zur Auswahl, aber uns erschien ‚perfidious words’ am treffendsten. In unseren Songs geht es oftmals um Situationen in denen die Protagonisten an einen kritischen, vielleicht sogar Wendepunkt in ihrem Leben kommen. Z.B. thematisieren wir den Verlust einer geliebten Person, Betrug, Sünden und Laster, oder die zeitliche Vergänglichkeit, aber auch Glaube, Liebe und Vertrauen oder Träume spielen eine große Rolle in unseren Texten. Ich habe in meinem Leben gelernt, dass die Dinge oftmals anders sind, als sie im ersten Moment scheinen. Die manchmal doch recht großen Unterschiede zwischen ‚Sein’ und ‚Schein’ faszinieren mich immer wieder. ‚Perfidious Words’ gibt uns die Möglichkeit, all die Dinge zu beleuchten, die uns bewegen. Wir hätten bezüglich unseres Namens keine bessere Wahl treffen können. Zwar ist er nicht ganz eingängig, dafür vergisst man ihn dann aber auch nie wieder ;-)

Eure erste Veröffentlichung war die Maxi CD „Ruined“ und diese erschien jedoch erst im Jahr 1997. Warum habt ihr solange damit gewartet? Habt ihr zunächst auf den Rückhalt eines Labels gewartet?

Drazen: Wir hatten Mitte der 90er eine handvoll Demoversionen aufgenommen und diese dann an diverse Plattenfirmen verschickt. Irgendwann hat sich Johnnie Clapper von None Records (das später Trisol wurde) gemeldet und Interesse an einer Zusammenarbeit gehabt. Er hat das Ganze erst so richtig ins Rollen gebracht, weil wir einfach nicht das Equipment und das nötige Know-How hatten, um das erste Album fertig zu machen. Wir haben uns dann mehrfach getroffen und mit seiner Hilfe die Tracks neu aufgenommen und so das erste Album fertig gemacht. Das war damals eine klasse Zeit, weil wir uns teilweise für mehrere Tage am Stück im Studio eingeschlossen hatten und erst ans Tageslicht kamen, als wir fertig waren. Ohne ihn wäre das damals niemals gegangen, wir sind ihm dafür sehr dankbar.

Lars: Von der Bandgründung (1996) bis zu ‚ruined’ dauerte es lediglich etwa 18 Monate.

Es ist ja eher bekannt, dass Bands im Laufe der Zeit auch einmal das Label wechseln. Ihr seid eurem Label TRISOL jedoch bis heute treu geblieben. Was meint ihr, sind die Gründe für Labelwechsel anderer Bands?

Drazen: Schwer zu sagen, vielleicht Ungeduld? Wir gehörten ja zu den allerersten Bands bei Trisol und haben mit der Plattenfirma seither eine Abmachung, die für uns perfekt ist. Vor allem in Anbetracht der mühsamen Umstände, unter denen wir Musik machen. Wir leben nicht von der Musik, sondern haben beide unsere Jobs und Familien. D.h. wir können nur in unserer Freizeit Musik machen. Das dauert dann entsprechend länger, aber die Plattenfirma gibt uns die Möglichkeit, unsere Veröffentlichungen zu machen. Wir waren dadurch zwar nie das Top-Thema für das Label aber beide Seiten haben ihre Vorteile. Die Schnelllebigkeit des Geschäfts hätte alles andere auch schwierig gemacht. Wir haben schon viele angebliche Blockbuster kommen und gehen sehen, viele haben den Schritt zu größeren Labels gewagt, sind dann aber entweder in der Versenkung verschwunden oder reumütig zurückgekehrt. Wir sind damals wenig Risiko gegangen, das zahlt sich jetzt aus, weil es Perfidious Words nach wie vor gibt und wir noch immer unsere Leidenschaft in Veröffentlichungen umsetzen können.

1998 erschien euer erster Longplayer, namens „Hydrogen Skies“. Welche Unterschiede gibt es zum aktuellen Longplayer „Feel Like Me“?

Drazen: Wenn man die Alben aufmerksam vergleicht, sieht man darin die ganze Entwicklung von PW. Hydrogen Skies strahlt eine gewisse Naivität aus, die nie albern wirkt. Außerdem entsprach das damals der Grenze des für uns technisch machbaren. Bis zu viel „Feel Like Me“ haben wir unser Studio komplettiert, eine Menge Erfahrung im Recordingbereich gesammelt und sind technisch auf einem ganz anderen Level. Dazu sind die Kompositionen wesentlich erwachsener und reifer. Während wir damals unser ganzes Pulver (Songs) dafür verschossen haben, um das Album fertig zu bekommen, haben wir dieses Mal sehr viele Demotracks aufgenommen und die Songs danach ausgesucht, wie Sie aufs Album passen. Der Zeitraum, in dem die Alben entstanden sind, ist auch ein vollkommen anderer.

Lars: Aber auch gesanglich kann man eine deutliche Entwicklung erkennen. Sowohl Drazen als auch ich haben auf ‚feel like me’ im Vergleich zu den frühen Aufnahmen eine m.M.n. überzeugendere, reifere Leistung gebracht. Auf ‚feel like me’ haben wir noch mehr als auf den Vorgängern versucht, unser Klangspektrum zu erweitern. Beispielsweise haben wir bei dem Song ‚Mirror’ erstmalig eine Mandoline als live- Instrument benutzt. Außerdem konnten wir für das eher Blues- ige ‚feel like me’ einen Drummer als Gastmusiker gewinnen, was den Song noch lebendiger und auch etwas dreckiger wirken lässt.

Ihr habt neben einigen Alben auch einige Maxis heraus gebracht. Aber noch keine EP. Warum?

Drazen: Das stimmt nicht! Die allererste CD „Ruined.“ war genau genommen eine EP. Welches Format letztlich veröffentlicht wird, hängt in erster Linie vom Label ab. Wir haben all unsere Energie in die Alben gesteckt. Lars: Da eine ep ja in der Regel zwischen vier und neun (größtenteils) unterschiedliche Stücke enthält, würde ich auch ‚breaking the silence’ als ep bezeichnen. Oh, dann war ja ‚spreading silence’ mit nur 9 Stücken lediglich eine ep und kein Album ;-)

Was verkauft sich eurer Meinung nach besser, eine Maxi, eine EP oder ein Album?

Drazen: Ganz klar Album! Für uns ist das auch deutlich attraktiver, da wir auf das Gesamtpaket sehr viel Wert legen und ein Album-Artwork wesentlich mehr Optionen zulässt. Der Reiz am Album ist ja eine Art Epocheneinteilung. Man nimmt ein paar Songs aus, legt eine Optik fest und schnürt daraus ein Produkt, das die Epoche einer Band kennzeichnet. Bei uns, die wir recht selten releasen sogar noch deutlicher als bei anderen Bands, die sehr häufig veröffentlichen.

Lars: Das kommt ganz darauf an. Wir sind keine typische ‚Single Band’. Ich denke es gibt bei Chartstürmern und ‚Eintagsfliegen’ oft genug den Fall, wo sich die Single besser verkauft als das dazugehörige Album.

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Was ist für euch der Unterschied zwischen einer Platte und einer CD, habt ihr ja im Jahre 2003 eure letzte Veröffentlichung „Veil Of Secrecy (Tom Wax Remixes)“ unters Volk gebracht.

Drazen: Wir hatten auch von „Welt“ eine limitierte Auflage auf blauer Single-Schallplatte herausgebracht. Ein reines Sammlerstück mit einem exklusiven Track. Früher war das Gefühl, eine Schallplatte zu kaufen, mit dem Riesencover und dem charakteristischen Geruch einfach genial. Wenn ich aber ehrlich bin, hab ich mich immer tierisch über Kratzer oder das nervige Rauschen geärgert. Insofern war zum Musik hören die CD ein Segen! Wenn wir uns schon teilweise jahrelang die Mühe machen, qualitativ hochwertige Musik aufzunehmen, muss man sie ja nicht absichtlich wieder schlechter machen. Als reines Sammlerstück ist das aber sicherlich immer wieder interessant.

Tom Wax ist ja bekanntlich Produzent, Remixer und DJ und hatte produktions-technisch schon mit Größen wie Marusha, Dr. Motte oder auch Mijk van Dijk zu tun. Als Remixer stand er schon für Künstler wie Erasure, Mesh oder auch Jam & Spoon zur Verfügung. Was hat euch dazu gebracht, von ihm eine Platte remixen zu lassen und wie kam der Kontakt zustande?

Lars: Natürlich wussten wir, dass Tom Wax schon hochkarätige Künstler geremixt hat. Ich kannte auch noch seine Sachen aus AWeX-Zeiten (Mitte der 90er) und fand die ziemlich gut. Wie so oft war es der Zufall, der uns zueinander führte. Ein Bekannter von mir hatte mir erzählt, dass er oft mit Tom Wax in den Szene Clubs unterwegs wäre und sie gut befreundet wären. Da habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ihn gebeten den Kontakt zu uns herzustellen. Tom hatte Lust auf eine Zusammenarbeit, wir auch und so ist es zu den „Veil Of Secrecy (Tom Wax Remixes)“ gekommen.

Wie war es damals für euch, die eigene Musik in Remixen zu hören?

Drazen: Sehr spannend. Es gab beide Fälle: Entweder wir waren danach ganz besonders stolz, weil der Remix schlecht war und uns gezeigt hat, wie gut wir den ursprünglichen Song hinbekommen haben, oder eben auch mal neidisch, weil andere noch viel bessere Ideen hatten.

Gibt es noch weitere Personen, die euch geremixt haben? Wenn ja, welche?

Lars: L’Ame Immortelle, Yendri, Endraum, Dust of basement, Sero.Overdose, Infekktion, B!Machine, DJ Ram um nur einige zu nennen…

Und habt ihr selbst auch schon mal den einen oder anderen Remix gemacht?

Drazen: Ja, aber wir kommen leider zeitlich nicht sehr oft dazu. Remixes haben wir für L’ame Immortelle aufgenommen, für Clan of Xymox und für Infekktion. Daneben gab es auch diverse Projekte, an denen allerdings Lars alleine beteiligt war.

Lars: Und für Emilie Autumn. Für Ihren Remix und für den L’ame Immortelle Remix haben wir zusätzliche Vocals aufgenommen. Generell halten wir uns aber mit Remixen für andere Künstler eher zurück und investieren unsere Zeit lieber in unsere eigenen Songs.

Mit welchem Künstler, welcher Band würdet ihr gerne etwas gemeinsam machen oder vielleicht habt ihr das schon?

Drazen: Momentan würde ich sicherlich sagen, Imogen Heap oder Kate Havnevik. Ich freue mich schon sehr auf deren neue Alben. Beides sind exzellente Sängerinnen.

Lars: Wenn Alan Wilder für sein Recoil Projekt gerne mit uns arbeiten würde, könnte ich nicht widerstehen ;-) Reizen würde mich dann noch die Chris Isaak Band, Calexico oder Madrugada.

Wie würdet ihr eure Musik selbst mit drei Worten beschreiben?

Drazen: melancholisch, harmonisch, Pop.
Lars: melodisch, gefühlvoll, abwechslungsreich.

Wen wollt ihr mit eurer Musik erreichen?

Drazen: Ich mache Musik aus sehr egoistischen Gründen. Ich höre sehr viel Musik, eigentlich immer. Und ich mache gerne Musik, in der ich versuche, die vielen Inspirationen zusammen zu bringen. In erster Linie mache ich das für mich selbst, weil das eine Leidenschaft ist. Wenn man diese dann mit einem Bandmitglied teilen kann und durch die Kombination beider Einflüsse mehr als nur die Summe heraus kommt, ist das schon sensationell. Gekrönt wird das ganze dadurch, dass wir die nicht selbstverständliche Möglichkeit haben, das Ganze regelmäßig zu veröffentlichen und dadurch eine Menge Menschen erreichen, die diese Musik gut finden.

Dem aktuellen Album „Feel Like Me“ liegt eine 80minütige DVD bei. Was genau ist darauf zu sehen?

Lars: Auf der DVD bekommt Ihr ein komplettes perfidious words live Konzert, gefilmt in Deutschland (Lahr, Universal D.O.G., 08.10.2005), zwei Live Mitschnitte des Konzertes in Italien (Rom, Circolo degli Artisti, 15.05.2004), das Video zu ‘spreading silence’, exklusive Studio performances von ‘another day’, ‘halt mich fest’ und ‘swallowing my body’ und eine unplugged performance von ‘another day’ zu sehen. Hier ist die komplette Liste der Songs der DVDrazen: 1 Intro 2 Veil Of Secrecy 3 Somewhere Must Be Heaven 4 Mystify Me 5 Sickliest Creep 6 Halt Mich Fest 7 Spreading Silence 8 Take Me Back 9 Into My Arms 10 Another Day 11 Without Pride 12 Ruined 13 Sickliest Creep (Live In Italy) 14 Without Pride (Live In Italy) 15 Another Day (Studio Session) 16 Swallowing My Body (Studio Session) 17 Halt Mich Fest (Studio Session) 18 Another Day (Unplugged Studio Session) 19 Spreading Silence (Video Clip).

Zudem gibt es 11 Tracks auf der CD. Das ist zusammen mit der DVD eine beachtliche Menge Material! Hut ab! Wie lange habt ihr letztendlich an dieser CD/DVD gearbeitet?

Lars: Insgesamt müssen das 5 Jahre gewesen sein, in denen wir an dieser Veröffentlichung gearbeitet haben. Gerade die Sache mit der DVD hat unheimlich viel Zeit in Anspruch genommen…

Drazen: Auf unserer letzten CD „Spreading Silence“ hatten wir nur 9 Tracks. Damals wollten wir unbedingt die CD fertig bekommen und haben uns dann dazu entschieden. Im Nachhinein finde ich, war das ein Fehler. Die Leute geben eine Menge Geld aus und verdienen dann auch mehr für ihr Geld. OK, „Violator“ hatte auch nur 9 Tracks, aber DM konnten sich so was leisten, v.a. weil sie damals noch die entsprechende Qualität hatten. Wir haben uns im Nachhinein wirklich geärgert und wollten es auf „Feel Like Me“ besser machen. Umgekehrt gibt es aber auch genügend Fälle, wo eindeutig zu viel Material drauf ist, z.B. „Supposed former infatuation junkie“ von Alanis Morrissette. Hatte glaub ich 17 Tracks drauf. War zwar ein gutes Album, aber irgendwann hat es nur noch genervt.

Welche Themen behandelt der aktuelle Longplayer?

Lars: Das Spektrum der Themen in unseren Songs hat sich im Laufe der Zeit nicht stark verändert. Wie bereits oben erwähnt geht es auch auf ‚feel like me’ um Verlangen und Leidenschaft, Vertrauen und Glauben, Enttäuschungen, Tod und Verluste und um Ängste…ja sogar recht häufig um Ängste.

Ist das Album als Gesamtkonzept zu betrachten und stehen die Songs in einer Verbindung zueinander?

Lars: Bei ‚feel like me’ handelt es sich nicht um ein klassisches Konzeptalbum. So etwas schreckt mich immer etwas ab. Klar, letzten Endes kann man zwischen den einzelnen Songs und dem Albumtitel schon eine Verbindung finden und auch die Lieder selbst mit ihren teilweise doch recht persönlichen Inhalten passen bestens zueinander, doch im Voraus geplant haben wir das Album so definitiv nicht. Wir wussten vor fünf Jahren nicht, wohin uns die Reise führen würde, wie viele Songs wir schreiben würden, und ob es überhaupt für ein weiteres pw Album reichen würde. Das Album ist nicht konzipiert sondern so wie es ist gewachsen.

Die Texte sind fast alle englisch, bis auf „Halt mich fest“, dieser Track ist deutsch. Welche Kriterien setzt ihr an, um zu entscheiden, ob ein Song deutsch oder englisch zum Einsatz kommt?

Drazen: Grundsätzlich finde ich, ist die englische Sprache eindeutig die besser geeignete für unsere Musik. Allerdings sehe ich die deutsche Sprache als wesentlich präziser. Insofern ist es deutlich schwieriger, einen guten deutschen Text zu schreiben. Lars: Nach ‚Welt’ (1997) und ‚Zwischen Zeitrausch und Leben’ (1999) ist ‚Halt mich fest’ erst unser dritter Song mit deutschem Text. Es war wie immer keine bewusste Entscheidung den Song auf Deutsch zu singen. Ich hatte Drazens Harmonien auf dem Kopfhörer und habe nach einer Gesangsmelodie gesucht. Beim Improvisieren habe ich dann einfach den Refrain von ‚halt mich fest’ auf Deutsch gesungen (hier entstand der Text zum Refrain im Prinzip parallel zur Musik). Damit war uns klar, dass der Rest von dem Lied auch auf Deutsch gesungen werden musste.

Eure Texte auf „Feel like me“ erscheinen sehr introvertiert, nachdenklich – was könnt ihr über die Inspiration zu den Texten des Albums sagen?

Lars: Ich denke zu einem Großteil sind unsere Texte autobiographisch und dienen wahrscheinlich ein Stück weit zur Vergangenheitsaufarbeitung. Wir würden lügen, wenn wir sagen würden: ‚ha…alles frei erfunden’ und persönliche Erfahrungen die man nun mal macht, wie beispielsweise der Tod einer geliebten Person, Selbstzweifel oder Veränderungen jeglicher Art auf der zwischenmenschlichen Ebene, hätten keinen Einfluss auf unsere Texte.

Und wen wollt ihr mit „Halt mich fest“ zum festhalten woran bewegen?

Lars: ‚Halt mich fest’ soll einfach nur das Gefühl von Verzweiflung beschreiben, vielleicht auch eine Situation in der man droht unterzugehen. Man wünscht sich fremde Hilfe und klammert sich an jeden Strohhalm der einem geboten wird…

Was sind eure persönlichen „My Body’s Needs“ – was ist Euch im Leben wichtig?

Lars: Ein paar Geheimnisse sollen schon noch bestehen bleiben. Beim aufmerksamen Hören bzw. Lesen unserer Texte sollten sich dennoch tiefe Einblicke in unsere Bedürfnisse bieten ;-)

Wird es zukünftig mehr deutsche Songs geben?

Lars: Das können wir nicht sagen. So sie uns denn einfallen und am Ende auch gut genug sind, warum nicht?

Beim ersten Hören vermutet man ganz starke Einflüsse von Bands wie DEPECHE MODE oder auch DE/VISION und AND ONE. Hört ihr solche Argumente öfter und wie seht ihr die Sache?

Drazen: Musikalisch bewegen wir uns eben in einem ähnlichen Genre, daher ist es vollkommen verständlich, dass solche Vergleiche kommen. Wir sind aber beide sehr stolz darauf, einen extrem breit gefächerten Musikgeschmack zu haben. Von daher gibt es auf ‚feel like me’ auch Einflüsse aus enorm vielen unterschiedlichen Musikrichtungen, die mindestens genau so wichtig sind. Ich habe die letzten Jahre sehr viele Produktionen von Guy Sigsworth gehört. Der Basslauf von Mirror ist z.B. durch einen Frou Frou Track inspiriert worden. Daneben hat schon immer Björk einen großen Einfluss auf unsere Programmierung gehabt. Man mag es kaum hören, aber Questions basiert auf einer Idee, die stark an einen Feeder-Track angelehnt ist. Dann gibt es noch Another Day, dass von der Instrumentalisierung fast schon in Richtung Coldplay geht.

Wie schaut es eigentlich LIVE technisch gesehen bei euch aus? Habt ihr Gigs in Planung?

Lars: Wir werden am 25. September 2009 im Zuge der Veröffentlichung von ‘feel like me’ unser allererstes Konzert in Moskau geben. Und zwar zusammen mit T.O.Y. und de/vision im Tochka (Leninsky prospect 6). Aber auch in Deutschland sollen einige Termine folgen. Um konkrete Termine zu nennen, ist es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch zu früh.

Wie habt ihr damals alles auf die Reihe bekommen, immerhin wart ihr ja auch noch Studenten?

Lars: Eben, wahrscheinlich gerade weil wir Studenten waren, konnten wir uns die Zeit für’s Touren nehmen ;-) Heute wird das Ganze deutlich schwieriger. Wir haben im Jahr 30 Tage Urlaub. Da bleibt nicht viel Zeit für eine große durchgehende Tour. Wir werden da sicher einen Kompromiss finden müssen und zukünftige Auftritte eher auf die Wochenenden legen…

Und was könnt ihr uns noch verraten, was eure Zukunft betrifft?

Lars: Momentan freuen wir uns einfach nur auf die Veröffentlichung von ‚feel like me’ und wollen die anstehenden Konzerte genießen. Danach sehen wir weiter…

Vielen Dank für eure Antworten und viel Erfolg mit „Feel Like Me“ und all euren weiteren Plänen!

Lars: Vielen Dank für die interessanten Fragen und Alles Gute!