Lucy: Hallo Gilles! Vielen Dank für die Zeit, die Du Dir zum Beantworten unserer Fragen nimmst. Einige mögen Dich vielleicht noch nicht kennen – also stell dich mal ganz kurz vor! Gilles: Mein Name ist Gilles Rossire. Ich bin Franzose und lebe in Paris. Das Project OIL10 habe ich im Jahr 1998 gegründet. Das erste Album „In/Out“ war ziemlich experimentell. „Retrofuture“ ist nun das siebte Album. Mein Hauptberuf ist es eigentlich, Spezial-Makeup-Effekte für Kinofilme zu machen. Derzeit ist jedoch die Musik wichtiger in meinem Leben. Lucy: Bitte beschreibe deine Musik mit eigenen Worten. Gilles: Ich denke, ich versuche eine Art „zeitloser“ Musik zu machen. Ich mag die Idee, daß es schwierig ist zu erraten, wann diese Musik komponiert wurde. Ich habe immer vermieden, irgendwelche vorbestehenden Samples zu vermeiden. Ich möchte mir einen sehr analoge Atmosphäre bewahren. Die andere Hauptidee ist, das sich OIL10 in sich selbst entwickeln und formgebend sein soll. Ich würde mir sehr davor fürchten, wenn man mich festlegen würde, immer nur die gleiche Art Musik zu machen. Jedes Album war angedacht als ein Kapitel, welches mit dem vorherigen und dem darauf folgenden in Zusammenhang steht. „In/Out“ war je eher düster, ein experimentelles Album. Es enthielt jedoch trotzdem zwei Dancefloor-Stücke. Mit den folgenden Alben begann ich, zuerst Rhythmen und dann Melodien zu schaffen. Von Anfang an war es meine Obsession, neue und verschiedene musikalische Welten zu erforschen und zu überraschen. Ich möchte nicht in einem Musikstil eingesperrt sein und immer wieder die selbe Musik komponieren müssen. Lucy: Wann hast du begonnen, selbst Musik zu machen und was war des Auslöser dafür? Gilles: Meine erste Erfahrung mit elektronischer Musik war als Hörer des Stückes „Rubycon“ von Tangerine Dream in einer französischen TV-Show und des Soundtracks für „Forbidden Planet“. Ich habe damals noch nicht wirklich verstanden, wie man solche Musik erschaffen konnte. Danach habe ich Kraftwerk entdeckt. Dann kamen die britischen New-Wave und Electropop-Sachen auf, voran Depeche Mode oder OMD. Dann kam der Techno, der all Einflüsse verschiedener Stil mischte. Ich war immer beeinflußt von rein Experimentellem und leichten Electropop, von schrägem Krach, Melodien und Clubbeats. Als ich dann einen Job hatte, kaufte ich mir einen Roland SH101 Synthesizer und seitdem habe ich nie aufgehört, Musik verschiedenster Stil zu komponieren. Lucy: Wofür steht der Name „OIL10“? Gilles: Es gibt da keine spezielle Beduetung. Als ich das erste Album komponiert habe, wußte ich noch nicht mal, daß es das erste Kapitel oder ein einmaliges Ding sein würde. Das ganze Projekt hieß OIL10, as Album selber hatte nicht mal einen Titel. Ich wollte einen abstrakten Namen haben, mit Zahlen und Buchstaben, und einem sehr graphischen Aussehen. Am Ende entschieden Noise Museum und ich, daß das Album „In/Out“ heissen sollte – so wurde OIL10 der Projektname. Lucy: Hast du dich aktiv vor der Gründung von OIL10 in anderen Musikprojekten oder Bands bestätigt? Gilles: Ich habe nie aufgehört, Musik zu machen. Aber in den 10 Jahren vor OIL10 hatte ich nicht sehr viel Freizeit für ein kohärentes Projekt. Im Jahr 1993 habe ich eine Vier-Track Vinyl oin Belgien auf ARS herausgebracht. Das war ein ziemliches Dancefloor-Projekct mit Namen „Lust in Space“. Dann habe ich mich eher in eine eigene Richtung bewegt. Ich wollte meinen eigenen Stil finden. Ich habe neun oder zehn Tracks für Remote komponiert und an diverse Labels und Magazine geschickt. Als einer dieser Tracks im Future Music Magazine veröffentlicht wurde, habe ich schon an OIL10 gearbeitet. Rückblickend könnte man Remote quasi als Mutterleib für OIL10 bezeichnen. Lucy: Wie man auf deiner Webseite erfahren kann, bist Du von den Pionieren elektronischer Popmusik „Kraftwerk“, 80er Synthiepop a la „Depeche Mode“ aber auch zeitgenössischen Künstlern wie „Vitalic“, „LFO“ oder „Fischerspooner“ und „ladytron“ beeinflußt. Wie schaffst du es, all diese Einflüsse in einer Musik für OIL10 zu verarbeiten? Gilles: Nun, ich denke Musikgeschmäcker an sich sind sehr eklektisch. Während der Komposition eines Albums höre ich fast nie elektronische Musik, sondern sehr viele orchestrale Soundtracks und Popsongs. Ich fühlte mich nie einer Bewegung zugehörig oder zu einer musikalischen Richtung mehr als zu einer anderen. Ich habe die Geburt von Disco Musik, New Wave und Techno und deren vieler Alternativen miterlebt und ich mag viele verschiedene Ding an dieses Stilen. Nimmt das zu der Leidenschaft für Kino hinzu, gibt das eine große Mischung. Es überrascht nicht, daß man das in meiner Musik findet. Das ist der Grund, warum ich mich einigen wenigen Regeln von Beginn an unterworfen habe, um den Eklestizismus nicht zu Chaos werden zu lassen. Wenn ich mit einem neuen Stück anfange, dann habe ich eine Vorstellung von der Atmosphäre, die ich erzeugen möchte. Manchmal habe ich sogar eine Vorstellung von dem Platz, den es auf dem künftigen Album einnehmen soll. Aber wenn ich ein neues Album komponiere, dann höre ich nicht zu oft elektronische Musik. Ich bevorzuge klassische Musik und orchestrale Soundtracks. Lucy: Hast du immer nur eigene Songs produziert oder dich auch – vielleicht am Anfang – an Coversongs versucht? Gilles: Ich habe immer meine eigenen Songs gemacht. Immer wenn ich es probiert habe ein Cover zu machen, war das nicht gut: Wenn ich einen Song im Original mag, dann ist das immer besser als meine Version. Also höre ich anderer Leute Musik und versuche zu verstehen, wie Musik funktioniert. Das ist genug. Lucy: Wie entsteht ein OIL10-Song? Arbeitest du auf Hardware oder Software? Gilles: Die Wege ändern sich von Track zu Track und auch zwischen den Alben. Ich hatte nie viel Hardware, also beginnt jeder Song auf meinem alten Freund SH101. Manchmal ist das Herz eines Tracks ganz schnell gefunden, manchmal kann es aber auch sehr hart werden und Monate dauern. Ich verbringe viel Zeit damit, zu konstruieren und zu mixen. Für eine Stücke auf IN/OUT habe ich endlose Tapeaufnahmen gemacht von verschiedenen Einstellungen meines SH101. Dabei wußte ich noch nicht, wohin mich das überhaupt führen würde. Das war quasi ein Blindflug, der es mir erlaubte, meine Klangdatenbank zu füllen. Als das fertig war, habe ich einige dieser kurzen Routinen genommen, oder auch nur Piepser, um sie zu schneiden, filtern, entrauschen, Tönhöhen zu ändern und was auch immer. Dann hab das Material wieder gesamplet. Nun konnte ich meine Piepser sequenzieren und heraussuchen, welche zusammen funkionierten oder im Gegenteil sich gegenläufig waren im dynamischen Sinne. Ich habe viele Dinge in der Komposition jedes einzelnen Albums geändert. Erstmalig für Beyond habe ich Beatboxen und atmosphärische Samples benutzt. Ich habe einige Stimmungen aus dem Trip Hop benutzt. Mal habe ich mit Harmonien angefangen, mal mit Melodien oder Rhythmen, die ich auf der Strasse gesungen habe. Alles ist möglich. Hardware oder Software sind nur Bruchstück, ein Werkzeug. Die Intention dahinter ist viel wichtiger. Lucy: Ich habe niemals Vocals gehört, immer nur ein paar Sprachsamples. Hast du jemals daran gedacht, deine eigenen Vocals auf einen Song zu bringen? Gilles: Auf meinen ersten beiden Alben ist gar keine Stimme enthalten. Ich habe sie auf „Links“ eingeführt. Vocals sind einfach ein weiteres Instrument für mich. Worte sind zunächst mal Töne, die Bedeutung ist sekundär. Ich bin kein Sänger oder Schritftsteller, ich bin Musiker. Alle Gefühle, die ich mitteilen möchte, gebe ich mit Musik und Tönen wieder. Worte sind nur Titel und Informationen wie die Bilder auf der CD. Sie sind Hinweise, ein Bilderrahmen. Aber das wichtigste ist die Musik. L. Ich habe bemerkt, daß du fast jedes Album auf einem anderen Label herausgebracht hast. Wie kam das zustande? Gilles: Ich hatte nicht wirklich die Wahl. Labels verschwanden, andere entstanden. Noise Museum schluß 2000, dann machte Vacuum ein paar Jahre danach zu. Brume Records war ein neues Label, als ich dort unterschieb... So ist das Leben. It wasn’t really a choice. Labels disappeared, others emerge. Noise Museum was disappeared in 2000, then Vacuum was closed too few years after. Brume Records was a new label when I joint us... That’s life. Lucy: Laß uns über deine Remixarbeiten reden. Das jüngste Stück hast du für die Band „Autoclav 1.1“ produziert. Kannst du uns weitere Bands oder Sonngs nennen, die du schon bearbeitet hast? Gilles: Meinen ersten Remix habe ich 1999 für Celluloid Mata gemacht. Ich have seither viele Remix gemacht, aber mittlerweile remixe ich nur noch ab und zu. Meine Lieblinge sind die Mix für Flint Glass, Seize, Lethargy, Autoclav 1.1, Empusae, Aiboforcen, OTX, Hungry Lucy, Eretsua.... Lucy: Ist schonmal einer deiner Songs geremixt worden? Und wenn ja, wie fühlt sich das an, wenn man sowas zum ersten Mal hört? Gilles: Das ist bisher nur ein einzige mal bei der LP „Scars“ passiert, die ich mit Epusae gemacht habe. Wir haben je einen neuen Track gemacht und haben uns dann gegenseitig geremixt. Das war eine großartige Erfahrung weil ich Empusae sehr toll finde. Lucy: Hast Du pläne noch andere Remixe in der nahen Zukuft zu machen? Oder kannst du uns schon was verraten, was kommen wird? Mit wem würdest du vielleicht auch mal gern zusammenarbeiten? Gilles: Ja, ich habe grade einen Remix für das zweite Album eines französischen Künstlers gemacht, dessen Namen ich noch nicht verraten darf. Das Album wird im Juni rauskommen. Bezüglich Kooperation weiss ich nicht, ob ich wirklich mit einer anderen Band zusammenarbeiten könnte. Ich denke es könnte produktiver für mich sein, mit einem Sänger zu arbeiten weil er Dinge tun kann, die ich nicht umsetzen kann. Ein neues Projekt mit einem anderen Musiker zu gründen, was wäre vielleicht noch ne coole Sache. Das könnte vielleicht sogar sehr bald passieren – ich habe ein tolles Angebot diesbezüglich bekommen, aber ich kann noch nicht mehr darüber verraten. Lucy: Als Techniker in der Filmindustrie wirst du ja auch von Filmen sicher musikalisch stark beeinflußt. Andererseits steuert OIL10 ja auch soundtracks zu Filmen bei. Kannst Du uns das einige Beispiele nennen, an denen du so mitgewirkt hast?? Gilles: Mein erster Job war es, einen Track für die Eröffnungsszene von Broceliande zu machen – das war ein französischer Horrorfilm und die erste Szene spielte in einer Musikkneipe. Das Stück ist auch auf dem „Arena“-Album und heißt...Le Bar. Das war kein richtiger Soundtrack. Ich habe sogar einige Beats und Sounds für den Film synchronisiert. Mein erster richtiger Soundtrack war für den Kurzfilm Protocole 33 von Benoit Lestang. Das war eine sehr aufregende Erfahrung, weil Kino meine zweite Leidenschaft im Leben ist. Das war eine komische Story mit heftiger Atmosphäre irgendwo zwischen David Lynch- und David Cronenberg-Filmen. Der andere Soundtrack war für einen Film desselben Regisseurs, „Lundi, 35 miligrammes“. Das war eher ein klassischer Soundtrack, eine andere Herausforderung. Der Track „Fade to Black on Retrofuture“ ist eine neue Version aller Themen dieser beiden Filme. Lucy: Sind andere Soundtracks geplant? Gilles: Bisher noch nicht, mal sehen. Lucy: Laß uns über dein neues Album „Retrofuture“ reden. War der 10. Geburtstag der einige Grund für Dich, ein Best-of-Album zu veröffentlichen, oder was war deine Motivation dahinter? Gilles: Ja, das war es, was mich dazu angeregt hast, dieses Album zu machen. Ich wollte ein bedeutungsschwangeres Datum mit der Idee, einige Track zu überarbeiten, verbinden. Ich habe länger gebraucht und es war ein härteres Stück Arbeit als ich anfangs gedacht hatte. Aus zehn Jahren wurden schließlich elf, aber egal. Das Album ist jetzt endlich fertig. Lucy: Und warum hast du nicht einfach eine Zusammenstellung gemacht und alle Songs neu überarbeitet und zu einem homogenen Ganzen fast wie einem neuen Album zusammenzufügt? Das ist ja weit mehr als nur ein Best-of!? Gilles: Die Idee der Compilation hatte ich sehr schnell fallengelassen, nachdem ich eine Balance aus Original-Tracks und Songs gefunden hatte, die ich gemixt hatte, damit sie „anders klingen“. Einfach die Originale aneinanderzukleben hätte meinem progressiven Ansatz aller vorherigen Alben widersprochen. Und es wäre chaotisch geworden. Und Remixe von jedem Song zu mache, nur um die Stücke „auf den Kopf“ zu stellen, wäre nur dann eine interessante Option gewesen, wenn ich andere Musiker gefragt hätte. So hatte ich mich dazu entschieden, ein neues Album zu schreiben, daß beides sein sollte: Eine richtige Retrospektive zum ursprünglichen Projekt aber auch der Wille zur Erforschung des Ganzen in einer neuen, harmonischen Art. Das erklärt auch, warum sich der Sound sehr von Track zu Track ändert. Manchmal sind sie sehr tief, wie in „The Beast“, und manchmal sehr leicht beschwingt wie in „Electric Angels“. Diese Stücke sind mehr als nur Remixe. Sie sind alternative Versionen, die zeigen, wie ich das Projekt heute sehe. Lucy: Zwischen den 13 Tracks sind zwei neue – welche sind das? Gilles: Fade to Black und Counter Clock. Der erste ich eine Neuinterpretation eines Kinosoundtracks und der zweite ist brandneu. Das ist der letzte Track, den ich bis heute geschrieben habe. Für mich ist es sehr wichtig, daß ich ihn so gemacht habe, als könnte er auch der letzte Track für das Project überhaupt sein. Das ist nur eine Idee, aber ich brauche diese Vorstellung für die Stimmung und die Inspiration, um einen letzten Track für die RetroFuture-Arbeit zu schreiben. Lucy: Das sind auch neue Versionen von „Oil 2“ und „Oil5“ vom Album „In/Out“ auf der neuen CD. „In/Out“ ist ja scho seit Jahren nicht mehr erhältlich. Wirst du das irgendwann nochmal wiederveröffentlichen? Gilles: Das weiß ich wirklich noch nicht. Falls ja, dann werde ich es aber remastern! Lucy: Für wen schreibst Du deine Musik – eher für die Clubgänger, für Leute, die Musik hören wollen oder für dich selbst? Gilles: Die Existenz der Projektes, eine der Hauptmotivationen, ist es, diese Frage zu vermeiden. *lacht Ich mag Vielschichtigkeit. Ich beschreibe meine Alben immer als eine Art „vielseitige aber doch homogene Art Programmierung“. Durch meine ganzen Alben hindurch wollte ich immer fließende Element mit gleichbleibendem Rhythmus einbringen. Viele Dinge haben sich seit dem ersten Album geändert, aber die Vielseitigkeit ist geblieben als ein verbindendes Prinzip des Projektes, der rote Faden sozusagen. „In/Out“ war ja eher düster, und ein experimentelles Album. Es enthielt aber dennoch zwei cluborientierte Stücke. Mit den folgenden Alben habe ich dann meist zuerst Rhythmen geschrieben und dazu dann Melodien. Wie ich schon gesagt habe, ich fühlte mich nie einem Stil verhaftet. Lucy: Nach deiner Webseite zu urteilen hast du schon eine Menge Liveauftritte absolviert. Erinnerst du dich noch an deinen ersten Auftritt? Wie war diese Erfahrung für dich? Gilles: Ja klar. Ds war in Paris 2001. Ich habe mit Sulphuric Saliva im Les Caves St Sabin gespielt, einer tollen Location. Ich war natürlich sehr nervös, aber es war ein großartiger Moment. Es war sehr, sehr voll. Es war die erste Industrial Impact Party, einer sehr berühmten Party in Frankreich. Lucy: Was hat sich seitdem für dich geändert und was ist für dich das besondere am Live-Auftritt? Gilles: Es gab keine Videos bei meinen ersten Konzerten. Aber es war mir klar, daß das ein wichtiger Teil meiner Show werden würde. Deshalb habe ich viele Kurzfilme für meine Shows gemacht und ich denke, daß ist viel schöner für mein Publikum. Ich sehe keine Bilder vor mir, wenn ich komponiere, aber es ist sehr interessant, die Songs nach der Veröffentlichung zu visualisieren. Ich versuche immer, ein richtiges Programm für die Shows zu gestalten. Mein Ansatz ist eher zu unterhalten. Ich spiele auf Festivals, wo viele andere Bands spielen. Und ich weiß, daß viele Leute nicht einfach wegen mir dahinkommen. Viele kennen wahrscheinlich nicht mal meine Alben. Deswegen versuche ich effektive Konzerte zu machem, mit denen ich die Zuhörer schnell erobern kann. Das ist eine Herausforderung und eine großer Spaß für mich. Lucy: Welche Musik hörst du eigentlich privat? Gilles: Ich höre viele Filmmusiken, wie John Williams oder Hans Zimmer. Vangelis, Tangerine Dream. Oder viele Popsongs wie Divine Comedy, IAMX, auch Electrobands wie etwa Ladytron, M83, FSOL... Aber ich höre nicht viel Musik, wenn ich für das Projekt komponiere. Lucy: Welche Hobbies hast du neben der Musik? Gilles: Mein Leben hat zwei Konstanten: Musik und Kino. Ich hatte die große Chance, mit beidem zu arbeiten. Ich habe aber auch große Freunde, im Publikum zu sein oder auch auf der andreren Seite – dem, der die Kunst erschafft. Ich habe nicht viel Zeit für andere Hobbies im Moment.. Lucy: Wie sehr wirst du von den momentanen Entwicklungen im Business beeinflußt? Hast du durch die vielen illegalen Downloads vielleicht schonmal eine Motivationskrise gehabt und dich gefragt, ob du überhaupt noch weitermachen solltest? Fühlst du dich da manchmal bestohlen oder betrogen? Gilles: Ja, wir leben in schwierigen Zeiten. Die Internetrevolution hat viele gute und auch schlechte Seiten. Macher haben die wundervolle Möglichkeit, die Menschen auf der ganzen Erde zu erreichen, aber die Leute sind nicht mehr bereit, für Kunst zu bezahlen. Das ist eine sehr wichtige Frage jenseits des Problems in der Musik. Wenn ein oder zwei Generationen das Gefühl haben, Musik und Kino müßten kostenlos sein, was wird dann auch den Kreativen? Ehrlich, ich hab keine Ahnung. Manchmal fragen mich Kids nach dem Auftritt: „Hey, ich liebe deine Musik. Kannst du mir MP3-Files schicken?“ Die sind so „unschuldig“, daß ich denke, es ist sinnlos, es zu erklären. Die Realität ist einfach: „Bezahl nicht für etwas, was du auch umsonst bekommen kannst“. Das ist alles. Es ist einfach normal geworden. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, wir haben gelernt, nach immer billigeren Produkten zu suchen – und kostenlos ist am billigsten. Wenn etwas nicht wirklich verboten ist, wie kann man dagegen ankämpfen? Ich denke, Musik wurde dem Internet und Computerfortschritt geopfert. Ich denke, daß ganze Ding ist eine ökonomische Strategie. Wir leben in einer knallharten kapitalistischen Gesellschaft, wo kostenlose Sachen nicht existieren. Eines Tages, wenn alle großen Firmen alle Netzwerke kontrollieren, wird der freie Download vielleicht gestoppt. Aber dann ist es zu spät für all die kleineren. Lucy: Was sind deine Pläne nach „Retrofuture“? Arbeitest du schon wieder an neuem Material? Gilles: Ich schreibe einen neuen Track für eine französische Compilation, die im Herbst kommen wird. Das ist keine OIL10-Kooperation, sondern ein vollkommen neues Projekt mit neuem Namen. Das ist ein Ambientprojekt, aber ich weiß noch nicht, wann das veröffentlicht werden wird. Ich werde wahrscheinlich zeitgleich ein neues OIL10-Album aufnehmen. Lucy: Vielen Dank, daß du dir die Zeit genommen hast, Gilles! Wir wünschen weiterhin viel Erfolg für OIL10 und mach weiter so! Hast du noch irgendetwas, was du noch preisgeben oder sagen möchtest?? Gilles: Vielen Dank für euer Interesse! Und natürlich Danke an alle Leute, die das Projekt unterstützen und im letzten Jahrzehnt am Leben gehalten haben!
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