Interview mit Janosch Moldau

Rubrik: Interview

Mit Clear . One with the sinner . Remixed veröffentlichte Janosch Moldau auf dem bandeigenen Label den offiziellen Remix Nachfolger des Erfolgs- Longplayers "Motel Songs Was ihn zu diesem Album bewegte, wie es für ihn war mit DE/VISION und PROJECT PITCHFORK auf Tour war und was es mit seiner CD und Martin Gore (Depeche Mode) auf sich hat, verrät uns Janosch im folgendem Interview...

Janosch MoldauLucy: Hallo Janosch! Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten. Wie geht’s dir und wie war dein letztes Konzert am 09.06. in Berlin auf der "Convention of the Universe" mit Nitzer Ebb und De/Vision? Wir haben gehört, dass Martin Gore von Depeche Mode höchstpersönlich anwesend war.

Janosch: Ja, es war alles ein aufregender Abend. Nach dem ich völlig übermüdet von meiner Show auf dem "Ulmer Zelt" in Berlin eingetroffen bin, hat sich alles zum Gutem gewendet. Ich habe Martin Gore einfach persönlich mein Album überreichen können. Diesen ganzen "Depeche Mode Retorten Wahn" kann ich jedoch trotzdem nicht verstehen. Immer wieder diese alten Fans die nichts Neues hören wollen. Dabei ist die Band immer besser geworden.

Lucy: Deine Musik ist ja sehr schwer in Sparten einzuordnen. Wie würdest du sie selbst jemandem beschreiben, der bisher noch nichts davon gehört hat?

Janosch: Es ist einfach Pop-Musik. Ganz global. Musik für Millionen. Ich hasse Sparten!

Lucy: Deine Songs laden sehr zum Träumen ein und eignen sich wunderbar zum Entspannen. Wen möchtest du mit der Musik ansprechen?

Janosch: Alle Wesen des gesamten Universums!

Lucy: Bereits 2005 hast du dein Debüt-Album „Redeemer“ auf deinem eigenen Label „Janosch Moldau Records Ltd.“ veröffentlicht. Was waren denn die Gründe dafür, ein eigenes Label zu gründen?

Janosch: Es gab einfach kein Label für mich. Mittlerweile bin ich heilfroh, da es damals so schlecht für mich gelaufen ist. Jetzt habe ich hier die Kontrolle, wie ich es mir wünsche. Ich entscheide alles selbst und bin für alles auch verantwortlich. Ich habe ohne Plattenfirma mehr erreicht als je gedacht. Wozu braucht man denn noch eine Plattenfirma heute?

Lucy: Religion und Spiritualität scheinen zwei große Themen zu sein, die dich zu deinen Texten beeinflussen. Gibt es neben diesen noch andere Themen oder vielleicht sogar Begebenheiten, die dich beim Songwriting inspirieren?

Janosch: Sicherlich alles, was ich persönlich erlebe. Ich war noch nie ein politischer oder kopflastiger Songwriter. Religion und Spiritualität sind einfach eng mit dem Thema Liebe verbunden. Das ist es, was mich daran reizt. Meine Songs sind banale Liebeslieder mit religiösen Bildchen und unterkühlter Elektronik. Nicht mehr, nicht weniger.

Lucy: Wie entsteht eigentlich ein typischer Janosch Moldau Song? Nimmst du im Studio alle Spuren selbst auf, oder hast du vielleicht auch Musiker, die dich dabei unterstützen?

Janosch: Ich spiele alle Instrumente selbst. Meist entsteht ein Song, indem mir gleichzeitig die Akkorde auf der Gitarre und der passende Text dazu einfallen. Es ist alles eher ein großes und dunkles Gefühl.

Lucy: Und wo hast du das Betätigen der Instrumente und Gerätschaften gelernt?

Janosch: Das meiste habe ich mir selbst beigebracht. Bei mir ging sowieso immer alles schief, wenn mir jemand gesagt hat, was ich zu tun und zu lernen habe...(haha..)

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Lucy: Deine Stimme ist sehr ausdruckstark und sehr gewandt. Hattest du jemals Unterricht?

Janosch: Nein. An meiner Stimme arbeite ich eigentlich am wenigsten. Das ist tatsächlich etwas, was mir in die Wiege gelegt wurde... Viel anstrengender finde ich Keyboard und Gitarre spielen... ich hasse es, zu singen und gleichzeitig Keyboard zu spielen...

Lucy: Du hast in den letzten Monaten eine Menge Konzerte gegeben, vor allem auch auf der Tour von De/Vision und der von Project Pitchfork. Wie realisierst du als Solo-Künstler Live-Auftritte?

Janosch: Genauso wie im Studio, ich spiele alles selbst. Allerdings habe ich nur zwei Hände und eben meinen Gesang. Den Rest erledigen meine zuverlässigen Maschinen wie "Moog Synthesizer" und "Apple Computer".

Lucy: Wie ist es für dich auf der Bühne zu stehen, hast du Lampenfieber?

Janosch: Eigentlich kann man vor einem Konzert niemals sicher sein, das alles gut laufen wird. Zum Glück bin ich jedoch nicht so sehr der Lampenfieber-Typ :-)

Lucy: Um einmal näher auf die Support-Tour sprechen zu kommen, wie kamst du denn zu der Ehre diese beiden großartigen Bands auf der Bühne zu unterstützen?

Janosch: Da ich mit meiner Musik und mit meinem Label seit jeher auf mich alleine gestellt bin, musste ich einfach früh lernen, sehr viel zu arbeiten. All die versendeten CD's waren wohl doch nicht umsonst. Meine Musik stößt eben nicht mehr auf taube Ohren. Im Gegenteil die Leute mögen es mittlerweile. Darüber bin ich sehr froh.

Lucy: Wie war denn bisher live das Feedback auf deine aktuellen Stücke vom Album „Motel Songs“?

Janosch: Ich war überrascht, da mir doch immer wieder viele Leute ein schnelles und jähes Ende meiner Live-Aktivitäten aufgrund meiner ruhigeren Pop-Songs vorausgesagt hatten. Dem ist nicht so. Meine Songs sind live sehr impulsiv.

Lucy: Auf youtube gibt es zwei Live-Videomitschnitte vom Konzert mit De/Vision in Görlitz am 11. April zu sehen, auf denen man dich mit ihnen zusammen auf der Bühne sieht und hören kann. Kannst du uns erzählen, wie diese Idee zustande kam?

Janosch: Steffen Keth fragte mich einfach, ob wir nicht zum Abschluss der De/Vision Tournee gemeinsam zwei Songs spielen wollen. So kam die Sache mit Görlitz zustande. Es war alles eine riesen Party.

Lucy: Hinter dir liegen nun etliche Konzerte, zwischenzeitlich hast du auch die „Clear . One with the Sinner . Remixed“ produziert. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Janosch: Kaum noch. Es ist schwierig geworden. Die Musikbranche verlangt derzeit viel mehr vom Musiker ab, als in den guten alten Zeiten. Die Musiker hatten damals einen enormen Luxus. Heute ist es definitv härter. Ich kann mir keine Flops leisten. Man muss künstlerisch hervorragend sein und ebenso das ganze Schiff auf Kurs halten. Ich bin bis Ende 2010 ausgebucht.

Lucy: Um deinen Fans die Wartezeit auf dein 2010 erscheinendes neues Album angenehmer zu gestalten, hast du am 19. Juni das Remix-Album „Clear . One with the Sinner . Remixed“ veröffentlicht. Warum hast du dich gerade für „Clear“ und „One with the Sinner“ von deinem letzten Longplayer „Motel Songs“ entschieden?

Janosch: Diese beiden Songs sind zusammen mit "Follow Me" und "Not with the son" einfach die Singles des Albums... Das war schon ziemlich schnell klar, das es 4 Singles geben wird.

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Lucy:
Wie ist die Idee zu dieser Remix-Scheibe entstanden?

Janosch: Da mir Peter Rainman von "People Theatre" sagte, dass er meine Songs sehr mag, ist uns einfach diese Idee vom Himmel gefallen :-) Ich stand einfach vor der Entscheidung aus "Motel Songs" zwei weitere Songs auszukoppeln und so war die Idee eines Remix Albums geboren. Sozusagen eine etwas umfangreichere Maxi-Single Auskopplung.

Lucy: Vier Remixe auf der Platte stammen ja von Peter Rainman. Wie kam denn der Kontakt zu ihm zustande?

Janosch: Ich kannte Peter Rainman schon durch seine Arbeit für Major Records in Hamburg und deren "Elektrisch Compilation". Ebenso auch hatte ich seinen hervorragenden Mix zu "IAMX", "Nightlife" gehört. Über meine Agentur kam dann der direkte Kontakt nach Frankreich zustande.

Lucy: Die Songs „Sweetest Heart“ und „On and On“ sind in Originalfassung derzeit nur auf den Single-Auskopplungen „Not with the Son“ und „Follow Me“ des Albums „Motel Songs“ zu finden. Wird es von ihnen Re-Releases geben, oder kommen sie vielleicht sogar auf das kommende Album?

Janosch: Das sind einfach zwei klassische B-Titel von mir. Die werden sicher nicht auf einem neuen Album landen...

Lucy: Du legst bekannter Weise ja auch immer selbst Hand an bei deinen Remixen. Welche Absicht steckt dahinter?

Janosch: Es war mir schon immer wichtig, ab und zu meine Songs in einem anderen Licht zu zeigen. Von einem anderen Standpunkt aus sozusagen. Ein Song von mir funktioniert eben immer auch als Version mit Gitarre und Gesang, wie Du auf "One with the sinner . Almost Bare" hören kannst.

Lucy: Kannst du dir auch vorstellen, deine Songs auch einmal von zum Beispiel DE/VISION, Project Pitchfork oder auch anderen Künstlern remixen zu lassen?

Janosch: Warum nicht. Schauen wir mal. Allerdings darf man das Remixing nicht überbewerten. Ich glaube nach wie vor an das ursprüngliche Album als Ausdrucksform eines Musikers.

Lucy: Kommen wir einmal zu deinem Alltagsleben. Wie schaut ein „normaler“ Arbeitstag bei dir aus?

Janosch: Ich stehe ziemlich früh auf und habe ständig viel Büroarbeit vor mir. Ab nachmittags gehe ich ins Studio. Es ist definitiv eine Doppelbelastung Musiker zu sein und sich selbst zu managen. Abends gehe ich in die Ulmer Plüsch Bars oder an die Donau.

Lucy: Und was kannst du uns schon über das 2010 kommende Album verraten? Gibt es schon ein Konzept? Sind die Songs schon in Arbeit?

Janosch: Ich schreibe zur Zeit neue Songs. Ich weiß nicht genau, wo es hinführt. Auf jeden Fall wird es sehr melodiös und ich glaube ziemlich popig, dieses dritte Album....