Interview mit dem Veranstalter des Regensburger Gothic Treffens

Rubrik: Interview

Treffpunkt-Schwarz im Interview mit dem Veranstalter des Regensburger Gothic Treffens.

TPS: Hallo Claudia. Erstmal vielen Dank, dass Du Dich für ein Interview zur Verfügung stellst. Bitte stell Dich kurz vor und beschreibe Deine Aufgaben beim RGT 2010.

Claudia: Hallo Roland, mein Name ist Claudia. (Muss ich hier mein Alter sagen? ;-) Bei so neuen Events machen wohl die meisten Veranstalter noch wirklich alles selbst. Ich bin also sozusagen „Mädchen für alles“. Angefangen vom Briefmarken kleben, der Homepage über Pressearbeit bis hin zur Vertragsgestaltung. Man kann sich nicht vorstellen wie viel Arbeit an so einem Event hängt, sowohl Planung und Konzeption als auch unendlich viel Kleinkram.

TPS: Wer steckt noch hinter dem Regensburger Gothic Treffen? Wer sind die treibenden Kräfte?

Claudia: Das RGT wird von zwei Personen organisiert, das sind Neoh und ich. Wir machen alles abends und an den Wochenenden, weil naütrlich jeder auch noch einen normalen Beruf hat. In den vergangenen Jahren haben auch immer ganz viele Leute freiwillig auf der Veranstaltung mitgeholfen, vom Bierbänke aufbauen über Security bis zum Leute durch die Stadt lotsen. 2010 haben wir noch mehr Helfer als je zuvor, aber die brauchen wir auch bei dem was wir vorhaben. Ohne diese ganze Unterstützung würde es überhaupt nicht gehen. Dieses Jahr hat z.B. Gwydion von Diodati den Part unseres „Kunst- und Kulturbeauftragten“ übernommen und organisiert die Ausstellung im Leeren Beutel.

TPS: Das RGT findet in diesem Jahr zum sechsten Mal statt. Wie kam es zum ersten RGT und wie ist es abgelaufen?

Claudia: Das RGT gibt es jetzt seit 5 Jahren, wobei es in einem Jahr einmal gleich zwei Treffen gab, daher ist es jetzt also das sechste RGT. Beim allerersten Treffen, das damals auch schon im Villapark stattfand, haben sich einfach nur ein paar Leute spontan mit Musik aus dem CD-Player zusammengesetzt und jeder brachte einfach noch irgendjemanden mit. Das war damals eine kleine Gruppe von nur 30 Leuten.

TPS: Blickt man heute auf das WGT in Leipzig, so hat das mit dem urspünglichen Treffen nicht mehr viel zu tun. Was haltet ihr von dieser Entwicklung in Bezug auf das RGT?

Claudia: Wir sehen jetzt selbst wie schwierig der Spagat ist zwischen unserem alten Treffen, bei dem man sich einfach nur im Park gemütlich zusammengesetzt und abends im Anschluss ein bisschen gefeiert hat und einem richtigen Festival. Auf der einen Seite ist es natürlich der Wunsch der Leute, möglichst viele und bekannte Bands zu sehen, die natürlich auch eine ganze Menge Geld kosten, von anderen Ausgaben und einem riesigen Organisationsaufwand ganz abgesehen. Auf der anderen Seite ist es unser Wunsch und natürlich auch der vieler Besucher, dass es vor allem unbedingt ein TREFFEN bleibt. Darum haben wir auch den Freitag ganz bewusst so gestaltet, dass gerade die Jüngeren, die sich vielleicht kein Ticket leisten können, nach wie vor einen kostenlosen Tag im Park haben. Vielleicht werden wir da in Zukunft sogar eine Art „Tag der Newcomerbands“ daraus machen können. Das hängt natürlich auch immer von den finanziellen Möglichkeiten ab. Was auf jeden Fall bleibt ist unser liebgewonnenes Gruppenfoto vor dem Regensburger Dom, zu dem hoffentlich dieses Jahr ganz noch mehr Leute kommen werden, damit der Platz so richtig schwarz überflutet wird.

Auch haben wir uns selbst eine Grenze bei 3000 Besuchern gesetzt. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir die schöne Location im Villapark nicht überfüllen wollten. Was natürlich den Nachteil eines viel kleineren Budgets hat, als es die großen Events mit ihren 10.000-15.000 Besuchern haben. Aber der Park hat eine so tolle Atmosphäre, dass ich sie mit keiner anderen Location tauschen möchte.

Uns ist neben dem Treffen und dem gegenseitigen Kennenlernen natürlich vor allem die Musik wichtig. Von „Schaulaufen“ halte ich persönlich weniger. Es war in den vergangenen Jahren immer sehr schön, dass alles so überschaubar war und man wirklich einfach nur hinging und jede Menge neue Leute kennengelernt hat oder auch viele alte Bekannte treffen konnte.

TPS: Ein Blick auf den Veranstaltungskalender verrät, dass es 2010 in Bayern keine weiteren Festivals geben wird. Die meisten Veranstaltungen finden in Köln, Berlin und natürlich Leipzig statt. Versucht ihr dieser Entwicklung mit dem RGT gegenzusteuern?

Claudia: Wir haben gerade als es anfing, dass immer mehr Leute zum RGT nach Regensburg kamen von den Behörden immer nur bei jeder Genehmigung gehört, dass es nur ja nicht größer werden darf und haben z.B. letztes Jahr dann auch schon fleißig bei der Antragstellung mit den geschätzten Besucherzahlen tiefgestapelt. Dabei wünschten wir uns immer nur, dass ein richtiges Schwarzes Festival doch auch in Bayern möglich sein müsste. Und nachdem wir für 2010 endlich grünes Licht bekamen was den Park und die Genehmigungen anging, hieß es „jetzt oder nie“. Wir würden uns auf jeden Fall sehr freuen, wenn so ein Treffen nicht nur im Norden und Osten Deutschlands funktioniert, sondern es fürs RGT auch ein 2011 geben wird.

TPS: Das Line-Up besticht durch eine vielfältige Auswahl. Wie kam es zu den Bandkontakten?

Claudia: Neoh hat ja schon viele Jahre Einzelkonzerte in Regensburg veranstaltet und hatte daher schon zu vielen Bookingagenturen Kontakte. Manche Bands haben wir einfach angeschrieben. Wir haben eine Bookinganfrage entworfen, in der erstmal erklärt wurde was das RGT ist und was wir 2010 vorhaben. Die meisten kannten es einfach nicht, da wir ja bisher nie irgendwo Werbung gemacht hatten, außer Mundpropaganda und ein paar Flyer in Regensburg und Umgebung.

TPS: Nach welchen Kriterien habt ihr die Bands ausgewählt?

Claudia: Zum einen war uns wichtig, dass auch mal unbekanntere Bands aus Bayern eine Chance bekommen, da waren ja meist ohnehin schon gute Kontakte da. Der Rest wurde einfach nach persönlichem Geschmack ausgewählt. Neoh und ich ergänzen uns da sehr gut, da ich eher für den Industrial-Teil zuständig bin und er eher für die softeren Sachen. Wir haben zum Beispiel aber auch viele andere Leute gefragt, was sie denn gut finden würden. So hat sich auch schnell die Teilung in den etwas ruhigeren Samstag und den eher Industrial-lastigen Sonntag ergeben. Was auch ganz gut ist so, weil wir deshalb Tagestickets anbieten können und nicht jeder gezwungen ist, das ganze Festival zu besuchen und eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, wenn sein musikalischer Schwerpunkt nur eher in eine Richtung geht.

TPS: Wie war die Bereitschaft der Bands auf dem RGT zu spielen?

Claudia: Bei Soko Friedhof wussten wir zum Beispiel, dass sie nicht wirklich viele Liveauftritte haben, aber ich dachte mir, ich probier es einfach mal und sie haben tatsächlich sofort ja gesagt. KiEw wollten wir schon lange unbedingt nach Regensburg holen und nie hat es geklappt. Ich glaube die habe ich einfach so lange genervt bis sie ja gesagt haben. Andere Bands, die hoffentlich dann ab 2011 kommen werden, wussten das Ganze noch nicht so richtig einzuschätzen, bei einigen scheiterte es aber einfach daran, dass wir sie uns nicht leisten konnten.

TPS: Das RGT findet in einem traumhaft schönen Teil der Stadt Regensburg statt. Wie lief eure Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Musstet ihr gegen die üblichen Vorurteile kämpfen?

Claudia: Wie schon gesagt, es gab in den vergangenen Jahren natürlich immer Vorbehalte. Vor allem war der Villapark nicht zu bekommen. Und man braucht die Zustimmung einer Menge von Stellen in der Verwaltung für so ein Projekt. Da hieß es für mich erstmal überall hinlaufen, und das RGT vorstellen. Wir haben sogar extra eine kleine Powerpoint-Präsentation für die Behördenvertreter gemacht. Da wir wussten, dass unser Vorhaben nicht einfach wird, haben wir auch beim RGT 2009 erstmals massiv PR-Arbeit betrieben, um nicht nur die Bevölkerung etwas aufzuklären und positiv zu stimmen, sondern vor allem auch, damit sich das Bild bei den Behörden ändert und wir endlich die Genehmigung für etwas Größeres kriegen. Dabei hatten wir keinerlei Interesse an der Publicity, wir konnten nur nicht anders, weil wir ja die öffentliche Meinung kippen mussten, um endlich unseren Traum zu verwirklichen. Und die lokale Presse hat wirklich sehr positiv berichtet. Insgesamt ist jetzt die Stimmung ganz günstig für uns – die Behörden lassen uns erstmal einfach machen. Und wenn 2010 wieder so schön ruhig und friedlich verläuft wie die Jahre zuvor, dann wird das hoffentlich auch so bleiben.

TPS: Was liegt euch beim RGT 2010 am meisten am Herzen?

Claudia: Schönes Wetter, aber das ist ja schon bestellt. Vor allem aber wünsche ich mir, dass auch wenn man es nie allen recht machen kann, die allermeisten Leute die Zeit auf dem RGT und die Musik genießen. Vielleicht geht es auch vielen so wie mir auf meinem ersten RGT, dass auf einmal viele neue Freundschaften entstehen. Es soll ein Treffen sein, bei dem es um Musik geht und um Zusammengehörigkeit der Szene über verschiedene musikalische Geschmäcker hinweg.

TPS: Was wünscht ihr euch für 2011?

Claudia: Dass es wieder ein RGT gibt, wieder als Festival hoffentlich. Das hängt natürlich vor allem davon ab, ob die Leute ein weiteres Festival in den Sommermonaten annehmen, aber bis jetzt ist die Resonanz wirklich sehr gut. Außerdem natürlich wieder viele tolle Bands und vielleicht etwas mehr Raum für Newcomer und unbekanntere Bands. Auf der anderen Seite soll das RGT auch nicht was die Locations angeht so stark zerstückelt werden. Ich persönlich finde es schrecklich, wenn zwei gute Bands zur gleichen Zeit irgendwo spielen und man sich schnell einen Klon zulegen müsste, um beide zu sehen. Aber wir haben schon ganz tolle Ideen wie man eben z.B. den Freitag noch besser nutzen könnte oder für noch mehr Rahmenprogramm und neue Aftershowparties. Wenn man nicht so ins Ungewisse hinein kalkulieren muss, ist es dann sicherlich auch einfacher.

TPS: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit dem RGT 2010.