Interview mit DAF

Rubrik: Interview

Lucy: Zunächst einmal vielen Dank dafür, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, uns heute dieses Interview zu ermöglichen. Auch wenn Ihr bekannte Hasen seid, wäre es am besten, wenn Ihr Euch erst einmal kurz vorstellt.

Robert lacht: Bekannte Hasen!

Gabi: Ja Hallo, ich bin Gabi Delgado von DAF – Deutsch Amerikanische Freundschaft.

Robert: Und ich bin Robert Görl, auch von DAF - Deutsch Amerikanische Freundschaft.

Lucy: Angefangen hat alles Ende der 70er Jahre mit der Vorläuferband „You“. Während dieser Zeit ward Ihr noch zu fünft.

Gabi: Ich wusste, dass diese Frage gestellt wird. Und das ist völlig falsch.

Robert: Aber das kann man ja erklären.

Gabi: Ja, das kann man ja endlich einmal richtig stellen. Diese Aussage ist durch das Internet entstanden. Vieles von dem, was über uns geschrieben wird, stimmt nicht. DAF wurde tatsächlich von Robert und mir in Düsseldorf im Keller des Rattinger Hofs gegründet. Und danach haben wir uns Musiker gesucht. Und das waren Leute aus dieser besagten „YOU“-Band.

Robert: Die kannte ich damals. Das war mehr privat. Es war eine Zeit, wo wir untereinander sehr viel ausprobierten. Da gab es noch gegenseitiges Austauschen. Es gab Sessions und die Band an sich hatte sich formatiert, aber mit der Gründung hatte die Band „You“ nichts zu tun.

DAFGabi: Wir hatten uns wie schon gesagt im Rattinger Hof getroffen, dort gab es so eine Art Probekeller und ohne uns richtig zu kennen, haben wir einfach drauf losgelegt, Schlagzeug gespielt und ich habe am Stylophon geschraubt. Und das war eigentlich damals die Gründung von DAF. Die Maschinen waren damals noch nicht so verbreitet. Dann kam das konventionelle Denken, denn für eine Band braucht man ja auch andere Leute. Robert wollte Schlagzeug spielen, obwohl er die Elektrik von vornherein gemacht hat. Wir haben uns dann noch einen Keyboarder gesucht, einen Bassisten und einen Gitarristen, so richtig klassisch. Doch dann haben wir wiederum gemerkt, dass es mit einigen dieser Musiker nicht gut klappte oder vielmehr, dass sie unseren Anforderungen nicht entsprochen haben.

Robert: Und dann haben wir diese wieder „entlassen“. Sie sind also nicht gegangen, sondern wir haben sie entlassen ...

Gabi: Also einer ist uns damals abgehauen. Aus London der Kemner. Er war plötzlich verschwunden. Kurt Dahlke, der „Pyrolator“ wurde so ziemlich als erster ersetzt. Genauso wie der Haaß, der auch nicht ins Konzept passte. Und dann als die ersten funktionierenden Sequenzer rauskamen, waren wir sehr erfreut, eben weil wir von da an alles allein konnten. Denn das vorher war im Prinzip eine Notlösung.

Lucy: Und wie genau war das damals mit Euch beiden in diesem Rattinger Hof?

Robert Das war an der Bar.

Gabi: Also so, wie man sich in einem Club kennen lernt. Man schleicht herum, ein Typ fällt Dir auf und dann schleicht der auch um Dich herum und Du fällst ihm auf. Eben ganz normal, so wie das im Club oder der Disko halt so ist. Wir hatten Blickkontakt.

Robert: So kamen wir dann ins Gespräch, haben uns ausgetauscht und so habe ich erfahren, was er wollte und er hat erfahren, was ich wollte. Und dann war der Entschluss gefallen, dass wir gemeinsam eine Band gründen wollen.

Gabi: Und am nächsten Tag waren wir dann auch schon im Probekeller und haben geschaut, ob das mit uns überhaupt etwas ist.

Lucy: Wie seid Ihr auf den Bandnamen Deutsch Amerikanische Freundschaft gekommen?

Robert: Wir haben eine Art Wahl gemacht. Denn wir hatten sehr viele verschiedene Bandnamen im Kopf. Diese haben wir auf Zettel notiert und dann einfach ausgewertet, bis dann der „Sieger“ feststand, also Deutsch Amerikanische Freundschaft. Diesen Namen haben wir am Besten gefunden.

Gabi: Wir sind zu dieser Zeit gerade nach Berlin gefahren. Und damals gab es ja noch die DDR. Wir hatten Plakate gelesen mit der Aufschrift: Lang lebe die Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Da haben wir gedacht, dass wir doch eigentlich im Westen genauso unfrei sind, wie die im Osten. Bei uns konnten doch genau so gut Plakate hängen mit der Aufschrift: Lang lebe die Deutsch-Amerikanische Freundschaft. Denn wir litten genau wie der Osten unter dem sowjetischen Imperialismus, im Westen unter dem amerikanischem Imperialismus. Der Name ist also ironisch und zynisch, denn wir waren keine Freunde des amerikanischen Imperialismus. Wir wollten halt zeigen, dass es dem Westblock genauso geht wie dem Ostblock.

Lucy: DAF wird in der heutigen Zeit als die Vorstreiterband der Genres NDW, Electropunk, Techno und Neue Deutsche Härte bezeichnet. Auch die Richtung EBM wurde von Euch sehr stark geprägt. Wie seht Ihr heute diesen Erfolg?

Gabi: Ich sehe es nicht als Erfolg. Für die Musikentwicklung an sich war es wichtig und das wussten wir.

Robert: Wir waren uns dessen auch nicht ganz bewusst. Wir hatten ein hohes Selbstbewusstsein und waren uns dessen, was wir machen ganz sicher. Wir haben es sozusagen vorausgesehen, dass wir unser Konzept einfach durchziehen müssen, den Minimalismus betreffend. Wie schon gesagt, hatten wir damals auf einem Stylophon gespielt. Und ich habe im Grunde genommen damals schon den Beat gespielt, den heute noch Elektro-Musik ausmacht. Das war 1978 in diesem Kellerloch. Wir waren uns wirklich damals schon sicher, dass dieses feste Konzept, welches wir für uns erstellten, unschlagbar ist.

Gabi: Wir hatten damals nicht gedacht, dass es erfolgreich wurde. Wir wussten nur, dass es wichtig ist, etwas Neues und v. a. etwas Zukunftweisendes. Dass sich im Prinzip so viele verschiedene Szenen darauf berufen, das gefällt mir sehr. Weniger gefallen würde mir jedoch, wenn daraus wirklich nur eine Szene entstanden wäre. Also es sind heute wirklich die Techno-DJs, die EBM-Leute, die Neue Deutsche Welle. Und dass wir diese verschiedenen Szenen in irgendeiner Form beeinflusst haben, das ist hervorragend. Es ist schon interessant, dass sich nicht nur eine spezifische Szene kreiert hat, sondern dass sich viele, im Prinzip fast alle, die sich mit elektronischer Musik beschäftigen, irgendwann auch einmal auf DAF kommen.

Robert: Dieser energetische Minimalismus floss also in viele Musikbereiche ein.

Gabi: Wir waren auch mit die erste Gruppe, die nicht-songorientierte Musik gemacht hat, eben keine Strophe, kein Refrain, ..., so wie das heute beim House und Techno ist, wir wussten, dass das alles ein Track sein muss. Wir wollten trackorientierte Musik machen. Das waren alles Sachen, die wir vorausgesehen haben.

Robert: Zwar mag es vor uns vielleicht schon Künstler gegeben haben, irgendwelche Elektronikpioniere, die auch elektronisch arbeiteten und auch Experimente mit elektronischen Klängen gemacht haben. Man kann diejenigen, die diese Elektronik genommen haben wie wir, wahrscheinlich weltweit an einer Hand abzählen. Wir haben diese Klänge minimalistisch verwendet, hinzu kam ein Schuss Energie und es war dazu noch tanzbar, also body-mässig. Nicht dass nur einfach dieses elektronische Gefricke Musik wäre, sondern wirklich dieses Konzept. Das war absolut neu.

Gabi: Man muss ja auch bedenken, dass unsere Musik aus dem Punk heraus kam. Eigentlich wollten wir die Energie des Punks anders transportieren. Das Konzept des Punks habe ich nie verstanden. Es war eine neue Musikrichtung mit dem alten Instrumentarium der Väter. Es wurden quasi die Gitarren noch einmal herausgekramt. Wir dachten uns halt: Eine neue Energie braucht auch neue Mittel.

Lucy: Mit dem Album „Alles ist gut“ habt Ihr sogar den Deutschen Schallplattenpreis gewonnen. Wie war damals dieser Erfolg für Euch?

Gabi: An dieser Stelle muss ich ehrlich sagen, dass mir das total egal war. Das war eine spießige Veranstaltung. Und als uns dieser damals sehr umstrittene SPD-Mensch namens Holger Börner uns seinen Preis überreicht hat, dachte er, dass einer von uns Amerikaner sei. Er sagte zu Robert „Herzlichen Glückwunsch“ und zu mir sagte er dann: „Wish You a nice stay in Wiesdbaden“. Das klang so „eingeamerikanischt“. Okay, ich hab den Preis dann halt abgeholt, ich hätte ihn allerdings auch einfach weg werfen können, denn der Preis bedeutete mir nichts. Er entspricht ja dem heutigen ECHO. Alles in allem hielt ich diesen Deutschen Schallplattenpreis für eine wirklich peinliche Veranstaltung. Die wirklichen Preise sind in meinen Augen die Fans, die Dir zujubeln, die Dich für gut empfinden, für welche Du etwas bedeutest. Das, was einen dann wirklich stolz macht, ist der Respekt der Leute. Nicht dass irgendwelche Leute diese Musik sowieso nicht verstehen oder auch privat nicht hören, einen aber gut finden, nur weil das irgendwie gut läuft und die Dir dann einen Preis übergeben, nur weil sie denken, sie könnten sich dadurch auch noch in ein gutes modernes Licht stellen. Also ich müsste mir schwer überlegen, ob ich einen solchen Preis jemals noch einmal annehmen würde, geschweige denn überhaupt hin gehen würde!

Robert Ja, also ich fand das ganz witzig.

Gabi: Ja lustig, war’s schon! Es hat mich ja auch nicht sonderlich aufgeregt, mir war es eben einfach nur total egal.

Lucy: Die Aufnahmen zur ersten Platte „Ein Produkt der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft“ verliefen ohne Dich, Gabi. Du hattest die Band kurzfristig verlassen, anschließend bist Du aber wieder zurückkehrt.
Was bewegte Dich zum Gehen und vielmehr dazu, wieder zurück zu kommen?

Gabi: Das war so, wie ich es vorhin schon erklärte. Diese Leute, die dazu gekommen waren, diese haben nicht meinem Bild von der Deutsch Amerikanischen Freundschaft entsprochen. Deswegen wollte ich auch bei einem solchen Produkt nicht mitmachen.

Robert: Die Keyboard-Spielerei von Kurt Dahlke, passte überhaupt nicht in unser Konzept.

Gabi: Das war nicht das straighte Konzept, was wir ausgeheckt hatten und dann bin ich eben so lange ausgestiegen, bis das wieder repariert war.

Robert: Ich habe Gabi in der damaligen Zeit versprochen, dass Dahlke wieder raus gehen wird. Dafür habe ich einen Freund von mir, einen alten Bekannten, Chris Haas, mit welchem ich auch Musik studiert hatte, in die Band integriert, als Ersatz für Dahlke. Denn Dahlke hatte ja irgendwie nur herum geträllert und das war es gar nicht.

Gabi: Haas war viel extremer und interessanter.

Lucy: Und Gabi kam dann erst wieder, als dies geschehen war?

Robert: Ja genau, in dem Moment, wo das wieder reguliert war. Sonst wäre das in die falsche Richtung gegangen.

Gabi: Da mussten wir eben die Notbremse ziehen.

Robert: Dann wurde es auch schon straighter. Die Ansagen waren heftiger, direkter. Und Chris Haas selbst kam auch schon mit der Aussage rein, dass es viel straighter und minimalistischer sein musste. Die Idee ist dann auch immer mehr gewachsen.
Es gibt Umwege und dann denkst Du Dir „Okay, die fünf Kilometer hättest Du Dir jetzt eigentlich sparen können.“ Aber man hat sie trotzdem gemacht.

Lucy: Eure Songs wie z. B. „Der Mussolini“, „Der Räuber und der Prinz“ oder auch „ Ein bisschen Krieg“ waren textlich sehr provokant. Und auch Euer Auftritt im Lederoutfit und mit kahlgeschorenen Köpfen sorgte immer wieder zu Vorurteilen und Euch wurde Faschismus vorgeworfen. Was genau wolltet Ihr mit diesem Verhalten bezwecken und wie seid Ihr mit diesen Vorwürfen umgegangen?

Gabi: Also kommen wir erst einmal zum „Mussolini“: Das ist ein Stück, bei dem es um die Austauschbarkeit von Ideologien handelt. Schon in der Schule habe ich gedacht, dass das ganze Thema falsch angepackt wird. Ich glaube, dass man durch die Tabuisierung von Themen gerade das Interesse an solchen erst schafft. Deswegen ist auch der Anteil von Neonazis in der ehemaligern DDR bedeutend höher als er es im Westen ist, weil es da völlig verboten war. Und etwas Verbotenes hat immer einen speziellen Reiz. Man kann auch negative Denkmäler bauen. Dabei ging es um das Umstoßen von Denkmälern. Da haben wir einfach mal offen gesagt „Adolf Hitler“. Warum nicht, es war ein Wort, welches man damals kaum sagen durfte. Wir wollten es einfach sagen, eben auch im Zusammenhang mit Jesus Christus. Wir wollten einfach die Austauschbarkeit von Ideologien aufzeigen und auch einfach die Denkmäler umstoßen.
Das Outfit hat im Prinzip auch unserem Live-Stil entsprochen. Das war eigentlich nicht der Skinhead-Szene entlehnt, sondern eher der Schwulen-Szene. Und das behaupte ich ja noch heute, dass es damals noch viel verbotener war, da gab es ja noch den Paragraphen 175, dass das die Leute damals viel mehr aufgeregt hat, als so manches politische Thema. Diese homoerotische Komponente, die auch in „Räuber und Prinz“ bewusst wird, das war für viele sehr, sehr schockierend. Da sahen wir aus, ich habe ja auch in Schwulen-Sexshops meine Klamotten gekauft. Das fanden die Leute komisch. „Zwei Lederschwule oder was ist das, sind das Nazis oder was?“ Und wenn die Leute nicht wissen, wer man ist, dann machen sie es sich immer sehr einfach. „Schau her, das sind schwule Nazis!“ Gabi lacht.

Robert: Man wird eben auch schnell abgestempelt. Das war ganz einfach ein Lust-Prinzip, gerade was die Klamotten betrifft. Wir standen auf schwarze Sachen. Und zum Beispiel kurze Haarschnitte fanden wir auch extrem geil!

Gabi: Ja, finde ich heute noch geil.

Robert lacht: Wie man sehen kann. Das ist Geschmackssache und sollte keineswegs eine politische Aussage darstellen.

Gabi: Wir haben auch nicht an einem grünem Tisch gesessen und dann reisbrettmäßig entworfen. „Ja, solche Klamotten ziehen wir an!“. So sind wir eben herumgelaufen und das hatten wir auch privat an!

Robert: Wenn man sich heute und gerade hier umschaut, dann sieht man ein Meer von Schwarzen. Und damals als wir so herum liefen, also in schwarz gekleidet und mit kurzem Haar, da waren wir die absoluten Freaks. Die Leute dachten sich: „Was sind denn das für Menschen!“ Wir kamen für die wohl von einem anderen Stern. Es war gerade der Ausklang der Hippi-Zeit. Wir wurden ja auch damals teilweise sehr angegriffen. So nach dem Motto „Das können ja nur Nazis sein. Schwarze Klamotten, kurze Haare“.

Lucy: Und wie seid Ihr mit diesen Vorwürfen umgegangen?

Robert: Wir haben dann immer gut gekontert. Wie sagt man so schön? - Parole geboten.

Gabi: Es wäre für uns ganz einfach gewesen zu sagen: „Wir sind gar keine Nazis!“ Aber das haben wir eben nicht gesagt. Das wollten wir auch nicht.

Robert: Wir wollten es spannend machen, die Menge auch ein bisschen ärgern.

Gabi: Die Fans, also die Leute, die sich unsere Platten gekauft haben, die auf unseren Konzerten waren, die wussten genau, wer wir sind. Warum soll ich mich bei irgendjemanden, der mich nicht gut findet, der meine Musik nicht gut findet, entschuldigen und sagen: „Nein, das ist ja alles ganz anders!“ Nein, dann lieber „Sieg Heil“ und fertig. Wenn Dich jemand sowieso falsch einschätzt, kannst Du sagen was Du willst, er wird immer der Meinung sein, dass Du ein perverser Mensch bist. Also sind jegliche Erklärungen egal und man kann diese Menschen in ihrem Glauben lassen. Jeder soll sich seine eigenen Phantasien erfüllen.

Robert: Wir haben uns niemals dazu drängen lassen, uns zu erklären. Das ging teilweise so weit, dass wir den Medien Brocken von Provokation hingeschmissen haben, so dass diese Leute das Weite gesucht haben.

Lucy: Dann habe ich ja richtig Glück, dass Ihr heute so gesprächig seid!

Robert und Gabi lachen

Robert Ja das funktioniert ganz gut miteinander.

Gabi: Es kommt auch immer darauf an, mit wem man spricht. Manchmal spricht man eben mit Leuten, die verstehen, was man macht, die grundsätzlich einen ähnlichen Spirit haben. Wir hatten auch Interviews mit Leuten, die von irgendwelchen Zeitungen kamen. Die Welt, die Bildzeitung. Die wussten überhaupt nicht, was Sache ist. Die mussten halt ein Interview machen mit „zwei so komischen Leuten“.

Lucy: 1982 erschien Euer Album „Für immer“ und Ihr ward bereits erneut getrennt. Was war dieses Mal der Grund dazu?

Robert: Wir wollten dem Ganzen ein Ende setzen.

Gabi: Wir dachten, dieses Bild, das ist zu Ende gemalt. Wir hatten uns nie an diese ganzen Business-Spielregeln gehalten, was uns auch die Plattenfirmen immer vorgehalten haben. Wir hatten innerhalb von eineinhalb Jahren 3 LPs aufgenommen. Eine nach der anderen. Zack, zack, zack. Tausende Konzerte gegeben und einen riesen Boum ausgelöst. Wie gesagt, dieses Bild, war für uns zu Ende gemalt, jetzt machen wir Schluss. Lieber jetzt, wo wir auf dem Höhepunkt stehen.

Robert: Das war auch damals unsere Aussage: „Komm wir hören hier auf dem Höhepunkt jetzt erst einmal auf!“. Das hatten viele natürlich nicht verstanden. Sie haben die Hände über den Kopf zusammen geschlagen, weil sie uns gerade in den USA auf Tournee schicken wollten. Wir wollten aber erst mal eine Pause und uns um unsere Solo-Projekte kümmern.

Gabi: Es gibt sehr viele Fallen in Hinsicht auf Kunst und Leben. Wir sind beide sehr freie Menschen. Eigentlich willst Du Dein eigener Herr und ein freier Mensch sein und plötzlich bist Du doch der Sklave einer Plattenfirma und ein unfreier Mensch, weil irgendwelche Sachzwänge und Pläne anderer Menschen aufkommen. Darauf sind wir nie eingestiegen. Und dadurch hatten wir auch viel Ärger gehabt.

Lucy: Bis 1986 ward Ihr dann letztendlich als Solokünstler unterwegs. Robert, so hatte Annie Lennox Dich auf einem Deiner Soloalben unterstützt und spieltest im Gegenzug live Schlagzeug für Annie.

Robert: Ja das stimmt, Annie war Gastsängerin auf meiner Soloplatte und ich habe für sie einmal live Schlagzeug gespielt.

Lucy: Robert, wie hast Du Annie Lennox kennen gelernt?

Robert Als wir gerade die Aufnahmen für das Album „Für immer“ gemacht haben, kam sie das erste Mal ins Studio, denn sie war sehr interessiert an dem Projekt, was wir machten. Ihre Musik war damals eigentlich schon so kommerziell, dass man fast sagen könnte, sie war platt. So Richtig Musik für „Radio Morgen mit Jürgen“ oder so .... Sie wollte sich damals ändern, sich umorientieren. Sie kam also zum Conny, er war damals ein sehr heftiger Produzent, zu welchem auch sehr viele Leute gingen. Unter anderem auch englische Acts. Und als die dann kam, hat sie um Erlaubnis gebeten, ob sie doch einmal „reinschnuppern“ kann. Da waren wir gerade am arbeiten. Davon war sie sehr angetan, im Grunde genommen auch eine der frühen DAF-Fans. Ja und so haben wir uns kennen gelernt. Das ging dann sogar soweit, dass wir eine zeitlang sogar ein Pärchen waren. Das hatte sich so ergeben.

Lucy: Und Gabi, was hast Du in der Zwischenzeit gemacht?

Gabi: Ich habe auch ein Soloalbum gemacht. Es war mit Bläser-Sets, eine Art Funkmusik. Ich habe neben der Elektronik schon immer auf Diskomusik gestanden.

Lucy: Und dann kam die Reaktivierung der Deutsch Amerikanischen Freundschaft.

Robert Ja, 1986.

Lucy: Genau, bis dahin ward Ihr als Solokünstler unterwegs und dann habt Ihr Euch doch wieder zusammen getan. Was hat Euch dazu bewegt?

Robert Ja, wie war das damals?

Gabi: Wir hatten wieder Lust etwas zu machen. Es wird immer überschätzt von den Medien und den Leuten. Die denken immer, wir hätten uns gestritten. Wir sind aber beide Menschen, die keine Lust darauf haben in irgendeiner Routine unterzugehen oder auch aufzugehen. Wir hatten in diesen vier Jahren sehr viel geleistet, auch einfach mal „Ferien“ gemacht und ein luxuriöses Leben gehabt. Und dann hatten wir wieder Lust etwas zu machen, wollten allerdings etwas anderes machen.

Robert Etwas anderes ausprobieren.

Gabi: So eine Art House-Platte mit englischen Texten.

Lucy: Die Platte: „ First Step to Heaven“?

Gabi: Ja genau „ First Step to Heaven“, die quasi mehr in Richtung House ging. Wir wollten damals auch die DAF-Fans schockieren, indem wir keine schwarzen Lederklamotten mehr trugen, sonders ganz bunte, arabische Teile angezogen hatten.

Robert Wir haben im Prinzip eigentlich immer das gemacht, was wir wollten, eben das, was uns richtig Spaß machte. Wir hatten eben unseren Spaß daran, diese orientalischen Sachen zu tragen und auch ganz andere Nummern auszuwählen, eben für Überraschungsmomente zu sorgen. Und vor Allem wollten wir auch einmal wieder etwas Neues ausprobieren.

Lucy: Und wie haben die Fans damals darauf reagiert? Im Internet konnte ich lesen, dass sie eher etwas verhalten reagierten...

Robert Das war strange für die Leute.

Gabi: Für manche war es strange, manche haben das auch gut nachvollziehen können und es sind auch viele andere Fans dazugekommen. Das war Wahnsinn, wie sich unsere Maxis im New Yorker verkauft hatten.

Robert Die Techno-Szene ist dadurch komplett auf uns gestoßen.

Gabi: Das hat also ganz andere Türen geöffnet. Weg von Punk-Bands in den Diskotheken. Und ich denke auch, dass das ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist, dass wir eben immer wieder auch neue Sachen gemacht und auch die eigenen Denkmäler zerstört haben.

Lucy: Also auch sehr experimentell.

Robert Ja, immer wieder.

Gabi: Wenn Du einen Garten hast, dann lernst Du ja auch, dass Du die Blumen beschneiden musst. Auch wenn die Hecke schön aussieht oder der Baum. Da müssen doch hin und wieder ein paar Äste weg, damit er sich wieder anders formt, damit er wieder blühen kann. So ist es auch im Leben. Man soll Sachen, die man lieb gewonnen hat, nicht festhalten. Man muss auch bereit sein, Sachen zu zerstören, die man vielleicht mag. Das ist wichtig für die persönliche Entwicklung, dafür, dass man nicht hängen bleibt. Nur weil ich gern Tomatensuppe esse, esse ich doch nicht mein ganzes Leben lang jeden Mittag eine Tomatensuppe. Da wird man doch total krank! Man muss sich halt sagen: „Hey, ich esse Tomatensuppe total gern, aber ich höre jetzt auf damit! Und die nächsten fünf Jahre esse ich keine Tomatensuppe.“

Robert Ja, jetzt ist er Birnensuppe. Und dann heißt es: „Der Gabi, das ist ein komischer Typ, irgendwie!“ Robert lacht.

Lucy: 2003 erschien dann Euer vorerst letztes Album „15 neue DAF-Lieder“ und Ihr habt Euch erneut getrennt. Was haben die ganzen Trennungen und Wiedervereinigungen auf sich?

Robert Ja das haben wir uns auch gefragt. Wir trennen uns halt immer wieder.

Lucy: Habt Ihr dann wieder so eine Art kreative Pause gebraucht?

Robert Das ist so eine Mischung. Wir brennen förmlich danach, wenn wir wieder zusammenkommen und etwas Gemeinsames machen. Das ist dann immer so richtig aufregend. Das ist ja auch gut so. Es ist wie eine Art Abenteuer. Vielleicht hat es auch etwas mit Gewohnheit zu tun, denn wir hören meist vor der Gewohnheit schon wieder auf.

Lucy: Bekanntlich soll man ja aufhören, wenn es am Schönsten ist.

Gabi: Genau, denn es soll gar nicht erst anfangen, gewöhnlich oder Routine zu werden. Es ist rein instinktiv. Das ist nicht großartig geplant. Es ergibt sich dann so. Dann heißt es einmal: „Wir hören wieder auf!“ und dann eine bestimmte Zeit später haben wir doch wieder die Lust etwas miteinander zu machen.

Lucy: Robert, 2007 kam ein außergewöhnliches DAF-Revival zustande. Du hattest zusammen mit Thoralf Dietrich, dem Sänger von JÄGER 90, das Projekt „DAF-Partei“ ins Leben gerufen. Wie kam es zu dieser Kombination?

Robert Kennst Du diese Elektic-Tremor-Leute?

Lucy: Ja, die kenne ich. Das sind Veranstalter.

Robert Genau. Ich hatte damals rein zufällig den Goldie von Electric Tremor kennen gelernt. Er wollte DAF im Beat-Club in Dessau. Das Problem war nur, in diesen Club gehen gerade mal 300 Leute rein und dann ist der proppevoll. Ich habe ihm damals erklärt, dass dies nicht gehen würde. Ich konnte Gabi’s Comeback nicht auf die Schnelle arrangieren und ihn nach Dessau schleppen. Ich habe es ihm sozusagen abgeschminkt. Goldie und ich hatten uns dann noch ein paar Mal getroffen. Er hatte mich damals auch auf eine Party nach Dessau eingeladen. Goldie liess einfach nicht locker. Er meinte dann, dass ich wenigstens einfach zu dieser Party kommen sollte. Ich habe ihm folglich ganz spontan angeboten, dass ich ja so eine Art Revival-Konzept aufstellen könnte, welches einfach nur DAF-Hits spielt. Das war natürlich nicht das Original-DAF. Das hat man ja auch gesehen. Deshalb hat dieses Projekt auch einen anderen Namen bekommen: „DAF-Partei“. Die Nachfrage in den Clubs nach DAF war extrem. Wenn DAF ein paar Jahre weg ist, dann wollen die Leute wissen: „Ja, was ist denn mit DAF? Machen die noch was?“ Also habe ich dem Goldie diese Art Party-Konzept angeboten. Ich hätte auch einfach hingehen können und als DJ einfach nur DAF-Platten auflegen können. Aber die Idee mit der „DAF-Partei“ fand ich damals ganz witzig. Ohne zu übertreiben, ist DAF für die Leute in Dessau „Gott“, wir sind also die Nummer 1 dort. Das ist die ganze Story.

Lucy: Und besteht dieses Projekt noch?

Robert Also realistisch gesehen, war es nur ein einmaliges Ding.

Lucy: Welches man aber auch weiterführen könnte?

Robert Im Prinzip ist es ein offenes Ding. Und ich weiß nicht genau, was da noch einmal sein wird.

Lucy: Gabi, was geschah mit Dir in der Zwischenzeit?

Gabi: Ich mache sehr viel. Da gibt es zu Beispiel ein Projekt, was nicht so direkt in die DAF-Welt passt. Ich arbeite bei diesem auch mit einem anderen Namen. Nicht dass die Plattenfirmen dann auf die Idee kommen, es klinge ja gar nicht wie „Mussolini“. Ich habe schon sehr viel unter anderen Namen gemacht. Ich habe auch DAF.DOS gemacht. Das ist eine Parallele, bei welcher ich auch aus dem Bedürfnis nach DAF etwas gebastelt habe. Und somit hatte sich das ausgeglichen. Ich mache auch noch viele andere Sachen. Beschäftige mich mit Kunst und Malerei. Ich lebe auch gerne. Ich reise gerne, habe gern Spaß. Also ich langweile mich nie.

Lucy: Seit dem 06. März diesen Jahres ist es nun schon offiziell, dass Ihr hier auf dem M’era Luna in Original-Besetzung spielt. Wie kam es, dass Ihr nun doch wieder etwas zusammen macht?

Robert Das war plötzlich und ging Zack, Zack. Wir haben telefoniert. Und schon nach einem Anruf, haben wir das klar gemacht.

Gabi: Eigentlich wollten wir nur ein oder zwei Konzerte geben. Doch dann dachten wir, dass wir auch mehr machen könnten.

Lucy: Die DAF-Tour im Jahr 2009?

Robert Wir haben uns dann überlegt auch eine Tour zu machen. Warum auch eigentlich nicht? Uns war ja natürlich auch bewusst, dass nun das 30-jährige DAF-Jubiläum kommen wird und das haben wir miteinander kombiniert. Und gleichzeitig ist dies ja auch eine gute Chance, ein Comeback anzukündigen. Das sind wir auch unseren Fans schuldig. Und wenn wir das vergehen lassen würden, dann hätten wir für uns auch eine Chance vertan. Du sagst Deinen Fans: „Wir zeigen uns zu unserem 30-Jährigen und spielen gleich eine ganze Tour für Euch.“ Das macht auch etwas her.

Gabi: Die Leute wissen inzwischen, dass wir eine Gruppe sind, die es manchmal gibt und manchmal nicht. Und das finde ich auch ganz ok. Wir sind auch keine politische Partei, die sich hinter den Kulissen versteckt und ab und an mal nach außen wendet und behauptet: „Wir verstehen uns alle blendend“. Das ist eine ganz blöde Unsitte in jedem Fußballverein oder auch bei der CDU. Die tun alle nach außen hin auf totale Harmonie, wobei es in Wirklichkeit um Mord und Totschlag geht.

Lucy: Als Fan von Euch muss ich sagen, dass man sich immer richtig freut, wenn es von Euch einmal wieder etwas zu hören oder zu sehen gibt. Da sitzt man wie auf heißen Kohlen. So nach dem Motto: „Ja wann kommen sie denn, wo müssen wir hin?“ Wenn so lange Pause war, dann freut man sich einfach noch viel mehr, Euch einmal wieder zu sehen. Manche Bands bringen alle zwei Monate eine Single raus und dann noch eine Platte hinterher. Das wird meines Erachtens irgendwann langweilig.

Gabi: Dazu muss ich auch noch sagen, dass sich viele Bands einfach tot gespielt haben. Von ihrer ursprünglichen Anfangsenergie ist einfach nichts mehr da. Sie machen seit zehn Jahren Platten, sind ständig auf Tournee. Man hat ja nur ein Leben und dieses dreht sich dann um irgendetwas, was sie gar nicht wieder richtig auskurieren können. Sie haben einfach keine Zeit, mal einfach eben nach Südamerika zu reisen. Der Mensch hat so viele Möglichkeiten, sich zu entfalten und ich finde es traurig, wenn man an einer Sache hängen bleibt. Bei vielen entwickelt sich so eine Eigendynamik, dass sie gar nicht mehr da raus kommen. Da kommt es nur noch auf das Image an, die Plattenfirmen, die Agenten. Viele fühlen sich zum Schluss fast wie Sklaven. Sie werden nur noch herumgeschickt. Und dann sieht man, wie die Kerze immer weiter herunter brennt, bis nichts mehr da ist. Dabei wäre es doch so einfach zu sagen: „Tschüß alle, das war’s erst einmal. Ich fahre jetzt zum Nordpol für fünf Jahre und dann sehen wir uns wieder.“

Robert Und danach kann man wieder frisch starten. Es trauen sich aber nicht viele, einfach diesen Schritt zu machen. Das ist ein Abenteuer.

Gabi: Man stößt halt mit dieser Ansicht auch viele Leute vor den Kopf. Irgendwelche Manager zum Beispiel.

Lucy: Wie ist die Arbeitsweise unter Euch aufgeteilt? Wie entsteht eigentlich ein DAF-Song?

Gabi: Also bei DAF ist es ganz klare Rollenteilung. Robert macht die Musik und spielt sie ein und ich schreibe die Texte und singe. Die Produktion machen wir zusammen. Und wir beraten uns auch gegenseitig. Wir haben ein gewisses Maß an Austausch, aber jeder hat seinen eigenen Bereich, für welchen er im Alleingang zuständig ist, man wird vom anderen dabei aber unterstützt.

Robert Wir gehen auch immer sehr selbstkritisch vor. Wir kritisieren dann zum Beispiel auch die Distanz, dass es durchgeht, eben uns beiden gefällt.

Gabi: Genau, es gibt kein einziges Stück, bei welchen nicht beide einverstanden sind. Beide müssen unterschreiben. Und gerade deswegen braucht man auch andere Projekte, um sich dort auch anders ausdrücken zu können.

Robert Bei DAF sind schon so manche Songs auf der Strecke geblieben.

Gabi: Oder man macht auch einfach mal gerne Musik mit Sequenzern. Bei DAF hat das nichts zu suchen. Bei DAF möchte ich eben einfach nur der Texter sein, der Poet sozusagen. Ich möchte da nicht auf Instrumenten spielen und auch nicht darauf konzentrieren müssen. Man fühlt sich viel freier, wenn man einen Bereich komplett ausklammert. Wir sind zwei unabhängige Künstler, die hin und wieder unter dem Namen DAF zusammen kommen. Wir haben auch bei DAF alles Mögliche ausprobiert. Also, dass ich die Musik gemacht habe und der Robert hat gesungen. Allerdings hat sich das nicht durchgesetzt, weil das nicht unserem Konzept entspricht und dann im Endeffekt auch nichts bringt.

Robert An gewissen Punkten muss man einfach bei den Rules bleiben, ohne nostalgisch zu werden. Da kann man nicht sagen, das probieren wir noch aus und das noch.

Gabi: Das kann man ja machen. Der Robert könnte singen und ich spiele Trompete. Aber das ist dann nicht DAF, das wäre was anderes.

Lucy: Ihr spielt ja nun heute Abend als Headliner auf dem M’era Luna. Es ist seit langem einmal wieder Euer erstes Konzert. Wie sieht das bei Euch aus mit dem Lampenfieber. Kennt Ihr so etwas überhaupt noch?

Gabi: Ich trete wirklich gerne auf. Ich hatte nie Lampenfieber. Auch damals nicht, selbst bei meinem erstes Konzert überhaupt. Ich hatte nur einmal Lampenfieber und das war vor der Hochzeit. Da war ich richtig nervös.

Lucy: Ihr seid ja nun schon einige Zeit in der Szene unterwegs, habt viel mitgemacht und erlebt. Vielleicht könnt Ihr mir verraten, was sich über die Jahre in der Szene verändert hat?

Gabi: Meiner Meinung nach ist die Schwarze Szene unheimlich gewachsen. Das geht vom EBM bis zum Punk. Das mischt sich auch in die Kategorie SM hinein und in viele andere Sachen. Ich empfinde diese Szene als eine der stärksten und neben Hip Hop sicherlich DIE Jugendkultur, die die kontroverseste ist. Für die Jugendlichen, die heutzutage nicht einverstanden sind wie das heute alles ist und nicht auf die normal etablierte Musik stehen, gibt es im Prinzip nur die Schwarze Szene.

Lucy: Schwebte Euch auch schon in der Jugend vor, später einmal Musik zu machen? Oder was waren Eure damaligen Berufsvorstellungen?

Gabi: Also ich wollte ganz früher mal Feuerwehrmann werden, aber als ganz Kleiner. Bei mir begann das schon ziemlich früh, so mit 14, 15 Jahren, noch nicht unbedingt mit der Musik, aber auf jeden Fall Kunst. Damals wusste ich nicht genau, was ich wollte. Ob ich male oder Videos drehe oder Musik mache. In der Kunst gibt es bekanntlich viele Ausdrucksformen.

Robert Ich mache Musik schon lange. So habe ich zum Beispiel schon mit 12 Jahren Trompete gespielt. Später habe ich auch Musik studiert. Ich hatte zwar auch eine Berufsausbildung ausprobiert, habe dies dann aber wieder gecancelt. Denn mir war damals schon richtig klar, dass ein Beruf, der nicht mit Musik zu tun hat, nicht in Frage kommt. Wir haben es dann zum Glück auch geschafft, dass wir von der Musik leben konnten.

Lucy: Welches war das positivste Annekdötchen während Eures Banddaseins?

Gabi: Also da gibt es viele positive und negative Erlebnisse. Aber es gibt keines, welches so wichtig ist, dass man darüber reden muss. Das positivste ist, dass wir unser freies Leben genießen können, dass wir immer genau das machten, was wir wollten.

Robert Unsere Musik war immer im Underground, nicht im Radio. Aber das ist halt DAF und es ist schon sehr positiv, dass wir es soweit geschafft haben, dass wir davon leben können und dass alles immer so gut lief, trotz dessen es so eine heftige Angelegenheit ist. Eben ganz ohne Kompromisse.

Gabi: Weiterhin positiv ist, dass alles so sehr unserem Lifestyle entspricht. Dass wir eine Formation sind, die aus freien Menschen besteht. Wir sind froh, dass wir uns nie an Regeln und Bräuche halten mussten und dass wir da auch nie hinein geraten sind.

Robert Ja genau, das ist wohl eines der positivsten Punkte an sich, dass wir das so regelten, wie wir das wollten und uns diese Freiheit auch genommen haben.

Lucy: Kommen wir doch noch einmal zu den Fans zurück. Sind diese noch immer dieselben wie damals?

Robert Unsere Fans haben wir zuletzt 2003 gesehen. Sie sind jetzt komplett gemischt.

Gabi: Ja das stimmt, es sind nun wieder andere Mischungen. Früher hatten wir diese Rockabilies, welche mittlerweile ja fast ausgestorben sind. Und Punks und Skinheads im richtigen Traditional-Style mit Hosenträgern und Fred Perry Shirts. Da gab es auch Rocker. Mittlerweile spielen Rocker kaum noch eine Rolle. Da wurden auch Sex-Klamotten getragen im Publikum. Eigentlich hatte DAF immer recht gemischte Fans, auch früher schon.
Auf einem Festival ist das Publikum immer etwas spezifischer, denn ein Festival hat ja dann doch ein bestimmtes Motto. Da ist das Publikum weniger gemischt als bei einem normalen DAF-Konzert.

Robert Genau das wollte ich auch gerade sagen. Interessant fand ich es auch, dass es sehr viele Jüngere Menschen sind. Sozusagen „the next generation“. Das habe ich heute auch bei der Autogrammstunde gemerkt. Da waren so viele dabei, die noch nicht einmal geboren waren, als wir damals begonnen haben, unsere ersten Platten zu machen. Das ist interessant. Da fragt man sich dann schon, wie das zustande kommt.

Lucy: Soll ich Euch das mal erklären?

Robert Ja bitte, erkläre es uns einmal.

Lucy: Bei mir persönlich war es die größere Schwester. Man ist praktisch in diese Musik hineingeboren und auch damit aufgewachsen.

Robert Ja und wie gesagt, das ist der interessante Punkt. Die Leute sind noch so jung und kennen alle unsere Songs. Und natürlich erkennt man auch die alten Fans im Publikum, die Leute von damals, aus den 80 Jahren.

Lucy: So, nun kommen wir so langsam mal zu der letzten Frage, auch wenn ich Euch noch stundenlang ausquetschen könnte. Worauf dürfen wir Fans uns denn als nächstes freuen? Eine Tour, eine CD, ...

Gabi: Da wird es noch einiges geben.. Wir sind gerade am Planen. Natürlich werden wir unserem typischem DAF-Style treu bleiben. Es wird uns manchmal geben und manchmal nicht. Wir werden nicht einfach nur noch ein paar Konzerte spielen. Es wird auch Produkte geben. Es wird alles Mögliche geben.

Robert Wir haben höchstwahrscheinlich vor, den Fans ein neues Produkt zu geben. Aber wir wollen noch nicht zu weit vorgreifen.

Lucy: Ich bedanke mich recht herzlich für dieses äußerst nette und aufschlussreiche Interview, wünsche Euch für heute Abend viel Spaß! Ich würde sagen, dann sehen wir uns heute Abend auf Eurem Konzert!

Robert Ja, wir sehen uns heute Abend.

Gabi: Genau!

Lucy: Ich werde auf jeden Fall versuchen, in die erste Reihe zu kommen.

Robert lacht: Ok!

Lucy steht auf und reicht Robert und Gabi die Hand: Bis später also!

Robert Bis dann!

Gabi: Bis später!