Interview mit Attention System

Rubrik: Interview

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Leo plauderte mit den Jungs von ATTENTION SYSTEM über das Debütalbum "Wait For My Signal". Wie sie ihre Mütter glücklich machen, was alles auf dem Weg bis zur ersten Platte passierte und was die Zukunft bringt, erfahrt ihr im folgenden Interview. Viel Spaß!

Hallo Leute, schon mal vorab möchte ich euch dafür danken, dass ihr euch die Zeit nehmt, unsere Fragen zu beantworten. Attention System ist eine fünfköpfige Band – wie habt ihr zueinander gefunden und euch entschlossen, eine Band zu gründen?

Chris: Hi, mein Name ist Chris Edmonds und ich bin der Bassist von Attention System. Wir alle haben uns bereits als Musiker aus der Gegend in und um Atlanta seit einigen Jahren gekannt. Einige der Jungs haben auch schon in Bands zusammen gespielt, noch bevor Attention System aktuell wurde. Alle unsere vorherigen Bands haben zusammen gearbeitet, wenn es um das Realisieren von Shows in lokalen Clubs ging. Im Sommer 2008 haben wir dann gemerkt, dass wir alle unsere früheren Projekte verlassen hatten und dachten, dass dieses Lineup wirklich stark wäre – so gründeten wir Attention System.

Und was bedeutet für euch der Name ATTENTION SYSTEM?

Chris: Der Name hat eigentlich viele Bedeutungen. Die einfachste ist eigentlich die, dass die Band eine Möglichkeit darstellt, aus einem typischen und langweiligen Lebensrhythmus auszubrechen. Ein Werkzeug, das wir nutzen können, um Unruhe zu stiften und ungeschoren damit davonzukommen! Eines der andren Attention System-Konzepte ist an Robotik angelehnt. Attention System ist ein Begriff, der gemeinhin für visuelle Wahrnehmungstechnologie verwendet wird, die primär für Objektdetektion verantwortlich ist. Das ist eine der frühen Stadien der künstlichen Intelligenz, die uns in Zukunft alle umbringen wird.

Welche Rolle spielt ATTENTION SYSTEM als Band im Kontext einer Künstlerformation innerhalb der Gesellschaft? Was begreift ihr als eure Daseinsberechtigung?

Chris: Ich denke, diese Dinge drehen sich nur im Kreis. Viele Musiker nehmen sich einfach viel zu ernst. Wir versuchen uns wirklich darauf zu konzentrieren, die Leute nur zu unterhalten. Letztlich glauben wir, dass es unsere Aufgabe ist, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu amüsieren. Das hat für sich genommen schon seine Daseinsberechtigung. Wir haben nur eine Aussage, und diese ist einfach nur, das auch zu sagen. Es gibt häufig nur ein paar Abende im Leben, an denen einfach mal alles vergessen und man die Stadt in Schutt und Asche legen kann. Wir sind hier, um eine dieser Nächte zu schaffen.

Wie arbeitet ihr denn so im Studio als Band?

Chris: In der Regel fangen wir mit dem Computer an. Einer von uns schreibt die elektronischen Sequenzen und bringt dann die Idee ein, die er dann der Band als Ganzes vorstellt. Von da aus hören wir alles zusammen an und versuchen gemeinsam, Gitarre, Bass und Schlagzeug hinzuzufügen. Wenn dann etwas dabei herauskommt, von dem wir alle glauben, dass es fett ist, nehmen wir meistens eine Rohfassung als Demo auf. Unser Sänger Brian nimmt das Material dann normalerweise für ein paar Tage mit nach Hause, um den Text zu entwerfen und notwendige Änderungen am Arrangement vorzunehmen. Ich habe die Bandphotos mit dem Haufen Gerätschaften in einer studioartigen Umgebung gesehen. War das ein echter Schnappschuss? Was könnt ihr uns über euer Studio erzählen?

ORION - weil's erotischer ist!

Chris: Ich glaube, jene Fotos sind im Ledbelly Sound Studio während unserer Sessions für Wait For My Signal entstanden. Es gehört dem Toningenieur Matt Washburn, den wir als Unterstützung für die Produktion angeheuert haben. Er hat hier in Atlanta schon mit einer großen Anzahl angesagter Acts gearbeitet und wir fühlten uns bei den Aufnahmen sehr wohl.

Was ist einzigartig und unverwechselbar an ATTENTION SYSTEM?

Chris: Das herausragendste, was wir zu bieten haben, sind unsere Liveshows. Wir bringen eine enorme Menge Energie auf der Bühne. Wenn wir spielen, denke ich, dass das Publikum diesen Vibe aufnimmt und darauf reagiert. Unsere Auftritte sind wie ein Energieaustausch zwischen uns und dem Publikum. Wo wir auftauchen versuchen wir, das Gebäude mit unserer Energie zum Einsturz zu bringen. Ich glaube, die Leute machen da einfach sofort mit und gehen richtig ab.

Ihr werdet ja verglichen mit Bands wie The Faint oder The Presets. Dummerweise kenne ich diese Bands jetzt nicht so genau. Wie würdet ihr also euren Sound im Vergleich zu den beiden genannten beschreiben?

Chris: Das sind zwei großartige Bands und es ist für uns schon toll, mit ihnen verglichen zu werden. Ich denke, unser Sound ist einfach heftiger als bei den beiden Bands. Wir haben mehr Gitarre in unserer Musik und ich glaube, wir sind deutlich aggressiver. In einigen Fällen wohl auch düsterer. Ich muss zugeben, dass wir diese Bands sehr oft anhören. Sie haben wahrscheinlich die meisten Plays auf unseren iPods.

Welche anderen Bands würdet ihr als Inspirationsquelle nennen müssen und sind diese Helden eurer Jugend?

Chris: Ich bin sicher, dass es da haufenweise Bands gibt, die wir in unserer Jugend toll gefunden haben. Punk- oder auch Metalbands wie Black Sabbath, Black Flag, Motorhead. Dann den ganzen 80er Kram wie Missing Persons, DEVO, und Duran Duran. Darkwave nicht zu vergessen, z.B. Sister’s of Mercy und Bauhaus. Alles, was eine Spur oder einen Eindruck hinterlässt, wenn man es anhört.

Wovon handeln eure Texte?

Chris: Unsere Texte folgen einer eher entrückten und post-apokalyptischen Geschichtsidee. Untergegangene Staaten, unterdrückende Regierungen, der Systemzusammenbruch und so weiter. Normalerweise schaffen wir eine trostlose und kaputte Zukunftsperspektive, gegen deren Beengung und Einschränkungen wir dann im Song kämpfen. In vielerlei Hinsicht ist das einfach Fiktion, aber es enthält oft Parallelen zur heutigen Wirklichkeit um uns herum.

Eure Musik enthält ja diverse Elemente aus Punk, Rock, Dark Wave, Synthpop usw. Wie habt ihr euren Stil gefunden und v. a. die richtige Mischung aus all dem?

Chris: Das passiert ganz einfach beim Schreiben. Wir können fühlen, in welche Richtung ein Song gehen soll und lassen es einfach passieren. Wir sind damit aufgewachsen, alle diese Musikstile zu hören und haben es geschafft, diese zu verinnerlichen. Wir müssen uns nie hinsetzen und diskutieren, was wir mit einem speziellen Song erreichen wollen. Wir versuchen einfach nur, dem Song nicht im Weg zu stehen und ihn sich entfalten zu lassen. Wir sind einfach zu diesem Zeitpunkt Teil dieser Musikstile.

Im Jahr 2008 habt ihr ja selbst eine EP herausgebracht. Was könnt ihr dazu erzählen? Wie war das Feedback?

Chris: Das haben wir damals alles in unserem Proberaum aufgenommen. Wir brauchten ein Demo, um anzufangen, Shows zu buchen. Wir haben das einfach kurz aufgenommen und auf CD gebrannt. Wir haben uns dann dazu entschlossen, die CDs kostenlos auf unseren Konzerten zu verteilen und ein paar MP3s zu versenden. Das kam ziemlich gut an und wir bekamen sogar Airplay im Radio, womit wir niemals gerechnet hatten!

Und wo kann man die EP heute noch kaufen?

Chris: Wir haben nie Geld dafür genommen. Es war etwas, was wir selbst aufgenommen haben und man kann es noch immer auf www.attnsystm.com herunterladen.

Die EP hat ja wie eben erwähnt schon für einiges an Bewegung gesorgt. Es gab sogar einen Werbespot im Fernsehen. Was könnt ihr uns darüber berichten?

Chris: Wir hörten irgendwann, dass ein Produzent aus der Stadt eine Band für einen Werbespot suchte, den er filmte. Wir haben ein paar Tracks hingeschickt und er entschied sich schließlich für Ms Machine. Der Spot wurde in Tennessee gedreht, also fuhren wir ein paar Stunden in den Norden um einen Tag vor der Kamera zu tun, als wir wären wir eine Rockband. Der Spot wurde national ausgestrahlt und war eine gute Erfahrung für uns. Wir hatten richtig Spaß und unsere Mütter konnten ihren Freundinnen erzählen, dass wir im Fernsehen sind.

Ihr habt ja sogar schon Headliner-Shows im Südosten der USA gespielt. Es sieht so aus, als wärt ihr sehr schnell vom „Nobody“ zu einer richtig bekannten Band aufgestiegen. Wir habt ihr das geschafft?

Chris: Glücklicherweise hatten unsere vorherigen Bands in Atlanta schon einen gewissen Bekanntheitsgrad, sodass wir schon etwas Vorschusslorbeeren bekamen, vor allem bei anderen Bands und Clubs. Als wir anfingen zu spielen, bekamen wir schon gute Slots, von Anfang an. Das hat natürlich sehr geholfen! Wir wussten, dass wir mit Attention System etwas Besonderes angefangen hatten, und als wir damit um die Ecken kamen, rochen alle Lunte. Wir waren auf einer Mission der Zerstörung von allem, was sich uns in den Weg stellt. Die Musikliebhaber erkennen das Gefühl, wenn sie live dabei sind. All unsere Gegner aus dieser Zeit hatten sich dazu entschlossen, sich mit uns anzufreunden.

Wo kann man euch live erleben?

Chris: Natürlich am einfachsten in unserer Heimatstadt Atlanta. Zur Zeit spielen wir meistens im Südosten der USA. Wir werden aber bekannter und die Reichweite erhöht sich ständig. Ich hoffe, dass uns die Menschen bald überall sehen können!

Könnt ihr uns von dem peinlichsten oder lustigsten Moment in der Karriere von ATTENTION SYSTEM berichten?

Chris: Unser Sänger hat einen uralten Laptop! Der neigt dazu, einfach mal Keyboard-Töne von selbst zu wechseln. Wir hatten ein paar wirklich peinliche Momente mit der Kiste! Wir haben auch mal eine Weihnachtsshow auf einer Art Festival gespielt, die gar nicht gut für mich ausging. Wir spielten sehr spät nach allen anderen Bands, ich glaube so gegen 2:00 Uhr. Ich hatte zu wenig getrunken in der Wartezeit vorher und irgendwann viel ich um und riss das ganze Schlagzeug mit. Zum Glück fing nichts Feuer bei den ganzen Kerzen...

Nach einer ausgiebigen Tour seid ihr dann wieder ins Studio gegangen und habt euer neues Album aufgenommen. Das heißt „Wait For My Signal“ und kam vor wenigen Tagen auch auf den deutschen Markt. Was bedeutet der Name für euch?

Chris: Wir wollten etwas, das ein sehr bewegendes Gefühl vermittelt. Etwas, das sehr viel Energie in sich trägt. Wir wollten, dass der Hörer so etwas spürt, als ob was passieren wird, also ob etwas Großes auf ihn zukommt.

Gibt es so etwas wie einen roten Faden in euren Geschichten, die die einzelnen Stücke miteinander verbinden?

Chris: Es gibt da immer wiederkehrende Themen, die die Songs in gewisser Weise miteinander verbinden. Ich würde das aber nicht als geplantes Konzept bezeichnen wollen. Wir leben einfach in einer von uns selbst geschaffenen Welt. Die kaputte Zukunft sehen wir um uns herum. Sie ist in vielen subtilen Dingen schon da. Wir amüsieren uns dadurch, dass wir auf diese Hinweise zeigen und uns gegenseitig darauf aufmerksam machen. Irgendwie haben wir es geschafft, diese Welt in unserer Musik einzufangen.

So, dann lasst uns mal etwas über die Songs an sich reden. Ich wähle mal per Zufall einige aus und ihr erzählt mal bisschen darüber, was euch spontan einfällt..

Siren’s City: Siren City ist ein Song, der sehr gute Publikumsreaktionen erzielt. Es war der erste Song, bei dem wir bemerkten, dass die Leute mitsingen. Er hat ein paar sehr interessante Gitarrenharmonien, die ihn sehr tanzbar machen und zugleich heavy... Er ist einer unserer Lieblingstracks, ganz sicher.

Miss Machine: Miss Machine handelt von einer futuristischen Frau, einem Mensch-Maschine-Hybrid. Sie bricht immer wieder zusammen und wird dazu getrieben, ihrem Schicksal zu entfliehen. Es geht da um Zusammenbruch, das Gefühl dabei und die Notwendigkeit sich von dem profanen Leben zu befreien.

Alibi [For A Paranoid Existence]: Alibi handelt von einem Typen, der langsam den Bezug zur Realität verliert. Der Song erzählt die Geschichte eines psychotischen Zusammenbruchs. Beginnend mit paranoiden Phantasien, dann den Versuch der Selbstdiagnose des eigenen Ausmaßes der Paranoia. Es sind die Dinge, die passieren, wenn man vergisst, was real und was nicht real ist.

Die Trying: Die Trying ist über Attention System. Es geht darum, was es bedeutet Musiker zu sein. Dass man nur noch eine Chance hat.

Werdet ihr das Album auch live präsentieren? Könnt ihr Termine verraten?

Chris: Wait For My Signal enthält zum größten Teil Material, das wir schon live spielen. Wir haben noch mehr Material, was nicht mit auf die Platte gekommen ist. Wir buchen noch immer Termine, um das Album zu promoten. Wir haben einige hier in der Gegend von Atlanta, aber noch nichts Konkretes außerhalb der USA.

Wann habt ihr vor, mit ATTENTION SYSTEM nach Europa zu kommen?

Wir würden sehr gerne und wenn es nur nach uns ginge, würden wir im nächsten Flieger sitzen. Wir müssten aber, um es logistisch möglich zu machen, mit einer anderen Band gemeinsam fliegen, da wir eine Menge Equipment mitnehmen müssten.

Ich habe auch etwas von Videos munkeln gehört. Was könnt ihr zum jetzigen Zeitpunkt darüber verraten? Glaubt ihr, dass dieses Medium für Musiker noch so wichtig ist wie vor 15 oder 20 Jahren?

Chris: Wir sind grade daran und haben die Aufnahmen fast abgeschlossen. Wir schneiden grade schon ein wenig herum. Wir sollten das erste Video bald fertig haben. Ich bin mir über den Effekt der Videos heutzutage nicht so sicher, verglichen mit früher. Nicht einmal darüber, ob es noch immer ein so interessantes Medium ist. Es gibt uns aber die Möglichkeit, auch auf andere Art und Weise ein wenig kreativ zu werden.

Vielen Dank für die Antworten und viel Erfolg weiterhin mit der Band ATTENTION SYSTEM. Was wollt ihr abschließend noch loswerden?

Chris: Ich möchte mich für das Interesse an Attention System bedanken. Erzählt allen, dass wir so hart wie möglich daran arbeiten, auch in eure Stadt zu kommen, um zu spielen!

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