Eurer zweites Album liegt jetzt mit "Blackguard" vor. Beschreibt bitte unseren Lesern was "Blackguard" ausmacht und welche zusätzlichen Einflüsse ihr gegenüber "Neophyte"
habt einfließen lassen?
Was macht „Blackguard“ aus? Das ist natürlich als Künstler schwer zu beantworten, was sein eigenes Album ausmacht.
In erster Linie sollten das, glaube ich, die gewillten Hörer feststellen.
Ich denke, wir haben eine recht komplexe, düstere Elektronik-Platte aufgenommen.
Gegenüber dem Erstling haben wir mehr auf die Komplexität des Sounds Wert gelegt, haben Harmonien stärker eingebracht und haben erstmal zwei deutsche Texte vertont.
Was war Euch bei der Umsetzung eures neuen Werkes besonders wichtig im Vorfeld?
Wir planen nicht wie unsere Musik klingen soll. Wir setzen uns ran, fangen irgendwie an und am Ende kommt ein Song raus oder auch nicht.
Von daher ist es irgendwie schwierig zu beantworten, was uns besonders wichtig war, da wir halt nicht planen.
Wir wussten lediglich, dass wir uns weiterentwickeln wollten ohne unseren Grundsound zu verlieren. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.
Wie entstehen Eure Texte? Wer ist dafür verantwortlich und haben diese autobiografischen
Charakter?
Für die Texte bei Amnistia bin hauptsächlich ich zuständig. Da ist es allerdings so, dass ich mich nicht hinsetze und vornehme einen Text zu schreiben, sondern es ist eher eine Inspirationsfrage. Das heißt, wenn eine Idee vorhanden ist, dann wird die aufgeschrieben und umgesetzt und eventuell zu Ende gedacht und dann entscheidet sich im Nachgang ob daraus dann ein Text für Amnsitia wird oder nicht.
Autobiografisch sind die Texte nicht vordergründig, das heißt, ich bin jetzt kein exibistionistischer Mensch, der da unbedingt sein Innerstes offen legen muss.
Allerdings ist es so, dass ein Text nur dann authentisch ist oder ehrlich rüberkommt, wenn da eine gehörige Portion vom Verfasser mit drin steckt.
Von dem her steckt da in jedem der Texte, die ich schreibe, schon eine Portion von meiner Erfahrung mit drin.
Wenn ich sage „hauptsächlich“, heißt das auch, dass Stefan mit unter ein Text schreibt während ich jedoch schon beim Schreiben auf einen gewissen Fluss im Text achte,
macht sich Stefan eher weniger Gedanken. Er schreibt halt im Prinzip seine Gedanken auf und dann ist es im Endeffekt so, wenn wir uns entscheiden ein Text zu verwenden, dass wir dann gemeinsam drüberschauen, wie wir den dann letztlich, ja ich sag's mal so, "singbar" machen.
An welchem Track habt Ihr auf "Blackguard" am längsten gearbeitet und welcher ist
Eurer persönlicher Favorit bzw. gibt es einen?
Am längsten haben die Songs "Emulate" und "Anger Management" gedauert. Bei "Anger Management" hab ich mir tierischst einen abgebrochen, eh der dann so klang wie er jetzt klingt. Dafür bin ich jetzt ziemlich zufrieden damit. Und "Emulate" ist halt recht komplex von den Sounds her und das war gar nicht so einfach die ganzen Sounds zu bändigen. Am kürzesten hat übrigens "Zu Staub" gedauert. Vielleicht liegt es auch daran, dass das einer meiner Lieblingssongs auf der Platte ist. Weil er besonders ehrlich ist und im Nachhinein nicht soviel editiert wurde.
Weitere Favoriten sind "Komplex". Da sind nun die zwei deutschen Titel. "Emulate" und "Creed" liegen mir auch irgendwie am Herzen. "Our Darkest Path" auch.
Ich zähle jetzt nicht die ganzen Lieder auf [lacht].
Ich finde das Album in seiner Gesamtheit recht homogen und ausgewogen. Deswegen ist es jetzt für mich ziemlich schwer da einen Favorit zu benennen.
Prinzipiell bin ich da mit Stefan aber irgendwo einer Meinung, dass "Komplex" und "Emulate" bei den schnelleren Titel so bisschen raus stechen und bei den MID-Tempo finde ich persönlich "Our Darkest Path" ziemlich schön.
Ihr setzt hauptsächlich englische Texte in euren Stücke ein... Habt jedoch zum Beispiel
mit "zu Staub" einen ausdrucksstarken deutschen Text geschrieben. Wird es in Zukunft
mehr Songs auf deutsch geben und wie steht Ihr generell zu Eurer Wahl?
Ja, wie Du so schön sagt überwiegen bei uns die englischen Texte. Das wird vorrausichtlich auch in der Zukunft so bleiben. Das heißt, die deutschsprachigen Titel werden
aller Voraussicht nach die Minderheit auf der nächsten Veröffentlichung darstellen. Es ist auch so, dass es durchaus sein kann, dass es in Zukunft gar keine deutschen
Titel mehr aufgenommen werden, weil es immer darauf ankommt, wie wir die Texte empfinden. Weil bei der Verwendung der Muttersprache es immer schwierig ist,
a) versteht immer jeder den Text bis ins kleinste Detail oder eben nicht. Und aus dem Grund ist es eben so, dass man da schnell Gefahr läuft irgendwo Klischees zu bedienen.
Und das ist ein Ding, dem wir uns mit aller Macht entziehen wollen.
Mit dem Song "Outrage" schafft Ihr es gekonnt auch Gitarrenparts in Eure elektronischen
Konstrukte einzubauen. Ist eEuch diese Experimentierfreude nach wie vor sehr wichtig auch Prozess Eurer stetigen Weiterentwicklung?
Wie ich vorhin schon angedeutet habe, sind wir nicht in irgendwelchen Konzepten oder Stylen gefangen. Also wir planen nicht wie unsere Songs am Ende klingen sollen,
sondern es passiert einfach und grade bei "Outrage" hab ich da gesessen, hab meine Soundbibliothek ein bisschen durchforstet und bin dann irgendwann bei den
E-Gitarren hängen geblieben. Die passten ganz gut zu der Baseline, die ich vorher gebaut hatte, unter den Drums und gaben dem Ganzen eine gehörige Portion Kraft.
Prinzipiell würde ich das jederzeit wieder so tun, wenn mir übers Ohr läuft was quasi passt, dann werde ich das nutzen und werde auch ohne Berührungsängste
so ziemlich alles einsetzen, was meinem Ohr und Tinos Ohr gefällt.
Das aktuelle Artwork und das Booklet ist aufwendig gestaltet. In wie weit steuert
Ihr da selber Ideen bei der Gestaltung und Umsetzung bei?
Wie schon beim ersten Cover konnten wir auch für unser zweites Album User DX gewinnen, was uns sehr erfreut hat, weil wir die Arbeiten von ihm sehr bewundern.
Es ist auch ein guter Freund von uns. Wir sind auch wieder vollends zufrieden, wie auch schon beim ersten Album.
Schön ist es, dass User so ein bisschen den Stil und die Stilmittel fortgeführt hat vom ersten Album aufs zweite Album. Man sieht irgendwie eine Linie.
Von unserer Seite gab es auch keine Vorgaben. Wir hatten lediglich das Anliegen, dass der Unhold, was ja "Blackguard" auf deutsch heißt, irgendwie personifiziert wird und dass das Ganze ein bisschen düsterer wird als das erste Cover.
Lasst Ihr Euch bei der Produktion Eurer komplexen Stücke eher emotional leiten
oder habt Ihr da ein festes Arbeitsschema?
Prinzipiell arbeiten wir nicht in festen Strukturen. Wir schreiben beide Musik, wir schreiben beide Texte. Tino ist halt hauptsächlich für Texte zuständig, ich kümmere mich um den Sound und von daher ist man in einem gewissen Grad emotional, wenn man Musik schreibt. Aber im Endeffekt kommt auch immer wieder ganz stark der Analytiker durch, der dann versucht, ob das was man gerade zusammenbaut, gut ist oder nicht.
Meistens starte ich mit einem Sound, mit einer Idee, mit einer Baseline, mit ein paar Drums und dann entwickelt sich das. Und manchmal hat man schon eine Idee im Kopf, worum es gehen soll. Manchmal schreibe ich einfach nur Musik und überlasse dann Tino die inhaltliche Gestaltung des Songs. Emotional bin ich bei Gesangsaufnahmen definitiv, weil das wäre irgendwie ziemlich schade, wenn ich ein Thema in einem Song ob es jetzt... also bei uns ist es ja meistens was Düsteres oder Trauriges oder Beklemmendes, was in den Texten thematisiert wird. Von daher ist es im Endeffekt immens wichtig, dass wir die Gesangsaufnahmen so machen wie wir sie auf den Alben präsentieren. Das heißt, wir legen Wert darauf, dass die Texte verständlich sind, dass die Stimme nicht bis zur Unendlichkeit zerstört oder verzerrt ist.
Denn nur wenn die Stimme ihren natürlichen Klang noch zum Großteil besitzt, ist eine Emotion zu transportieren. Von daher ist das vielleicht der Punkt Emotionalität, den Du da ansprichst. Und ich glaube, im Vergleich zu anderen Bands ist uns auch wichtig, dass nicht nur der Text ins Mikro reingehaucht wird, sondern, dass auch im Gesang der Text gelebt wird.
Es gelingt Euch gekonnt sich von dem üblichen "tanzbarem" Bekannten zu differenzieren. Wie bewertet Ihr die Entwicklung und die eher eintönige und wenig abwechslungsreiche
Beschallung in den Clubs unserer Nation?
Als wir damals 2003 regelmäßig in unsere Stammdisco gegangen sind haben wir uns immer ziemlich aufgeregt, was denn da für eine blöde Musik läuft. Und unser Stamm DJ
hat damals gesagt: "Macht’s doch besser!" Und irgendwie haben wir das dann uns als Grundlage genommen unsere Band zu gründen und einfach anzufangen, ein bisschen an
Musik zu arbeiten. Prinzipiell ist es für uns momentan schon schwierig in Clubs zu gehen, da wir uns mit der aktuellen Musiklandschaft nicht mehr 100%ig identifizieren können. Was nicht unbedingt heißt, dass es schlecht ist. Unser Anliegen ist jetzt nicht in erster Linie auf Gedeih und Verderb anders zu klingen als alle anderen.
Wir haben das jetzt schon bei der ein oder anderen Frage gesagt, wir setzen uns zusammen und machen Musik und das, was im Endeffekt rauskommt, das wird auf unseren Platten
zu hören sein. Wie gesagt, so wird jeder, der Musik macht, Musik machen. Weil sobald man anfängt, was zu konstruieren, wird das im Zweifelsfall nicht funktionieren.
Ich gehe davon aus, dass die Leute, die heutzutage die Musik machen, die Du ansprichst, die machen das genauso und die leben mit ihren Einflüssen genau wie wir mit unseren
Einflüssen leben und das Ergebnis ist dann die Musik die aus diesen Einflüssen entsteht. Aber es ist auch nicht unsere Aufgabe zu entscheiden, ob wir nun so anders sind als alle anderen oder wie auch immer. Auf alle Fälle ist das, was wir hier machen, nicht konstruiert und im Endeffekt freut uns das, dass Du sagst wir klingen anders, weil da können wir so falsch mit unserer Intention nicht liegen.
Habt Ihr musikalische Vorbilder?
Als Musiker ist man natürlich niemals frei von Einfl+ssen. „Vorbilder“ ist dabei aber zu weit gegriffen. Sowohl Tinos, als auch mein Geschmack deckt ein ziemlich breites
Feld ab. In der Szene sind natürlich große Namen wie Frontline, Skinny Puppy, Leæther Strip, die Bignames für uns. Aber wir mögen im Endeffekt auch verschiedenartigste Musik
z.B. De/Vision, Prodigy, Dragons, Die Krupps, Nine Inch Nails, Robbie Williams und Nelly Furtado findet bei uns auch Platz im CD-Regal. Depeche Mode... ich könnte ja
im Endeffekt jetzt ewig weiter erzählen. Musik muss einfach gut gemacht sein und muss einen ansprechen und da ist nichts verboten und da gibt’s keine Tabus.
Sind Auftritte oder weitere Veröffentlichungen im Jahr 2008 geplant?
Wir sind prinzipiell immer auf der Suche nach Auftrittsmöglichkeiten. Das ist für uns als Newcomer natürlich nicht immer einfach, weil wir keinen Booker haben. Vor dem Hintergrund sind wir besonders froh, dass wir dieses Jahr auf dem Nocturnal Culture Night Festival spielen können. Das ist ein Festival was in Deutzen, das ist bei Leipzig, im September stattfindet. Veröffentlichungen für 2008 sind soweit nicht geplant. Wir haben natürlich zwischen den zwei Alben einen relativ kurzen Zeitraum gehabt. Das heißt, wir werden in der nächsten Zeit sicher wieder anfangen an neuen Amnsitia-Stücken zu arbeiten.
Wir möchten uns an dieser Stelle für das Interview bedanken!
...by PromoFabrik (C) 2008 www.promofabrik.de
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