Interview KiloWatts & Vanek

Veröffentlicht in Bandinterview, KiloWatts

Astrid interviewte die beiden Ausnahmekünstler Peter Vanek und James Watts über ihr erstes gemeinsames Schaffenswerk "Focus and Flow", sowie darüber, wie alles begann und was die beiden beschäftigt.

 

Hallo Jamie, Hallo Peter, Danke das ihr euch die Zeit nehmt, uns ein paar Fragen zu KiloWatts & Vanek und eurem Album „Focus And Flow“ zu beantworten.

KW&V: Sehr gerne.

Bitte stellt euch doch zunächst einmal vor.

KW&V: Ich bin Peter Vanek (richtiger Name Peter van Ewijk, den keine englisch-sprachige Person jemals richtig aussprechen könnte). Ich bin 32 Jahre alt, lebe in Belgien und ich liebe es, alle möglichen Instrumente zu spielen, einschließlich des Gesangs. Ich denke ernsthaft darüber nach, mit Schreiben anzufangen. Bedeutungsvolle Texte die zum Nachdenken anregen ist eines meiner größten Ziele im Leben.

KW&V: Ich bin Jamie Watts, 29, aus Philadelphia, nachdem ich den Großteil meines Lebens in Texas verbrachte. Ich liebe elektronische Sounds und ich liebe es, die menschlichen Ohren für immer kleiner werdende Nuancen in ihrer akustischen Umgebung zu sensibilisieren.

Wie habt ihr beiden euch kennengelernt?

KW&V: Wir haben uns über das Internet kennengelernt. Wir beide besuchten regelmäßig ein Forum und die Messageboards einer Internetcommunity, die sozusagen ein Hort für Liebhaber elektronischer Musik ist.

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Und wie ist aus dem „Kennenlernen“ das Projekt KiloWatts & Vanek entstanden?

KW&V: Wir entdeckten sehr viele Gemeinsamkeiten in unserer Musik, also haben wir zunächst erstmal als Experiment einen Song zusammen gemacht. In der elektronischen Szene, in der wir uns bewegten, wurde er sehr schnell bekannt. Dies führte zum nächsten Song und der Rest ist ja bekannt.

Persönlich habt ihr euch ja erst viel später kennengelernt; bei einem Konzert in Deutschland. Beschreibt doch bitte wie eure erste Begegnung ablief.

KW&V: Durch den Kontakt über die Messageboards, Chats und E-Mails wussten wir schon sehr viel voneinander. Bei dem Prozess, zusammen Musik zu machen, teilt man sozusagen seine Seele miteinander. Als wir uns dann zum ersten Mal persönlich gegenüber standen und unser erstes Bier zusammen tranken, fühlte es sich so an, als würden wir uns schon Jahre kennen.

Wofür steht das Wort „Kilo“ im Namen eures Projektes?

KW&V: Na ja, “Kilo” ist ja das Präfix für “Tausend” und Watts ist mein Nachname. KiloWatts ist ein Spitzname, der mir als Junge gegeben wurde. Damals war mein Haar so dünn, dass es gerade hoch stand. Es sah aus, als hätte ich in eine Steckdose gefasst.

Wie verlief eure musikalische Entwicklung vor KiloWatts & Vanek?

KW&V: Als ich anfing, mit Peter zusammen zu arbeiten, war ich selbst noch am Anfang, elektronische Musik zu machen. Trotzdem wusste ich schon, welche Art von Sounds ich machen wollte. Die Arbeit mit Peter half, diese Sounds, die ich hören wollte, hervorzubringen.

Ihr lebt sehr weit voneinander entfernt (USA/Belgien); wie funktioniert die Zusammenarbeit über eine solche Entfernung?

KW&V: Es ist so ziemlich das Gleiche, wie bei anderen Bands, nur dass man sich bei uns eine Verzögerung von 12 Stunden vorstellen muss, bis man eine Reaktion des Anderen bekommt. Dadurch verzögert sich unsere Arbeit immens. Es gab uns aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, die Musik wirklich auf uns wirken zu lassen, die kreativen Ideen des Anderen nachzuvollziehen, um dann mit der angemessenen musikalischen Antwort darauf reagieren zu können. Ohne die Hilfe des Internets und der Filesharing Programme wäre das Alles jedoch nicht möglich gewesen.

Hat die Produktion eures Debüt-Albums „Focus And Flow“ aus diesem Grund 4 Jahre gedauert?

KW&V: Ja. Das und der Grund, dass wir eine ganz spezielle Atmosphäre mit diesem Album erzeugen wollten. Alles wurde zusammengesetzt, gekürzt, perfektioniert und wieder neu zusammengesetzt, bis wir am Ende das in unseren Augen perfekte musikalische Erlebnis geschaffen hatten.

Ihr habt das Album ja zunächst auf eurer Webseite veröffentlicht. Wie ging es dann weiter?

KW&V: Wir wollten erst einmal das Ergebnis mit ein paar Leuten teilen und einige Meinungen dazu hören. Glücklicherweise hörte Stefan Herwig unsere Songs und verliebte sich in sie. Das führte letztendlich zu den Verträgen mit Motor digital für den digitalen Vertrieb und mit Dependent für den physikalischen Vertrieb. Das ist ein weiterer schöner Vorteil des Internets. Dadurch, dass wir selbst unsere Musik online stellten, waren wir in der Lage, sie in die richtigen Hände und Ohren gelangen zu lassen.

Wofür steht der Titel „Focus And Flow“?

KW&V: Es sagt dir, anzuhalten und dich auf all das zu konzentrieren, das um dich herum ist, all die Bewegung, die Schönheit und all das Leben. In diesem stillen Moment kannst du loslassen und dich auf all dem treiben lassen. Das ist es, was wir getan haben. Wir hielten an, schauten um uns herum und verwandelten das, was wir sahen und fühlten, was wir fokussierten, um in Songs. Kleine musikalische Schätze, auf denen der Zuhörer sich treiben lassen kann.

Welche Themen behandelt das Album?

KW&V: Es deckt viele Themen ab: Liebe, Hoffnung, Tod, Schönheit, Hass, Schmerz, Verlust, Gedanken und Träume. Es ist eure grundlegende Was-bedeutet-das-Alles-CD, aber dieses Mal werden diese Themen aus zwei verschiedenen Sichtweisen betrachtet: der elektronischen und der organischen, die beide zu einer wunderschönen Gesamtheit zusammenschmelzen.

Ist das Album eher als Gesamtkonzept zu verstehen oder steht jeder Song für sich?

KW&V: Beides. Jeder Song kann für sich allein stehen, aber die CD ist definitiv ein Erlebnis in ihrer Gesamtheit. Alle Songs sind von dem Gedanken des „focus and flow“ durchdrungen.

Mit eurem Album beweist ihr, dass elektronische und akustische Musik durchaus eine harmonische Einheit bilden können. War es von Anfang an eure Intention zu zeigen, dass dies möglich ist?

KW&V: Nein, nicht im Geringsten. Wir fühlten, dass wir mit unserer Musik ein bekanntes Universum betraten, aber dass es so gut zusammen harmonieren würde, war auch für uns eine Überraschung. Man kann fast sagen, dass sich in den Songs das Elektronische mit dem Akustischen unterhält. Sie stehen zusammen, Seite an Seite und erzählen die gleiche Geschichte in verschiedenen Sprachen.

Ihr spielt auf dem Album sehr viel mit Sounds. Wisst ihr schon vorher, wie sich ein fertiger Song anhören wird, oder experimentiert ihr spontan während der Produktion?

KW&V: Wir fangen mit grundlegenden Akkord-Folgen, einem Beat, einer Melodie oder mit Textfragmenten an. Alles weitere folgt spontan, wie bei einer Reise, auf der wir beide uns befinden, ohne genau zu wissen, wo es hingeht. Wir diskutieren etwas über die Ausführung, aber die interessanten Dinge passieren auf halbem Wege des ganzen Prozesses. Combray, z. B., durchlief viele Phasen, bevor es das wurde, was es jetzt ist. Es entwickelte sich von einer ziemlich malerischen Melodie in ein monströses episches Erlebnis.

Gibt es einen Song, der für euch eine besondere Bedeutung hat?

KW&V: „Combray“, weil er von Proust inspiriert ist; „Odyssey“, weil es auf die griechische Mythologie anspielt; „Sudden flow“, wegen seiner Jazzeinflüsse und „Unravel“, weil es voller Herzschmerz steckt.

Wie würdet ihr eure Musik selbst beschreiben?

KW&V: Einige nennen es Glitchpop, andere sagen Folktronica, ihr könntet es als Singer-Songwriter Electrix bezeichnen, oder es einfach Pop, oder besser Lappop nennen. Etwas eindeutig zu benennen bedeutet Abgrenzung und wir möchten glauben, dass wir dabei sind, Grenzen zu überschreiten, anstatt sie zu verstärken.

Woher nehmt ihr die Inspiration für die Songs.

KW&V: Leben, Realität, die schmerzhafte Schönheit, in einer Welt zu existieren, die keine Antworten auf unsere wichtigsten Fragen geben kann. Das Songwriting reflektiert das, was wir tun, um dieses Unwissen zu überleben. Wir erträumen Lösungen in Form von Religionen und Philosophien und versuchen sie real werden zu lassen, indem wir vorgeben, wirklich danach zu leben und daran zu glauben.

Kann man euch in nächster Zeit irgendwo live erleben?

KW&V: Wir hoffen, dass wir das bald tun können! Wir würden definitiv gerne durch Europa und die Vereinigten Statten touren und etwas mehr Inspiration sammeln.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft von KiloWatts & Vanek aus?

KW&V: Schwer zu sagen. Wir sind so beschäftigt, den Moment zu leben, dass die Zukunft noch gar nicht unsere volle Aufmerksamkeit hat.

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