Inflationär gebrauchte Wörter, heute: DJ

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Posted by gnark on 21. July 2009 - 17:07 in Eigener Blog

Seit geraumer Zeit ist eine wohl bundesweit verbreitete Krankheit auch im Großraum Franken auf dem Vormarsch. Es handelt sich nicht um die Schweinegrippe, viel schlimmer: etwas, dass tatsächlich zu einer realen Belästigung ausartet.

Ständig bekommt man auf Plattformen wie Myspace Freundesanfragen von irgendwelchen Menschen, die sich dank einer unsortierten Obskuritätenammlung musikalischer Überflüssigkeiten zum "DJ" auserkoren haben. Sowas passiert natürlich immer wieder phasenweise in allen Subkulturen, aber hat in der schwarzen Szene noch eine ganz besondere Qualität: sie betrifft einen leider direkt. Lange Zeit war man in Franken zumindest angenehm unberührt von dem klanglichen Schleudertrauma, dass die Szene einmal mehr durchmacht, einmal von den wenigen noch verschmerzlichen Außnahmen abgesehen. Klar, ich mag Combichrist nicht wirklich, aber innerhalb ihrer eigenen Konzeption hat das Zeug wenigstens noch Hand und Fuß.

Für mich zeichneten sich gute DJs meist v.a. durch eine tiefe Sachkenntnis und eine besondere Liebe zur Musik aus, gekoppelt mit dem Talent diese in einer zumindest passablen wenn nicht richtig coolen Mischung zu präsentieren. Dazu kommt der Typus DJ mit tieferer kommerzieller Abhängigkeit (d.h. jenseits der Ehrenamtlichkeit bzw. reinen 0-auf-0-Rechnung), die aber - so die Erfahrung bei uns - bis auf wenige Außnahmen natürlich auch versuchen mit den handelsüblichen Abstrichen ihre Liebe zur Musik mit einzubringen. Teilweise gehen diese beiden klassischen Typen in einer Person zusammen auf. Eine Plattensammlung will ja schließlich finanziert werden ;)

Nicht neu, aber momentan mal wieder besonders im Kommen ist eine dritte Art, bei der die Motivation als DJ tätig zu sein nicht an die Musik gekoppelt, sondern an die sozialen Implikationen des DJ-seins. Also plötzliche, unerklärte Beliebtheit, weil man ja "wer ist". Insofern ist dieser grassierende Typus für die Musiklandschaft schädlich, da die Musik in den Hintergrund gedrängt wird und bloßes Mittel zum Zweck wird. Was man auch den einzelnen Abenden musikalisch durchaus anmerkt, denn diese sind bestenfalls mit Allgemeinplätzen gefüllt. "DJ" wird zum Vornamen, mit dem sich besonders gewiefte Individuen sogar höchst offiziell vorzustellen pflegen. Traurig aber wahr. Das ist mir jetzt schon des öfteren passiert.
Auch ist die Vermehrungsrate unnatürlich hoch, da diese meist gleichgesinnte Menschen um sich scharen, die sich widerum die ganz eigenen 15 seconds of fame versprechen.

Drei weitere, in der Form ähnliche Allgemeinplätze sind "Models" und "Fotographen" und "Designer". Zusammen bildet das ganze eine qualtitative "Downward Spiral" (merci Mr. Reznor) - DJs machen Veranstaltungen, deren Werbematerial lieb- und konzeptlos zusammengestöpselt wird, meist auf der Basis immergleicher, formalisierter Posen-Fotographien talentfreier Ischen-Knipser (wahlweise auch zusammengegooglete grob verpixelte Bilder) und unter dem Deckmantel vermeintlicher Professionalität nach außen verkauft.

Überhaupt fällt auf, dass nahezu alle "DJs" in der schwarzen Szene, die sich in der letzten Zeit herumtreiben meistens kaum oder sogar gar keinen wirklichen Bezug zu den Bereichen Wave oder Goth haben, dafür aggressiv genau damit werben. Das führt zu eine Verflachung, Niveaulosigkeit und Beliebigkeit sondergleichen und motiviert nicht gerade dazu, das Haus zu verlassen. (Einmal von besonderen Anlässen abgesehen).

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Comments

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Schwarzkuttenträger on 23. July 2009 - 10:18
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Dekadent

Ja die Entwicklung kann man durchaus beobachten. Aber ich seh das ganze relativ gelassen, da die Szene doch zurzeit ein wenig zuwachs hat. Und sich eben der Niveaulose Teil mittlerweile ein klein wenig das abspalten anfängt. Und es somit doch noch genug Nivauvolles Zeugs und dennoch gute DJ`s gibt. Und gute Künstler wie gute Models....

Es gibt halt mehr müll. Und es ist schweerer das wirklich gute herauszufiltern. Aber Nachfrage bestimmt das Angebot wie umgekehrt. Irgendwer interresiert sich ja auch für diesen müll... also nimmt die Szene anscheinend wirklich ab. Aber da sie wie gesagt wächst. Sollte das nicht so ins Gewicht fallen. Da sich ja auch noch "nivauvolle" Neuzugänge hinzukommen....

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Krieg ist Scheisse,
Aber der Sound ist Geil!

gnark on 23. July 2009 - 13:31
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Der enorme, mehrwertsfreie

Der enorme, mehrwertsfreie Zuwachs von Passivkonsumenten ohne jeglichen Bezug zur kulturellen Substanz ist ja genau das Problem. Eigentlich sollte sich diese um sich wuchernde Krebszelle schwarze Szene einfach mal gesundsterben.

gnark on 22. July 2009 - 17:49
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Naja nachgelassen hat das ja

Naja nachgelassen hat das ja schon lange und die Frage ist an was man "Niveau" festmachen möchte. Was ich erschreckend finde, ist wie sich dieser Zerfall immer mehr beschleunigt

Dark Soul on 22. July 2009 - 17:11
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Das ist mir leider auch

Das ist mir leider auch schon aufgefallen! Aber ich glaube nicht das sich dieser "trend" aufhalten läßt. Ist ja auch leider so, das sich das Niveau in der Szene nachläßt. Ist aber nur meine Meinung.

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