werden. Schließlich gehört das Electro-Duo seit nunmehr fast zwanzig Jahren zu
den führenden Vertretern seines Genres und hat es in all der angehäuften Zeit
immer wieder souverän verstanden, sich selbst neu zu erfinden, Grenzen des
Machbaren auszuloten und dabei eben auch den oft inflationär gebrauchten
„Crossover"-Begriff mit spannenden Inhalten zu füllen. Dass während dieser oft
mutigen Experimentierphasen auch ein zuvor etabliertes Bandgefüge
auseinanderfallen kann, gehört dann eben leider auch zu den Unwägbarkeiten in
einer bewegten Biografie.
Diese Zäsur fand bei DE/VISION zur Jahrtausendwende statt, nachdem man als
Trio jahrelang erfolgreichen, extrem gefälligen Synthi-Pop produziert hatte, mit
dem man die Aufmerksamkeit des Majors WEA auf sich zog. Dort sind mit
„Monosex" und „Void" Ende der Neunziger zwei Alben erschienen, die das
Klangspektrum der Band extrem weit öffneten. Auf einmal waren für puristische
Electro-Heads oft verpönte Gitarren kein Tabu mehr, und auch auf dem weiten Feld
der elektronischen Ausdrucksmöglichkeiten wurde sehr freigiebig experimentiert.
Diese Frischzellenkur geriet allerdings zu einer Gratwanderung, die
Gründungsmitglied Markus nicht mehr mittragen wollte, worauf er die Band verließ,
während Thomas und Steffen nicht nur zum „großen" Indie Drakkar wechselten,
sondern sich mit dem 2001 erschienenen Album „Two" auch wieder ihrer alten
Tugenden besannen.
Mittlerweile haben DE/VISION längst wieder ihren Kurs gefunden, ohne dabei ihren Sinn für neue Sounds und Experimente aus den Augen und Ohren verloren zu
haben. Die ständige Öffnung für neue Einflüsse und Ausdrucksmöglichkeiten ist
fraglos eine der fundamentalen Konstanten im Erfolgskonzept der Band, die mit
den weiteren Alben „Devolution" (2003), „6 feet underground" (2004) und
„Subkutan" (2005) eine Vielzahl von begnadeten Pop-Hymnen produzierte, die sich
dann größtenteils auf der im vergangenen Jahr erschienenen „Best Of …"
wiederfinden durften. Dort war mit dem exklusiven, extra für die Compilation
eingespielten „Love Will Find A Way" auch die erste echte
Kompositionsgemeinschaftsarbeit von Thomas und Steffen mit ihrem geschätzten
Produzenten-Team Schumann & Bach zu finden, was so gut funktioniert hat, dass
man das neue Album mit dem interessanten Titel „NOOB" gleich komplett in der
bewährten Viererrunde eingespielt hat. Daher auch der Titel, der dem
Computerspieler-Jargon entliehen ist und dort einen Neuling bezeichnet oder auch
abfällig einen erfahrenen Spieler, der Anfängerfehler macht.
„Wir suchen immer nach Worten, die die Leute auch interessant finden könnten,
auf der anderen Seite aber auch für uns verwendbar sind", klärt Frontmann Steffen
auf. „NOOB ist auf meinem Mist gewachsen, weil ich viel im Internet unterwegs bin
und auch mal Rollenspiele zocke. Ich fand den Begriff erst mal vom Klang her
interessant, ohne zu wissen, was das eigentlich bedeutet, und habe bei den
Recherchen herausgefunden, dass es eine Abkürzung für ‚Newbie' ist. Nun haben
wir das neue Album zum ersten Mal komplett mit unseren Produzenten geschrieben
und produziert, was für uns eine ganz neue Erfahrung war. In diesem
Zusammenhang fand ich den Begriff NOOB auch ganz spannend und habe ihn für
uns umgedeutet."
Somit hat Steffen, der seit dem Ausstieg von Markus alleiniger Songwriter bei
DE/VISION gewesen ist, etwas Last von seinen Schultern genommen bekommen,
was auf der einen Seite den Kompositionsprozess freier, die Entscheidungsfindung
letztlich aber auch komplizierter gestaltete. Erfreuliches Resultat der neuen
Arbeitsweise ist aber jedenfalls ein Album, das vor leicht-flirrenden Pop-Perlen nur
so wimmelt. Mit belebender Leichtigkeit fließen Songs wie „Death Of Me", „What
You Deserve", „Living Fast Dying Young", die Promo-Single „Flavour Of The Week"
oder der neuen Version von „Love Will Find A Way" durch die Gehörgänge, tauchen
DE/VISION mit „See What I See" in melancholischen Traumgefilden, und über
allem schwebt ein nostalgisches Retro-Feeling, das vor allem die musikalischen
Wurzeln der Band erinnert. Angeregt auch von den coolen Remixen, die Rotoskop
zum Release der „Best Of …" beigesteuert haben, unternehmen DE/VISION mit
„NOOB" ein Stück weit eine Zeitreise zurück in die 80s, als gerade auch in der
auflebenden Electro-Szene fleißig experimentiert worden ist und Elemente aus Pop,
Rock, Funk, Reggae, Ambient etc. miteinander verwoben wurden. Das schlichte
Artwork mit dem Neon-Schriftzug NOOB darf also unbekümmert als Reminiszenz
an diese Pionierzeit der elektronischen Popmusik verstanden werden, aber darüber
hinaus verstehen es DE/VISION mit „NOOB" einfach mal wieder, brillante Songs auf
angenehm reduzierte Weise mit modernen wie klassischen Zutaten extrem
eindringlich auf den Punkt zu bringen.
DE/VISION sind:
Steffen: vocals, synths, composing
Thomas: synths, 2. vocals, lyrics
22.09.07 Erfurt HSD (Gewerkschaftshaus)
23.09.07 Köln Prime Club
24.09.07 Essen Zeche Carl
25.09.07 Bielefeld Stereo
27.09.07 Dresden Röschenhof
28.09.07 Hamburg Markthalle
29.09.07 Magdeburg Factory
30.09.07 Rostock Mau Club
02.10.07 Leipzig Anker
03.10.07 Frankfurt Batschkapp
04.10.07 Stuttgart Röhre
05.10.07 Hannover Capitol
06.10.07 Lodz (PL) Dekompresja
07.10.07 Berlin Columbia Club
Tickets gibts exclusiv über www.poponaut.de

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