Ein Schamane im Norden Norwegens sagte einmal zu Milù: "Du singst wie das Meer - still und aufbrausend." Treffender hätte der weise Mann es nicht ausdrücken können. Nur wenige Künstler besitzen die Gabe beim Hörer einen Moment archaischer Lebendigkeit anzukratzen. Und ist der Kratzer erst einmal da, weinen sie, schmunzeln und gehen sichtlich entspannt aus der Tür, um wieder zu kommen.
Milù, so möchte man sagen, beherrscht "die Kunst der geheimen Seelensprache."
Seit nunmehr sechs Jahren begleite ich das künstlerische Schaffen der in Berlin lebenden Sängerin, Texterin und Produzentin. Die Anfänge mit ihrer Band "Mila Mar", getragen von spielerischer Eleganz, eine jugendliche Rebellion in vier Oktaven. Dann ein Seitenblick aus Richtung Mainstream-kommerziell gekrönte Veröffentlichungen und Konzerttourneen mit "Schiller". Kooperationen mit Filmemachern folgen und dann der Weg hin zum ersten Soloalbum "No Future in Gold". "Mein schönster Fehler", sagt Milù heute über ihr deutschsprachiges Album und: "Fehler muss Mensch leidenschaftlich begehen, um zu wissen, wo die eigenen Wurzeln liegen. " Wenn ich die Lieder ihres aktuellen Albums "longing speaks with many tongues" höre, Lieder wie tara, warm oder frida, dann kann ich nur vermuten, dass sie ihre Wurzeln gefunden hat.
"longing speaks with many tongues" ist ein fast puristischer Neubeginn, schnörkellos und in sich ruhend. Es ist nicht "eine Stimme" die Milù so eigen macht, es ist ihre Stimmvielfalt, ihr facettenreicher Ausdruck. So ist es nur konsequent, dass sie sich auf ihrem zweiten Soloalbum vornehmlich ihrer eigenen Sprache bedient - eine universelle Vokalsprache, die uns vermuten lässt, der Orient liegt im Eismeer.
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